WILTZ
CHRISTIAN SPIELMANN

Zu Besuch bei den Proben zu „Les Misérables“ in Wiltz

Zum 60. Geburtstag des Wiltzer Festivals erklärte Präsident Roland Kinnen letztes Jahr, sein größter Wunsch sei es, das Musical „Les Misérables“, kurz „Les Miz“, auf der Freilichtbühne im Schloss aufzuführen. 2013 erfüllt sich sein Traum!

Victor Hugo schrieb „Les Misérables“ zwischen 1845 und 1861. Komponist Claude-Michel Schönberg und die Texter Alain Boublil und Jean-Marc Natel erschufen das gleichnamige Musical 1980. In Paris uraufgeführt, läuft es seit 1985 ununterbrochen in London.

Von Brno nach Wiltz

Eigentlich sollte eine Generalprobe am Mittwochnachmittag stattfinden. Da aber die Proben am Vortag bis in die frühen Morgenstunden dauerten, hatte Regisseur Stanislav Moša seiner Truppe etwas Ruhe gegönnt. Mit Verspätung trafen daher der Regisseur und Jean-Valjean-Darsteller Petr Gazdík zum Pressetermin ein. Moša, dessen Inszenierungen von u. a. „Cabaret“, „Die Schöne und das Biest“ und „West Side Story“ in Wiltz gezeigt wurden, realisierte die Hitshow 2009 im Brno City Theatre (Tschechei). Seither wurde sie in der Tschechei und der Slowakei mehr als 200 Mal gespielt.

Für die Open-Air-Fassung in Wiltz in englischer Sprache bedurfte es allerdings etlicher Umstellungen. Die Auftritte der einzelnen Protagonisten mussten angepasst werden, wie das Bühnenbild von Christoph Weyers, das durch Videoprojektionen ergänzt wird.

Da die Truppe in Wiltz erstmals in Englisch singen muss, wurden jene Akteure ausgesucht, welche die Sprache Shakespeares am besten beherrschen. Mošas nächste Regiearbeiten sind die tschechische Erstaufführung von „Flashdance“ in Brno und „Timm Thaler - Das Musical“ in Darmstadt, mit der Musik von Xavier Naidoo.

Petr Gazdík seinerseits spielte in London bereits diese Rolle und war auch Gast bei der Jubiläumsgala zum 25. Geburtstag von „Les Miz“ in der O2-Arena. In Brno leitet er die Musical-Abteilung. Er mag das Genre des Musicals über alles, wie auch speziell diese Rolle des Sträflings Jean Valjean, der vom Polizisten Javert gejagt wird.

Stimmgewaltiger Hauptdarsteller

Als schließlich alle eingetroffen waren, wurden ein paar Szenen geprobt, die noch nicht richtig saßen. Gazdík entpuppte sich direkt beim Finale des ersten Aktes „One Day More“ als stimmgewaltig mit einer sehr guten Aussprache. Eigentlich sang die ganze Truppe gut verständliches Englisch, was ja letztes Jahr bei „West Side Story“, inszeniert vom selben Regisseur und dargeboten von Darstellern des Brno City Theaters, nicht behauptet werden konnte. Und so war man gespannt auf die Generalprobe.

Gefühlvoll und zeitlos

1815. Nach 19 Jahren Haft wird Jean Valjean auf Bewährung entlassen. Leider glaubt der gesetzestreue Polizist Javert (Lukáš Vlcek) nicht an das Gute in Valjean und jagt ihn sein ganzes Leben lang . Aus Valjean wird Monsieur Madeleine.

Nach dem Tod der Arbeiterin Fantine (Markéta Sedlácková) kauft er deren Tochter Cosette aus den Händen der ruchlosen Thénardiers (Robert Jícha und Jana Musilová) frei. Seine Flucht endet in Paris. Während des Juniaufstands von 1832 verliebt sich die erwachsene Cosette (Marta Prokopová) in den revolutionären Studenten Marius (Dušan Vitázek). Und Javert hat die Spur wieder aufgenommen.

Ohne pompöses Bühnenbild und trotz des eingeschränkten Spielraums auf der Freilichtbühne, schaffte es Regisseur Moša, diese ergreifende Geschichte tadellos zu erzählen. Natürlich sind die wunderbaren Songs von Schönberg die zeitlosen Garanten für die gefühlvolle Stimmung.

Petr Gazdík spielte einen überzeugenden Valjean und sein gesangliches Glanzlicht war der herzzerreißende Song „Bring Him Home“. Sein Gegenüber Lukáš Vlcek hat ebenfalls eine gute Stimme, hat jedoch leichte Probleme mit der Diktion.

Ganz stark war Dušan Vitázek. Er leistete schauspielerisch, wie auch stimmlich ganz Großes in nahezu perfektem Englisch. Vom weiblichen Ensemble gefielen am besten Marta Prokopová und Markéta Sedlácková. Ganz gut war ebenfalls Barbora Remišová als Gavroche.

Johana Gazdíková konnte schauspielerisch als bedingungslos in Marius verliebte Eponine gefallen. Obwohl sie kleine Probleme mit der Sprache hatte, ging ihr Solo „On My Own“ unter die Haut. Somit ist diese Fassung des Musical-Klassikers rundum gelungen und den Weg nach Wiltz wert!


Die Show ist mit deutschen und französischen
Übertiteln versehen. Tickets für dieVorstellungen
heute Abend und am morgigen Samstag gibt es über die
Internetseite www.festivalwiltz.lu
oder die Telefonnummer 95 81 45.