LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Schau in der Villa Vauban veranschaulicht das facettenreiche Nachwirken Hieronymus Boschs

Viele seiner Darstellungen sind bis heute ein Rätsel geblieben, für andere wurden derweil zumindest plausible Interpretationen gefunden, nichtsdestotrotz lässt sich sein Werk nur schwer deuten: Dämonische Figuren und Fabelwesen, schauerliche Mischwesen mit menschlichen Körpern, dafür aber Tierköpfen, bizarre Monster und Gnome bevölkern die fantastisch-surreale Welt des niederländischen Künstlers Hieronymus Bosch (um 1450-1516). Die Faszination und Begeisterung für diesen großen Maler des ausgehenden Mittelalters hält bis heute an, nicht zuletzt wegen der immensen Fülle an Nachfolgern oder Nachahmern.

Gewissermaßen als Nachlese zu den zwei großen Ausstellungen anlässlich des 500. Todestags Boschs in seiner niederländischen Heimatstadt Hertogenbosch und im „Museo del Prado“ in Madrid widmet sich die Villa Vauban nun denjenigen Künstlern, die sich in den nachfolgenden Jahrhunderten an Boschs Werk inspirierten.

Nachlese zum „Bosch-Jahr“ 2016

Die Ausstellung „Hieronymus Boschs Erbe“, die am Freitagabend eröffnet wurde, ist in enger Zusammenarbeit mit dem Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlung Dresden entstanden und wurde um verschiedene andere Leihgaben, hauptsächlich Gemälde, erweitert. Wie Gabriele Grawe, Kuratorin der Villa Vauban, erklärt, habe man nach dem „Bosch-Jahr“ 2016 nicht noch einmal Hieronymus Bosch an sich feiern wollen. Anlässlich des 500. Todestages hatte sich zudem ein in Amsterdam angesiedeltes Forschungsprojekt erneut mit Zuschreibungsfragen des großen Künstlers auseinandergesetzt. „Sein Werk wurde sozusagen mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts neu erforscht. Viele neue Fragestellungen eines komplizierten Werkes wurden dabei aufgeworfen. Dieser Ausnahmekünstler hat es in der Tat geschafft, bis in die Renaissance hinein eine neue Bildwelt zu erschaffen. Unser Anliegen war es, das Erbe von Bosch in den Fokus zu stellen. Die Geschichte um die Nachfolge von Hieronymus Bosch ließe sich eigentlich bis ins Unendliche ausdehnen“, gibt Grawe zu bedenken.

100 Ausstellungs-objekte

Mit rund 100 Druckgrafiken, Gemälden sowie kunstvollen Figurinen veranschaulicht die Schau das facettenreiche Nachwirken der Kunst des Malers Bosch in der frühen Neuzeit, mit Ausblicken bis ins 18. Jahrhundert. In sieben Themenräumen wird das Nachleben seiner Bildmotive beleuchtet. Zu sehen ist etwa die bekannte Verbildlichung der Redensart „Fressen und Gefressen werden“, genauer der Kupferstich „Die großen Fische fressen die kleinen“ (1557) von Pieter van der Heyden nach einer Feder- und Pinselzeichnung Pieter Bruegels des Älteren.

Bekanntheitsgrad dank Druckgrafik

Dass es überhaupt zu dieser enormen Nachfolge kommen konnte, ist der Druckgrafik zu danken. „Dadurch war es überhaupt erst möglich, so viele seiner Motive in die Welt zu verstreuen, sodass die Menschen überall Zugang zu dem Werk von Bosch bekamen“, erklärt die Kuratorin. Mit der „Maison Aux Quatres Vents“ in Antwerpen habe sich ein Verlagshaus besonders hervorgetan. Nach Vorlagen unter anderem Pieter Bruegels d.Ä., der gerne auch als „zweiter Bosch“ bezeichnet wurde, wurden dort die frühesten Druck im Stile Boschs hergestellt, so etwa das um 1560 von Cornelis Cort (1533-1578) gestochene Triptychon „Die Endzeit, Himmel und Hölle“, das Motive aus Boschs Gemälden aufgreift. Eine um 1600 publizierte und äußerst seltene zweite Ausgabe des Blattes ist eines der Hauptwerke der Ausstellung in der Villa Vauban. Wer sich „Hieronymus Boschs Erbe“ in der Villa Vauban anschauen möchte - die Ausstellung läuft bis zum 28. Mai -, sollte indes viel Zeit mitbringen, denn nur wer sich die einzelnen Werke intensiv anschaut, entdeckt auch alle Details. Obwohl bei Boschs berühmten Höllenszenen die Angst vor Verdammnis und Peinigung im Zentrum standen, und die unheimlichen Monster sowohl faszinierten als auch verstörten, haben sie durchaus auch einen unterhaltsamen Charakter, an dem sich zahlreiche Nachfolger inspirierten.


Weitere Informationen unter villavauban.lu