LUXEMBURG
GERHARD KLUTH

Jubiläumskonzert der Solistes Européens, Luxembourg (SEL) in der Philharmonie

Mit einem Alter von 25 Jahren sind die Solistes Européens, Luxembourg (SEL) noch kein altes Traditionsorchester. Vielmehr ist es ein Klangkörper, der in vollem Saft steht und mit kräftiger Stimme im Konzert der vielen Ensembles, die im Großherzogtum auftreten, mitsingen kann. Für das Geburtstagskonzert allerdings schienen sich die Musiker ganz besondere Mühe gegeben zu haben.

Man wusste gar nicht so genau, wovon man mehr begeistert sein sollte: Von den kraftvollen und so exzellent sauber spielenden Hörnern oder den strahlenden und majestätischen Trompeten und Posaunen. Oder waren es doch die intonatorisch so überzeugenden Streicher? Dann aber kamen einem wieder die so wundervoll lyrischen Holzbläser in den Sinn. Es war ein großer Abend, den die SEL ihrem Publikum im Grand Auditorium der Philharmonie bescherten. Und nicht zuletzt war es der Chefdirigent Christoph König, der an diesem Erfolg seinen großen Anteil hatte.

Antonin Dvoráks neunte Sinfonie - Wie oft hat man sie schon gehört. Die aus der „Neuen Welt“ ist eine der meistgespielten Sinfonien weltweit. Kann man da Neues erleben? Neues vielleicht nicht, aber Frisches. König ging das Opus 95 mit Verve an und die SEL folgten ihm in jeder Sekunde. Mit breitem und flotten Pinselstrich malte König imaginäre Bilder in den Raum, ohne dabei die feinen und kleinen Nuancen zu vergessen.

Da leuchtete der majestätische Glanz des ersten Satzes, der Trauergesang des Largos rührte an, hatte aber auch sehr viel Tröstliches. Das Scherzo war heiter und nachdenklich zugleich und im vierten Satz, dem Allegro con fuoco, stoben tatsächlich die Funken und ein Feuer der Begeisterung brannte auf dem Kirchberg. Selten erlebt man stehende Ovationen für ein Orchester; aber hier war es berechtigt und ein Zeichen dafür, wie sehr die Begeisterung, die die SEL vorlebten, auf die Zuhörer übergesprungen war.

Wiedersehen mit den Renauds

Dieselbe Begeisterung gab es auch schon vor der Pause, als das Tripelkonzert von Ludwig van Beethoven verklungen war. Hier hatten die SEL in erster Linie eine dienende Funktion, die den Boden für das Solistentrio bereitete.

Der Aussage des Programmheftes, dass das Opus 56 viel zu wenig Beachtung im Konzertsaal findet, konnte man nach dieser Aufführung nur zustimmen. König war aber auch absolut auf Nummer sicher gegangen, als er die Brüder Renaud (Violine) und Gautier Capuçon (Violoncello) sowie den Pianisten Frank Braley verpflichtete.

Alle drei sind virtuose Meister ihres Fachs; gepaart mit einer tiefgründigen Musikalität. Das Publikum durfte dem Trio bei einer überaus geistreichen Diskussion, bei der die Bälle nur so hin und her gingen, lauschen und sich erfreuen.

Es ging hoch her, hier war es hitzig, dort fröhlich, dann wurde es auch lyrisch. So gespielt, sollte das C-Dur Konzert viel häufiger zu hören sein. Den Anfang des Abends machte eine Uraufführung. „Strömungen“ für Orchester von Marco Pütz standen auf dem Programm. Damit hat Pütz sein Versprechen, dem Publikum mit der Musik Geschichten zu erzählen, eingehalten. Manches aber war doch sehr plakativ, erinnerte an Filmmusik der einfachen Machart.

Insgesamt war es ein wahrer Festabend, den die SEL ihrem Publikum und auch sich selber zum silbernen Jubiläum schenkten. Da bleibt dann nur noch eines: Danke und herzlichen Glückwunsch!