PATRICK WELTER

Fangen wir mal mit der netten Seite des immer noch real existierenden Sozialismus an - Kuba. Die Ideen von Karl M. aus Trier sind unter strahlendem Sonnenschein leichter zu ertragen als anderswo, und die Brüder Castro waren und sind populär. Weniger nett ist, dass in diesem tropischen Sozialismus zwei Welten existieren. Wer konvertierbare Pesos hat, kann sich alles im Supermarkt kaufen. Wer auf die „normalen“ Pesos angewiesen ist, kriegt Mehl, Öl, Zucker und ein bisschen Fleisch im staatlichen Geschäft. Sonst nichts. Womit sich wieder erweist, dass Gevatter Marx ein brillanter Analytiker war, aber in der Praxis ins Chaos führt. Das kann charmant janusköpfig wie in Kuba ablaufen, wo niemand hungern muss, aber jeder weiß, dass das System am Ende ist. Was an der guten Laune der Kubaner nichts ändert - vermutlich weil es eine unausgesprochene Übereinkunft zwischen Bürgern und Einheitspartei gibt, sich irgendwie ohne Gewalt und Blutvergießen durchzuwurschteln.

Hässlich wird es dagegen am südlichen Ufer der Karibik. Der „bolivarische Sozialismus“ eines Nicolas Maduro ist nichts anderes als eine rot geschminkte Militärdiktatur. Wer das reichste Land Südamerikas ruiniert, den Mittelstand in die Armut getrieben und Hungerwanderungen ausgelöst hat, kann mit Recht behaupten, dass Hilfslieferungen aus dem Ausland eine Beleidigung und/oder ein trojanisches Pferd der Amerikaner sind. Natürlich waren es neoliberale Provokateure, die die Lkws mit Hilfslieferungen - wenn es denn keine Waffenlieferungen waren - angezündet und vernichtet haben. Maduro setzt auf die größte real-sozialistische Untugend: Er sperrt sein Land ein. Die Seegrenze zu den niederländischen ABC-Inseln - geschlossen; die Landgrenzen zu Brasilien und Kolumbien- geschlossen. Damit sichert sich Maduro vorübergehend die Macht, verschärft aber die Hungerkrise weil er private Versorgungswege für die Bevölkerung kappt. Schon vor zwei Jahren waren die venezolanischen Fischer dankbar für jeden Fisch, den sie im Hafen vom Willemstad für ein paar Antillen-Gulden verkaufen konnten. Aus und vorbei.

Wer glaubt dem Typ eigentlich noch? Die orthodoxe Linke schon. Jene Linken weit jenseits der Sozialdemokratie und der sogenannten Reformlinken. Jene Linke, die sich sehnlichst in die graue Zeit der glücklichen Jahre vor 1989 zurücksehnt. Auf dem Europaparteitag der deutschen „Linken“ gefroren die Mienen der Pragmatiker, als mit Bannern wie „Hände weg von Venezuela“ für Solidarität mit Venezuela geworben wurde. Natürlich mit dem bolivarischen Presidente Maduro und nicht mit dem hungerndem Volk. „Vorwärts zum Sozialismus“. Leserbriefe in diesem Duktus haben wir auch schon erhalten. Lieblingsargument: Die imperialistischen Amerikaner sind nur hinter dem venezolanischen Öl her. Bei allem Ekel vor Trump, aber das Argument Öl geht fehl. Die USA fördern durch neue Technik so viel Öl und Gas, dass sie es verkaufen müssen. Da ist aber eine andere Geschichte.

Nach den letzten Tagen stehen die - natürlich vom Westen inszenierten - Zeichen auf Blut, Schweiß und Tränen. Maduro setzt auf Gewehre. Wie der Volkstribun Erich H. schon sagte: „Den sozialistischen Ochs‘ hält kein Esel auf.“ Oder so ähnlich.