LUXEMBURG
KRIS GÜNTHER

Was ist Intersex oder Intergeschlechtlichkeit? Hierbei geht es um eine Vielzahl von Varianten der Geschlechtsmerkmale, die sich auf unterschiedlichen körperlichen Ebenen zeigen können, zum Beispiel bei den Chromosomen, Hormonen, Eierstöcken beziehungsweise Hoden oder auch bei den Genitalien. Da die Unterschiedlichkeit des körperlichen Geschlechts in der Bevölkerung noch wenig bekannt ist, kann das Vorhandensein einer dieser Varianten zu Verunsicherungen führen, etwa bei Eltern, in Familien, aber auch in der Schule und anderen institutionellen Bezügen. Zum heutigen „Intersex Awareness Day“ erläutert Kris Günther, Intersex-Aktivist, was es bedeuten kann, ohne eigene Einwilligung operiert worden zu sein:

„Immer wieder war die Rede davon, sich als ‚Monster‘ und zerschnitten zu fühlen, nicht gut zu sein, von bleibenden dauerhaften Schmerzen wie auch von erheblicher Scham.

Die Frage nach der Häufigkeit des Auftretens solcher Varianten stellt der Verein ‚Intersex & Transgender Luxembourg‘ seit 2012, bis heute werden Fragen nach Zahlen und der Anwendung medizinischer Maßnahmen, insbesondere Operationen, an Säuglingen und Kindern nicht oder unkonkret beantwortet.

In einer parlamentarischen Anfrage wollte der Abgeordnete Marc Angel erfahren, welche ‚Atypien‘ und Diagnosen registriert und welche Daten vom CHL konkret erhoben wurden. Der Gesundheitsminister teilte daraufhin mit, dass das CHL seit 2010 etwa zehn Patienten in eine Studie eingeschlossen hat. Darüber hinaus gab es keine wesentlichen Angaben.

Im Rahmen des aktuellen Monitorings stellte das UNO-Kinderrechtskomitee Luxemburg Fragen zu Gewalt gegen Kinder unter anderem bezüglich der Anzahl intersexueller Kinder, die einer medizinisch irreversiblen Operation unterzogen wurden. Angesichts der bisher erfolglos gestellten Fragen bleibt zu hoffen, dass der Blick von außerhalb diesmal dazu beiträgt, dass diese Fragen endlich konkret beantwortet werden. Zuvor hatten sich bereits internationale Menschenrechtsorgane (ECRI, CEDAW-Komitee) Fragen zum Schutz von Intersex-Kindern in Luxemburg gestellt.

Dabei ist klar: Es werden keine Operationen im Kindesalter benötigt. Ein Intersex-Kind soll unbeschwert aufwachsen, wie alle anderen Kinder auch. Gebraucht wird ein Gesetz, das die körperliche Unversehrtheit als oberstes Gebot ansieht und einen wirksamen Schutz der körperlichen Integrität von Säuglingen und Kindern mit Varianten der Geschlechtsmerkmale durch Verbot medizinischer Maßnahmen sicherstellt, insbesondere Operationen im nicht-einwilligungsfähigen Alter, wenn diese nicht der Abwendung eines lebensbedrohlichen Zustandes oder schwerer Gesundheitsstörungen dienen.

Aufgrund des Tabus gibt es in Luxemburg noch immer keine sichtbare Intersex-Person, die über ihre Erfahrungen sprechen möchte. Wer möchte oder Hilfe braucht, kann sich bei Dr. Erik Schneider vom Verein ‚Intersex & Transgender Luxembourg‘ melden (tgluxembourg@gmail.com).“