LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Die Band Drife geht mit „Rock The Couch“ in die Corona-Offensive

Eigentlich sollte die luxemburgische Alternative-Rockband Drife gerade für Aufnahmen im Studio stehen. Doch die Corona-Pandemie hat auch diesen sechs Musikern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Um trotzdem weiter Musik machen zu können und auch anderen lokalen Bands diese Möglichkeit zu bieten, haben sie die Initiative „Rock The Couch“ auf Facebook gestartet. Wir haben uns mit Michel Schumann, dem Bassisten der Band, über dieses Projekt, die momentane Situation und natürlich die weiteren Pläne von Drife unterhalten.

Wie erleben Sie die aktuelle Situation?

Michel Schumann Es ist schon eine Ausnahmesituation. Jeder spürt die Konsequenzen in seinem Alltag. „Social Distancing“, die Arbeit wurde ins Homeoffice verlagert... Alle gewohnten Bezugspunkte, die man im Leben hat, sind größtenteils weggefallen. Jeder versucht, sich irgendwie anzupassen. Gleichzeitig hat man viele Möglichkeiten, sich mit sich zu beschäftigen, vielleicht auch mal runterzukommen und herauszufinden, was man im Leben noch so vorhat oder was eben bleibt, wenn all diese Bezugspunkte weg sind. Für mich geht es gerade etwas mehr weg vom rein Materiellen, dafür aber mehr in Richtung des Menschlichen. Das gilt auch für unser Projekt „Rock The Couch“. Das ist einfach etwas rein Menschliches, um den sozialen Kontakt wieder in die Vitrine zu stellen. Wir merken ja gerade, dass längst nicht alles, was wir haben, so selbstverständlich ist. Besonders die banalen Sachen nimmt man schnell für selbstverständlich, doch jetzt kann man nicht mal eben vor die Tür gehen, Freunde treffen, mit den Kollegen Musik machen...

Habt Ihr also deshalb als Band „Rock The Couch“ auf die Beine gestellt, sozusagen als Kompensierung?

Schumann In gewisser Weise. Da wir im Moment nur das beeinflussen können, was wir selbst tun, haben wir uns überlegt, wie wir uns der Situation anpassen können. Klar war, dass wir Lust hatten, weiter unsere Musik zu machen. Wichtig war uns auch, einen Weg zu finden, um sich innerhalb der Luxemburger Musikszene solidarisch zu zeigen. Letztlich sitzen wir alle im gleichen Boot. Wir haben dann eine Reihe Bands angeschrieben, um herauszufinden, ob sie motiviert sind, zusammen einen schönen Moment zu schaffen und den Leuten draußen auch einen etwas anderen Einblick in die ganze Szene zu geben.

Und das Feedback war gleich positiv?

Schumann Definitiv. Mit Drife waren wir letztes Jahr viel unterwegs und haben etliche Bands kennengelernt, sodass wir ziemlich schnell zehn zusammen hatten und loslegen konnten. Das erste Fazit, das ich ziehe, ist durchweg positiv. Ich selbst habe schon so viel gelacht bei den bisherigen Konzerten. Man kennt die Leute ja doch und freut sich dann auch, ihre Gesichter zu sehen. Und sie können sich komplett so zeigen, wie sie sind. Wenn man zuhause in seinem Keller oder Wohnzimmer sitzt und Musik macht, sagt das ja viel aus, und als Zuschauer bekommt man einen ganzen anderen Einblick. Den Künstlern bietet dies die Chance, sich auch einmal anders zu vermarkten und vielleicht sogar ein ganz anderes Publikum ansprechen. Das Wichtigste ist aber im Endeffekt, dass das Ganze in gewisser Weise eine gemeinsame Aktivität ist. Musik verbindet. Auch wenn jeder allein zuhause sitzt, so hat man doch das Gefühl, auf einem Konzert und nah an den Leuten zu sein. Gerade in dieser Krise ist es wichtig, dieses Gefühl vom Miteinander zu schaffen. Und Initiativen wie „Rock The Couch“ sind eine schöne Möglichkeit, die ganze Kultur am Laufen zu halten. Der Zugang zur Kultur ist momentan besonders wichtig.

Gibt es irgendwelche Vorgaben?

