LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Covid-19-Tests sollen im großen Ausmaß durchgeführt werden

Wie das Gesundheitsministerium am späten Nachmittag mitteilte, hat Luxemburg zwei neue Corona-bedingte Todesfälle zu beklagen. Damit haben hierzulande bislang 85 Menschen den Kampf gegen das Virus verloren. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt bei 83 Jahren.

Auf Covid-19 positiv getestet wurden in Luxemburg inzwischen 3.695 Personen - das sind wieder 30 mehr als am Vortag. Der Altersdurchschnitt liegt hier immer noch bei 46 Jahren. Von den infizierten Personen sind 2.998Ansässige und 697 Nichtansässige; 51 Prozent sind Männer und 49 Prozent Frauen.

Seit Beginn der Krise wurden bislang insgesamt 37.782 Corona-Tests durchgeführt. Hospitalisiert sind im Moment 163 Leute (Covid-19 und Verdachtsfälle), von denen 25 auf der Intensivstation liegen. Entlassen wurden bislang 760 Corona-Patienten.

Teststationen im ganzen Land?

Im Regierungsrat wurde indes neben zusätzlichen Dringlichkeitsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Krise auch ein Monitoring-Projekt angenommen, das es erlauben soll, Corona-Tests im großen Ausmaß durchzuführen. „Cette stratégie est une stratégie d‘atténuation proactive de la pandémie. L’objectif primordial est de faire face, de la meilleure manière possible, à l‘émergence d’une seconde vague d’infection dans la suite des mesures de dé-confinement“, heißt es dazu in der Mitteilung über den Regierungsrats.

Wie RTL in diesem Zusammenhang zu berichten wusste, sollen dafür Teststationen im ganzen Land aufgebaut werden, so dass sich jeder testen lassen kann, aber nicht testen lassen muss. Mit den Tests anfangen könnte man beispielsweise bei den Schülern, wenn die Schulen wieder aufgehen.

Am Nachmittag setzten Premierminister Xavier Bettel und Gesundheitsministerin Paulette Lenert dann auch noch das Parlament über die jüngsten Corona-bedingten Beschlüsse ins Bild - eine Pressekonferenz, so wie sonst, gab es gestern aber leider nicht.

„Predi-Covid“-Studie ist angelaufen

Die „Research Luxembourg Covid-19“-Arbeitsgruppe teilte ihrerseits mit, dass die „Predi-Covid“-Studie gestartet ist, in der Langzeitfolgen der Krankheit in Luxemburg sowie wichtige Risikofaktoren und biologische Marker identifiziert werden sollen, die mit der Schwere der Covid-19-Erkrankung zusammenhängen. „Predi-Covid“ soll dazu beitragen, ein besseres Verständnis davon zu erhalten, warum manche der mit SARS-CoV-2 infizierten Patienten schwere Symptome zeigen, während die Infektion bei anderen einen milden Verlauf nimmt, um letzten Endes eine personalisierte Behandlungsempfehlung auszusprechen. Die Studie wird außerdem Mitglieder aus dem Haushalt von neu Covid-19-positiv getesteten Personen beinhalten, um die Übertragung des Virus in dieser Hochrisikogruppe zu untersuchen. Insgesamt soll dieses Projekt wichtige Erkenntnisse liefern und das Verständnis sowie den Umgang mit dem Ausbruch verbessern.

Eine Covid-19-Infektion zeigt sich durch eine Vielzahl verschiedener Symptome, die sich durch Art und Intensität unterscheiden und daher einen sehr unterschiedlichen Ausgang bei betroffenen Patienten nehmen können. Das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung steigt mit zunehmendem Alter. Nichtsdestotrotz ist derzeit wenig über klinische oder biologische Kriterien bekannt, die zu diesen beobachteten Unterschieden in Schwere und Vorhersage der Krankheit führen könnten.

„Durch ein verbessertes Verständnis der Heterogenität der Schwere der Krankheit wird unsere Studie die genaue Auswertung der Prognose von Covid-19-Patienten ermöglichen. Dies wird wiederum politischen Entscheidungsträgern als wertvolles Werkzeug dienen, um Maßnahmen im öffentlichen Gesundheitswesen effektiv zu steuern. Darunter könnten zielgerichtete Isolationsmaßnahmen für die Angehörigen der Haupt-Risikogruppen sein“, erklärt Prof. Laetitia Huiart, Direktorin der Abteilung für Öffentliche Gesundheit am LIH und Leiterin der Studie.

