LUXEMBURG
INGO ZWANK

Neue Sensibilisierungskampagne der „Sécurité Routière“ gegen die Handynutzung am Steuer

Unachtsamkeit ist die zweithäufigste Ursache bei tödlichen Unfällen oder solchen mit schweren Folgen. Bereits 2015 fanden Automobilclubs in einer gemeinsamen Studie heraus, dass Menschen die Folgen von ablenkenden Tätigkeiten auf ihr Fahrverhalten absolut unterschätzen. Nebentätigkeiten, wie eine Brille aus dem Etui nehmen oder aus der Wasserflasche trinken, wirken sich selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten zwischen 30 und 50 km/h auf das Fahrverhalten aus. Das Ergebnis: 76 Prozent der Fahrer hätten nicht vor einem plötzlich auftretenden Hindernis bremsen können. Am längsten ging der Blick weg von der Straße beim Bedienen des Navigationsgerätes, gefolgt vom Telefonieren mit dem Handy. Und das ist nicht nur verboten, es ist gar lebensgefährlich - und es ist leider alltäglich, wie auch die „Sécurité Routière“ gestern im Rahmen einer Kampagnenvorstellung darlegte: Das Telefonieren mit dem Handy am Ohr während der Fahrt.

Als letztes EU-Land hat Schweden im Februar 2018 ein Handyverbot am Steuer erlassen

Während der Fahrt mit dem Handy zu telefonieren stelle ein erhebliches Unfallrisiko dar, sagte Präsident Paul Hammelmann. Darüber sind sich inzwischen alle Länder Europas einig. Als letztes Land hat Schweden im Februar 2018 ein Handyverbot am Steuer erlassen. Denn, so Hammelmann mit Ausführungen auf den deutschen Verkehrsunfallforscher Lars Hannawald: „Nach langem stetigem Rückgang steigt seit Kurzem die Zahl der Verkehrstoten (in Deutschland) wieder an. Eine der vermuteten Ursachen ist das Hantieren mit Mobiltelefonen“ - ein Umstand, den Hammelmann auch hier in Luxemburg in den (Diskussions-)Raum stellt. Doch erst seit einiger Zeit werde das Thema in Luxemburg aufgegriffen. „Unachtsamkeit als häufige Unfallursache - nach Geschwindigkeit und Alkohol“, sagte Hammelmann. „Es besteht eine Banalisierung des Umstandes - die im Gegensatz zu möglichen Folgen steht“, so Hammelmann weiter. Speziell für 2018, „für die Wahlen“, habe sich die „Sécurité Routière“ dieses Phänomen auf die „To-do-Liste“ geschrieben. „Wir sind daher froh, dass Minister Bausch diese unsere Forderung aufgegriffen hat, die Strafe von zwei auf vier Punkte bei Handynutzung anzuheben. Wir begrüßen auch, dass diesbezügliche verstärkte Polizeikontrollen erfolgen sollen“ - gegen dieses Massenphänomen, wie es Hammelmann beschrieb. Denn das Handy am Steuer sei nun einmal so gefährlich wie alkoholisiert zu fahren. In Zahlen: Die Gefahr eines Unfalls, während des Fahrens eine SMS zu verschicken, steigt um den Faktor 23.

Eine sehr wichtige Kampagne

Denn „bei 50 km/h und einer Dauer von fünf Sekunden legt der Wagen 75 Meter zurück.“ Bei 90 km/h sind es bereits 135 Meter und „bei 130 km/h sind es bereits 195 Meter“, sagt Hammelmann. Daher also nun eine neue Sensibilisierungskampagne.

„Eine Aktion, die sich nicht nur an die Autofahrer, sondern auch an die Berufsfahrer und ihre Arbeitgeber richtet“, die immer mehr unter Druck stehen und denen immer mehr Multitasking-Fähigkeiten eben auch während der Fahrt im Rahmen der Erreichbarkeit abverlangt werden - „für uns eine sehr wichtige Kampagne, die wir in dieser Form mit diesem Thema damit erstmals auflegen und auch alleine voranbringen.“

Auch eine Freisprecheinrichtung sei genauso ablenkend, führte Hammelmann aus. Auch die falsche Aussage, dass das Telefonieren im Auto nicht so ablenkend sei wie eine Diskussion mit dem Beifahrer.

Ein Video zur Kampagne findet man unter tinyurl.com/HandySecRout