ANNETTE DUSCHINGER

Der Referenzarzt war gestern das Thema der Quadri-partite: Es wurde eine Evaluation dazu von der Generalinspektion der Sozialversicherung vorgestellt. In die öffentliche Diskussion kam der im Juli 2012 eingeführte „médecin référent“ kürzlich, als Sozialminister Romain Schneider in seiner Antwort auf eine parlamentarische Frage angab, dass der Erfolg eher bescheiden sei. Nur 21.370 Versicherte hatten sich für dieses Hausarztmodell bis zum März 2015 entschieden. Das klingt in der Tat nach wenig. Es sind auf der anderen Seite aber 20 Prozent der Patienten, die als Zielgruppe anvisiert waren. Denn um die Kosten nicht explodieren zu lassen, hatte man ja verlautbaren lassen, ihn zunächst chronisch Kranken und Personen über 70 zugänglich zu machen.

Der Minister schließt aus dem mageren Feedback, dass die Maßnahme bei den Versicherten nicht bekannt genug sei und dass sie von den Ärzten nicht ausreichend angenommen wurde, denn nur jeder zweite Hausarzt hätte überhaupt mitgemacht. Zudem hätten einige Ärzte zwischenzeitlich auch aufgehört, Patienten für das Konzept zu gewinnen. Nun, das ist ja auch kein Wunder: Was bislang nicht in die Öffentlichkeit drang - eher wohl auch nicht dringen sollte -, ist die Tatsache, dass die CNS im vergangenen Jahr den Referenzarzt aufkündigte. Seit dem 29. Juni 2014 gibt es für die Ärzte das Modell und seine Tarife nur noch ein Jahr und dann ist Schluss. Dabei sollte es eine zentrale Rolle im Gesundheitssystem spielen und ist vor allem in Art 19 des Sozialversicherungsrechts bindend verankert.

Dem Gesetz nach müsste die Regelung des Referenzarztes innerhalb von einem Jahr nachverhandelt werden, sollte man denn überhaupt noch Interesse daran haben. Bislang war allerdings noch kein Treffen mit der Ärzteschaft anberaumt - und in zwei Monaten läuft die Frist ab. Gestern kam dann das Signal: Wir wollen ihn doch und verhandeln jetzt ganz schnell neu. Wir wollen ihn doch oder wir brauchen ihn doch? Denn Thema der Quadripartite war gestern auch die elektronische Patientenakte - das „dossier de soins partagé (DSP)“. Es ist eigentlich seit einem Jahr einsatzbereit und mittlerweile sind auch die datenschutzrechtlichen Fragen geklärt. Ab Mai möchte es die „Agence E-Santé“, die es entwickelt hat, nun gerne „präfigurativ“ in den Einsatz bringen. Bei wem? Na, bei den Patienten der Referenzärzte natürlich, genau da also, wo es am meisten Sinn macht. Grenzt Luxemburg etwa an Schilda?

Wie führt man etwas ein und legt gleichzeitig alles daran, dass es ja nie genutzt wird? Und wie kriegt man jetzt wieder die Kurve? Das Gezanke um den Referenzarzt ist eine dieser unsäglichen Geschichten, mit denen unnötig im Gesundheitssystem Ressourcen, Zeit und Nerven verplempert werden. Per Gesetz seit Dezember 2010 vorgesehen, zwei Jahre Diskussionen bis zum Start bei einer schlussendlich restriktiven Zielgruppe, lange keine Vergütung, weil das Budget fehlte, immer mehr administrative Hürden, bis die Ärzte „d’Flemm domat haten“ und dann die Kündigung. Bei dem ganzen kommunikativen Chaos - wundert man sich da noch, dass der Erfolg ausblieb? Am Ende hatten doch die Arbeitgebervertreter Recht. Sie wollten von Anfang an den Referenzarzt erst zusammen mit dem DSP einführen.

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