Zu diesem Zweck wird eine Kohorte aus volljährigen Personen gebildet, die rezent positiv auf das SARS-CoV-2-Virus getestet wurden. Alle positiv getesteten Teilnehmer, die nach Beginn der Studie durch das nationale digitale Covid-19-Erfassungssystem (http://suivicovid.lu) registriert wurden, können an dieser Studie teilnehmen, wenn sie der Verwendung ihrer Daten für Forschungszwecke zustimmen. Menschen, die bereits zuvor positiv für den SARS-CoV-2 getestet wurden, sind von der Studie ausgeschlossen, auch wenn sie gegebenenfalls jetzt noch Symptome zeigen, damit der gesamte Verlauf der Erkrankung im Rahmen der Studie erfasst werden kann.

Die „Predi-Covid“-Studie wird von einer Gemeinschaft aus Luxemburger Forschungsinstitutionen geleitet, darunter das LIH, die „Integrated Biobank of Luxembourg“ (IBBL), das „Laboratoire National de Santé“ (LNS), die Universität Luxemburg, das „Centre Hospitalier de Luxembourg“ (CHL) und die „Hôpitaux Robert Schuman“ (HRS). Die Studie wird vom „Fonds National de la Recherche“ (FNR) mit einer Summe von 1,85 Millionen Euro unterstützt und von der André-Losch-Stiftung-kofinanziert.

ULC warnt vor zusätzlichen Gebühren

Zu Wort meldete sich heute aber auch noch einmal der Konsumentenschutz ULC, nachdem er seit der Wiedereröffnung der Baustellen am vergangenen Montag zahlreiche Beschwerden von Verbrauchern erhalten hat, die für die Wiederaufnahme ihrer Baustelle erhebliche Mehrkosten - mehrere tausend oder sogar Zehntausende Euro - von ihrer Baufirma gefragt bekommen haben.

Die ULC empfiehlt allen betroffenen Verbrauchern, die Vertragsänderung nicht in der ihnen vorgelegten Form zu unterschreiben und das Unternehmen darüber zu informieren, dass sie mit dieser Vorgehensweise nicht einverstanden sind. Es sei ratsam, sich mit dem Unternehmen in Verbindung zu setzen, um so sachlich wie möglich die Modalitäten für die Wiederaufnahme der Arbeit zu vereinbaren.

Webseite „covid19-psy.lu“ nun in drei Sprachen

Die Webseite covid19-psy.lu, die nützliche Informationen zur psychischen Gesundheit anbietet, ist indes ab sofort in drei Sprachen verfügbar (Französisch, Deutsch, Englisch). Hier können sowohl Bürger als auch Leute aus dem Gesundheitssektor Hilfe finden. Zwischen dem 8. und dem 23. April wurde die Webseite nicht weniger als 6.000 Mal besucht.

Corona-Krise

EU verlängert Exportbeschränkungen

Die EU verlängert in der Corona-Krise ihre Exportbeschränkungen für medizinische Ausrüstung, lockert sie aber zugleich. So sollen die Länder des Westbalkans künftig von den Einschränkungen ausgenommen werden, wie die EU-Kommission heute in Brüssel mitteilte. Zudem sei die Liste der betroffenen Produkte gekürzt worden. Künftig würden die Einschränkungen für Gesichtsmasken, Schutzbrillen und Schutzkleidung gelten.
Die Beschränkungen waren Mitte März eingeführt worden. Demnach muss die Ausfuhr medizinischer Ausrüstung in Länder außerhalb der EU von den anderen EU-Staaten erlaubt werden. Dies sollte zunächst für sechs Wochen gelten, liefe also Ende der Woche aus. Die neuen Regeln sind zunächst für 30 Tage angesetzt. Ausnahmen soll es auch für Exporte in die Schweiz, nach Norwegen, Liechtenstein und Island geben. Zu Beginn der Corona-Krise hatte Deutschland mit einem Alleingang für Unmut in den anderen EU-Staaten gesorgt. Um Schutzkleidung für den deutschen Bedarf zu sichern, hatte Berlin Anfang März ein Exportverbot mit wenigen Ausnahmen erlassen. DPA/LJ