LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Bilanz der Grundschulreform: DP sieht sich in ihrer Kritik bekräftigt

Die Skepsis, welche die DP im vergangenen Herbst im Hinblick auf die erste Bilanz der Grundschulreform äußerte, habe sich bewahrheitet. Das sagte gestern André Bauler in der Stellungnahme der DP zur ersten Bilanz, die Unterrichtsministerin Mady Delvaux-Stehres vergangene Woche zog.

Von Expertenstudie bestätigt

Die Liberalen sehen sich in einer Reihe Kritikpunkten von den Experten der Universität Luxemburg bestätigt. André Bauler wiederholte gestern die wesentlichen Forderungen seiner Partei, wie etwa die nach dem Schuldirektor. Dieser soll die Lehrkräfte von administrativen Arbeiten befreien und als Ansprechperson für die Eltern zur Verfügung stehen. Das Lehrpersonal könne sich dann umso mehr um didaktische Fragen und ihre Klassen kümmern.

Auch die Autonomie der Schulen, die für Themen- oder Gemeinde-spezifische Projekte, müsse gefördert werden. Der kompetenzorientierte Unterricht sei nur einer von vielen Wegen des Unterrichts. Die Vereinfachung der „Bilans intermédiaires“, Priorität der Ministerin, sei lange von der DP eingefordert worden.

Außerdem wünscht sich die Partei eine stärkere Kooperation von Schule und der außerschulischen Betreuung, die im Idealfalle unter der Ägide eines Ministeriums verwaltet werde. Immer noch ungelöst sei die Herausforderung der Sprachenvielfalt, hier habe die Ministerin selbst zugegeben, dass die Reform keine Antwort geliefert habe. Im Bericht unter der Leitung von Prof. Dr. Daniel Tröhler gab eine Majorität der Befragten mit 56,4 Prozent an, zu Hause luxemburgisch zu sprechen. Am zweithäufigsten wurde portugiesisch genannt (19,1 Prozent), 12,4 Prozent der Befragten sprechen zu Hause Französisch. Die Unterschiede zwischen den Schülern würden nicht aufgebaut werden. „Der soziale Lift funktioniert nicht“, sagte Bauler.

Eine endgültige Bilanz könne aber erst dann gezogen werden, wenn die ersten Schüler den seit 2009 reformierten Grundschulzyklus hinter sich gebracht haben und im Lycée angekommen sind.

Auf Seiten der Lehrer

Die Qualität des Unterrichts soll denn laut Aussagen Baulers verstärkt im Vordergrund des Interesses stehen - „weg von sterilen Strukturdebatten“ - besonders im Hinblick auf die Reform des „Secondaire“. Die Analyse, die einer Reform vorausgehe, sei nicht gründlich genug durchgeführt worden. Der Unterricht sowie das Lehrpersonal sollen im Mittelpunkt stehen. Auch im Hinblick auf die Hürde „examen-concours“. Die Anforderungen sollen nicht vereinfacht,
der Zugang praktischer gestaltet werden, etwa durch einen „préstage“.

Eine Reform könne nur dann gelingen, wenn es den
notwendigen Rückhalt in der Bevölkerung gebe und sie
es schaffe, den Schülern effektiv einen Mehrwert zu verschaffen.