ANNETTE DUSCHINGER

So viel ist zu tun und so langsam und zögerlich schreiten wir voran. „Wir können es uns nicht leisten, dass Kompetenzen für die Wirtschaft verloren gehen“, sagte Chancengleichheitsministerin Françoise Hetto-Gaasch ganz richtig auf dem Kongress der christlich-sozialen Frauen. Karriere mit Kind und Chancengleichheit im Beruf waren Themen ihres Redebeitrags. Neues erfuhr man allerdings nicht. Die Debatten treten auf der Stelle und es wird weiter abgewartet und geprüft: Bei der Quote für Frauen in leitenden Positionen und auch bei den Lohnunterschieden zwischen Männern und Frauen für denselben Job.

Seit 2009 ist mit „Logib-Lux“ auf dem Site des Chancengleichheitsministeriums ein Instrument verfügbar, mit dem ein Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern in wenigen Schritten ermitteln kann, ob bei ihm eine „geschlechtsspezifische Entgeltdifferenz“ besteht. Freiwillig selbstverständlich. Dennoch könnte man nach vier Jahren ja so langsam einmal eine Bilanz ziehen: Wie viele Unternehmen haben das Instrument genutzt? Was haben sie festgestellt? Welche Konsequenzen haben sie gezogen? Haben sich die Lohnunterschiede verändert? Oder hat sich der Tatendrang darin erschöpft, ein Instrument zur Verfügung zu stellen?

Immerhin war die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf dann auch ein Thema. Damit Familien Job und Kindererziehung besser vereinbaren können, plädierte die Chancengleichheitsministerin für flexiblere Arbeitszeiten, Telearbeit, mehr Betriebstagesstätten sowie für ein größeres Angebot an Tageseltern. Gleichzeitig, typisch und ganz nach CSV-Manier unterstützte sie dann aber auch den Vorschlag, dass der Staat dem Elternteil, der sich der Kindererziehung widmen möchte und auf seinen Job verzichtet, einen Teil der Pensionsbeiträge zahlen soll. Und schafft damit aktiv und öffentlich finanziert einen Anreiz, dass Kompetenzen für die Wirtschaft verloren gehen.

Zwanghaft wird weiterhin für jede bloße Forderung zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine weitere Maßnahme zur Förderung des ohnehin schon steuer- und sozialrechtlich einseitig unterstützten traditionellen Familienmodells ergriffen. Jeder Schritt hin zu mehr Unterstützung für berufstätige Eltern wird konterkariert mit einer „Herdprämie“. Ganz nach deutschem Vorbild bleibt das finale Argument die sankrosankte Wahlfreiheit für Eltern, die in Wahrheit aber immer ein bisschen mehr Richtung Kinder-lieber-zu-Hause-selber-Erziehen tendieren soll. Warum kann man nicht ein für alle Mal festlegen, dass es eine öffentlich- hoheitliche Aufgabe ist, Eltern, die berufstätig sind, Job und Familie zu erleichtern? Warum unterbindet man nicht endlich diese Neid- und Eifersuchtsdebatte zwischen dem „besseren“ Familienmodell? Und wann hört man auf, einen Ausgleich schaffen zu müssen für Dienstleistungen, die nicht in Anspruch genommen werden. Oder wird etwa eine Sessel-Prämie ausbezahlt an Menschen, die lieber zuhause sitzen als ein öffentlich subventioniertes Kulturprogramm im Theater oder der Philharmonie zu besuchen?