LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Laut einer Umfrage des SEW: 62 Prozent der befragten Sekundarschullehrer sind unzufrieden

Das Resultat der gestern zur Rentrée des SEW/OGBL vorgestellten Umfrage zur Zufriedenheit der Sekundarschullehrer ist zwar nicht ganz so schlimm wie bei der vor der Sommerpause veröffentlichten Umfrage, die die Lehrergewerkschaft bei den Grundschullehrern gemacht hatte, und wo sich 85 Prozent der Befragten nicht in ihrem Beruf respektiert fühlten - diesmal liegt der entsprechende Prozentsatz bei 70 -, aber ihren Job erleben auch die Sekundarschullehrer als belastend, so dass sie jungen Menschen unter den derzeitigen Bedingungen dann auch mehrheitlich abraten würden, diesen Beruf zu ergreifen. Bei der Umfrage mitgemacht haben allerdings nur 370 von insgesamt rund 4.400 Sekundarschullehrern, aber Gewerkschaftspräsident Patrick Arendt befindet die Umfrage trotzdem als repräsentativ.

80 Prozent der Befragten fühlen sich indes beruflich nicht anerkannt, und 43 Prozent würden den Beruf nicht mehr ergreifen. Mit 97 Prozent gaben aber fast alle an, den Beruf trotzdem gerne auszuüben. In den Augen der meisten Lehrkräfte wird der Arbeit der Lehrer insgesamt wenig Respekt gezollt, sei das in den Medien, vonseiten der Politik oder in der Gesellschaft.

Mobilisierung nicht ausgeschlossen

Patrick Arendt zufolge hätten all die Reformen der vergangenen Jahre, angefangen bei der damaligen Unterrichtsministerin Mady Delvaux (LSAP), das Schulsystem in eine Krise gebracht und hätten zu einem Vertrauensverlust bei den Lehrern aber auch bei den Eltern geführt. So könne es jedenfalls nicht weitergehen, zeigt sich der SEW-Präsident überzeugt, der gegebenenfalls ausloten will, ob eine Mobilisierung der Gewerkschaftsmitglieder möglich sei, wobei das Syndikat in letzter Zeit einen großen Mitgliederzuwachs verzeichnet habe.

Unterrichtsminister Claude Meisch (DP) versuche die Gewerkschaften zu diskreditieren und habe sich beim letzten Treffen mit dem SEW überheblich und arrogant gezeigt. Eine Bereitschaft zu einem konstruktiven Dialog habe nicht bestanden. Dem SEW/OGBL reiche es jedenfalls nicht aus, mit dem Minister an einem Tisch zu sitzen und für ein gemeinsames Foto zu posieren. Einem Bildungstisch stehe der SEW, der hier mit zwei Mitgliedern vertreten sein wird, skeptisch gegenüber, gebe es schließlich doch auch immer noch so was wie einen „Conseil supérieur“.

Arendt beklagte des Weiteren, dass sich seit dem Amtsantritt von Claude Meisch im Unterriichtsministerium nicht mehr mit der Pädagogik, sondern nur noch mit den Strukturen befasst werde. Bedauert wurde auch die Kürzung der Zahl der Unterrichtsstunden, die dazu geführt habe, dass inzwischen kein Spielraum mehr da sei, um unmittelbar auf Krisensituationen zu reagieren, gebe es doch so einige Kinder, die spezielle Hilfe benötigen würden. Dass zur Bekämpfung des Lehrermangels inzwischen Quereinsteiger rekrutiert würden, sei keine Lösung, auch wenn diese Leute im Moment gebraucht würden. Vielmehr müsse erreicht werden, dass sich wieder mehr Leute für den Beruf interessieren würden, was aber bedeute, dass das Berufsbild und das entsprechende Ansehen verbessert werden müssten. Es müsse dann auch alles dafür getan werden, dass wieder genügend Lehrer ausgebildet würden.

Wie SEW-Vizepräsident Jules Barthel seinerseits festhielt, würden sich viele Lehrer massiv überlastet fühlen. Viele Reformen würden auf dem Papier zwar gut aussehen, aber in der Praxis fehle es an den nötigen Mitteln. Auch was die geplante Einführung einer I-Sektion in allen Schulen des Landes im kommenden Jahr anbelangt, so sieht der SEW angesichts des Informatikermangels eher schwarz...