LUXEMBURG
SOPHIA SCHUELKE

Mit Händen und Nasen: Cepa-Sommerakademie fordert die Vorstellungskraft heraus

Manchmal lauert die Inspiration in einem Stück Holz, das im Garten liegt oder in einem Baumarktregal steht. Für professionelle Bildhauer, die aus diesen rohen Brocken filigrane Kunstwerke schlagen, sowieso. Die freie Künstlerin Katarzyna Kot-Bach arbeitet mit Holz und Bronze und erschafft Installationen. „Man muss von allen Seiten schauen, anders und ständig überlegen, wie sich das Material durch die Bearbeitung verändert“, beschreibt sie die bildhauerische Arbeit. Die Künstlerin, die Bildhauerei in Krakau und Paris studiert hat, hat etwa für die Gemeinde Mertert die zwei großen Bronzeskulpturen „De Wënzer“ und „De Fëscher“ gefertigt.

Während der Sommerakademie der CEPA („Centre pour la promotion des arts”) hat sie ihre Begeisterung für die Materie und einen Teil ihres Könnens an Kunstbegeisterte weitergegeben, die sonst wenig mit dem Holzschnitteisen zu tun haben. Da kann das Holz schon an einer Stelle splittern oder zerbersten, ohne dass das vorgesehen war. „Kleine Unfälle offenbaren direkt eine neue Möglichkeit, wir ziehen aus dem Zufall Nutzen“, sagt die Künstlerin und hält sich an Albert Einsteins berühmtes Zitat: „Imagination ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt“.

Es entstehen Schildkröten und Vögel, aber auch abstrakte Figuren und geometrische Gebilde. Jean Schaumberg, 68, ist schon zum vierten Mal dabei. „Im Gegensatz zur Bildhauerei mit Stein birgt das Holz viel mehr Überraschungen. Ein Astloch, eine Maserung, die nicht in die gleiche Richtung verläuft.“ Die Teilnehmer sind konzentriert und bearbeiten ihre in Größe und Form sehr individuellen Werke auch noch nach Kursende weiter. „Holz ist lebendig und wir sind davon umgeben, deswegen zieht es uns an“, erklärt Kot-Bach ihre Motivation und die der Kunstbegeisterten.

Auf der Suche nach der verflogenen Duftnote

Ebenfalls um Fingerspitzengefühl geht es ein paar Räume weiter, im Gegensatz zu der körperlich anstrengenden Bildhauerei ist hier aber vor allem ein Sinn gefragt: das Riechen. Im Kurs von Richard Petitjean werden historische Parfums hergestellt: Fougère- und Chypre-Noten sowie ein Eau de Cologne. „Bis ins 19. Jahrhundert wurden Parfüme ohne Bezug auf das Geschlecht hergestellt, der Markt speziell für Männerparfums entstand erst später“, erklärt Kursleiter Petitjean.

Sei es Bergamotte, Zypresse oder Tonkabohne: Für ihre Mischungen zählen die Teilnehmerinnen genau, wieviel Tropfen sie von jeder in Wasser gelösten natürlichen Essenz dazugeben, um die Balance zwischen schnell verfliegender Kopf- und länger riechender Herz- und Basisnote zu halten. „Ich mag das Vokabular der Parfümherstellung, es ist sehr visuell“, sagt Julie, die an verschiedenen Duftproben riecht.

Welche starke Wirkung Düfte haben können, hat Marcel Proust in seinem Jahrhundertwerk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, zwischen 1913 und 1927 erschienen, beschrieben. Der Duft von Johannisbeere reicht bekanntlich, um ein ganzes Zeitgefühl einer Lebensepoche des Erzählers wachzurufen. Damals eine literarische Sensation, denn bis dato waren Düfte und Gerüche im europäischen Literaturkanon der Neuzeit selten so detailliert und sinnlich beschrieben und von der Nebenerscheinung zum individuellen Erinnerungsauslöser stilisiert worden. Besagte Cassis gehört in der Parfumherstelltung als eine der wichtigsten Früchte mit zu den wichtigsten Duftstoffen.

Das unter anderem bei Mozart und Goethe beliebte „Eau de Cologne“ wurde schon 1709 erfunden. „Leider verfliegt der Duft schnell“, sagt Dominique, die im Kurs gelernt hat, dass das an der schwachen Basisnote liegt.