LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Die 16-jährige Sophie Hasser ist in ihrer Wettkampfkategorie Luxemburger Meisterin im Taekwondo - Im Interview spricht sie über ihre Leidenschaft für die koreanische Kampfkunst

"Hier sitzt Sophies Taekwondo“, sagt Itthichai Hasser und deutet auf die Brust seiner Tochter, dort wo das Herz sitzt. Die 16-Jährige lacht, dann nickt sie bestätigend mit dem Kopf. Für Sophie Hasser ist der koreanische Kampfsport mehr als eine physische Herausforderung. Es ist eine Leidenschaft, der sie nun seit acht Jahren aktiv nachgeht. Im vergangenen Jahr ist sie bei den Junioren-Damen in der Gewichtsklasse unter 55 Kilo Luxemburger Meisterin geworden, sowohl im Kyorugi (Kampf) als auch im Poomse (vorgeschriebene Bewegungsformen). Die Leidenschaft teilt sie übrigens mit ihren drei Geschwistern. Auch Bruder Felix und Schwester Alice sind Luxemburger Meister in ihren Wettbewerbsklassen. Dennis, der jüngste in der Familie, hat kürzlich bei einem Turnier im belgischen Diest die Goldmedaille in seiner Kategorie errungen. Wir haben Sophie über ihren Weg in ihrem Sport befragt.

Wie bist Du zum Taekwondo gekommen?

Sophie Hasser Eigentlich durch meinen Bruder Felix. Der hat 2007 einmal einen Flyer mitgebracht, durch den der Taekwondo Club Centre Luxembourg zum Training einlud. Wir haben uns das angesehen. Seither bin ich dabei geblieben. Zunächst habe ich drei Jahre lang die Techniken erlernt und seit 2010 kämpfe ich.

Was fasziniert Dich an dem Sport?

Hasser Die körperliche Herausforderung zum einen. Das Zusammensein mit meinen Freunden im Club macht mir aber auch enorm viel Spaß. Wir sind wie eine große Familie. Sehr interessant ist aber auch, dass man viel in der Welt herum kommt und auf Trainingscamps, Turnieren oder Meisterschaften immer neue Leute kennen lernt.

Welches Turnier war denn bislang für Dich das größte Highlight?

Hasser Dass ich 2012 an den Junioren-Weltmeisterschaften in meiner Kategorie im ägyptischen Charm El Sheik teilnehmen durfte. Das wäre aber fast zu einer riesigen Enttäuschung geworden. Denn die Prüfer hatten festgestellt, dass ich leicht über dem erforderlichen Gewicht für meine Klasse war. Die Kriterien sind nämlich sehr streng. Oh nein, habe ich da gedacht, die ganze harte Vorbereitung und die lange Reise umsonst?

Ich wollte damals Taekwondo tatsächlich hinschmeißen. Dann durfte ich trotzdem antreten und habe einen Kampf gegen eine Brasilianierin gewonnen. Leider wurde dieser Sieg nachträglich widerrufen.

Aber die Tatsache, dass ich die erste luxemburgische Taekwondo-Kämpferin war, die einen Kampf bei einer WM für sich entscheiden konnte, gab mir wieder Selbstvertrauen und Motivation.

Das Ganze hat mich gelehrt, dass ich noch disziplinierter sein muss, was mein Training und mein Körpergewicht anbelangt.

Du hast von harter Vorbereitung gesprochen. Wie oft trainierst Du denn in der Woche?

Hasser In der Regel habe ich montags, donnerstags und freitags Training im Club. Zusätzlich kommen samstags und sonntags noch Kadertrainings hinzu, wo wir uns gezielter auf Wettkämpfe vorbereiten.

Jede Trainingseinheit dauert mindestens zwei Stunden. Zusätzlich versuche ich, regelmäßig zu joggen und trainiere zu Hause auch mit Gewichten. Eigentlich tue ich jeden Tag etwas fürs Taekwondo.

Was ist derzeit Dein sportliches Ziel?

Hasser Ich kämpfe nun erstmals in einer anderen Wettbewerbsklasse, wo das erforderliche Niveau schon höher ist.

Ich werde versuchen, da mitzuhalten. Außerdem möchte ich bei Turnieren gut abschneiden und auch meine Prüfung für den dritten Dan bestehen.

Ich würde mich auch sehr freuen, einmal im Geburtsland des Taekwondo, in Korea, an einem Trainingscamp oder einem Turnier teilnehmen zu dürfen. Ich möchte auf jeden Fall so weit wie möglich im Taekwondo kommen.

Möchtest du Deinen Sport irgendwann einmal zum Beruf machen?

Hasser (Lacht) Das wäre mein Traum. Ich habe mir schon öfters überlegt, wie es wäre, wenn ich eine Taekwondoschule hätte und hauptberuflich als Trainerin arbeiten könnte.

Aber das wird wohl eher ein Traum bleiben. Derzeit besuche ich die 10ième paramédicale im Lycée Technique de Bonnevoie und möchte mich zur Kinesitherapeutin ausbilden lassen.