Schumann Ganz klar muss das „Social Distancing“ eingehalten werden. Wenn Leute zusammen spielen, dann weil sie entweder ein Paar sind oder ohnehin zusammen arbeiten. Prinzipiell gibt natürlich keine Band in kompletter Besetzung ein Konzert. Vorzugsweise bieten wir Bands eine Plattform, die aktiv sind und die eigene Lieder schreiben. Der Bekanntheitsgrad ist kein Kriterium. In den nächsten Wochen haben wir auch Solokünstler im Programm, die vielleicht noch nicht auf vielen Bühnen standen, denen wir aber auch die Möglichkeit geben wollen, ihre Musik zu präsentieren. Der musikalische Stil ist ebenfalls nicht unbedingt ein Kriterium, es geht aber tatsächlich eher in Richtung Rock, wobei das ja ein dehnbarer Begriff ist.

Wird die Initiative vom Kulturministerium unterstützt?

Schumann Wir hatten angefragt, bis jetzt ist aber noch nichts dabei rumgekommen. Das ist aber nun auch nicht so wichtig, die Künstler machen in erster Linie aus Spaß an der Sache mit. Für mich zählt einfach diese Solidarität zwischen den Bands, dieses Zwischenmenschliche, das damit im Fokus steht, dass wir uns alle auch ein bisschen anders kennenlernen und uns vielleicht in Zukunft anders organisieren können. Gleichzeitig spannen wir den Bogen zur Gesellschaft, nach dem Motto, einfach mal was geben, ohne etwas zu verlangen. Das ist die Botschaft. Genau das verstehe ich unter Solidarität.

In welchem Rhythmus finden die Konzerte statt?

Schumann Jede Woche stellen wir ein Programm mit drei Konzerten auf und versuchen das Ganze auf jeden Fall bis Ende April zu ziehen. Bisher weiß ja niemand, wie es weitergeht. Jedes Wochenende stehen samstags und sonntags Live-Konzerte an, und in der Woche dann mittwochs oder donnerstags ein weiteres.

Und Drife mischt als Band ebenfalls mit?

Schumann Ja, wir sind an diesem Sonntag dran, beziehungsweise unser Sänger Jeff Petry, eigentlich sind wir ja sechs Leute. Wir nutzen die Gelegenheit auch, um Werbung für andere Lieder zu machen, die die Leute vielleicht weniger kennen. Unsere Pläne wurden natürlich wegen der Corona-Krise auch durcheinandergewirbelt. Letztes Jahr haben wir viele Konzerte gespielt, beim Kolla Festival, Last Summer Dance und so weiter. Dieses Jahr wollten wir viel aufnehmen. Eigentlich wollten wir jetzt an Ostern im Studio sitzen. Diese Pläne sind nun nach hinten verschoben worden. Wie es weitergeht, wissen wir nicht, es lässt sich ja auch nicht alles nach hinten verschieben. Wir sollten an sich beim Koll an Aktioun und bei der Fête de la Musique spielen, aber ich frage mich, ob in diesem Sommer überhaupt eine große Veranstaltung über die Bühne gehen wird, und man kann ja auch nicht alles in den September verlegen. Mit Drife werden wir jetzt jedenfalls in den nächsten zwei Wochen ein neues Lied mit dem Titel „Leave it all behind“ veröffentlichen, das wir vor einiger Zeit aufgenommen und jetzt fertig gemixt und gemastert haben.

Vom Titel her passt es ja schon mal in die momentane Zeit...

Schumann Ja, das sage ich auch immer (lacht). Von der Stimmung her passt es nämlich nicht so ganz in die Sommerzeit. Es ist ein bisschen nachdenklicher, deshalb trifft es die Stimmung jetzt doch irgendwie. Die zwei neuen Songs, die wir jetzt eigentlich hätten aufnehmen sollen, wären sommerlicher und ein bisschen tanzbarer gewesen. Sie hätten Lust gemacht, rauszugehen. Das wäre momentan aber wohl das falsche Signal. Jedenfalls ist in letzter Zeit viel Material zusammengekommen, wir waren sehr produktiv, und das werden wir am Sonntag bei „Rock The Couch“ zeigen.

In einem früheren Interview habt Ihr zugegeben, die Band anfangs eher aus Jux gegründet zu haben. Das hat sich aber schnell geändert?

Schumann Definitiv, wir sind seit zwei Jahren wirklich voll dabei und haben viel Energie reinsteckt. Letztes Jahr haben wir genutzt, um Bühnenerfahrung zu sammeln, und dieses Jahr wollten wir auf die größeren Bühnen hinaus und eine EP veröffentlichen. Natürlich müssen wir jetzt schauen, was wir davon hinbekommen (lacht). Wir machen das Ganze jedenfalls mit einer großen Seriosität, obwohl es ein Hobby ist. Trotzdem versucht man besser zu werden und sich weiterzuentwickeln, was den Sound anbelangt oder die Souveränität, mit der man auftritt. Unser Ziel ist es jedenfalls, zu einer etablierten Band im Land zu werden. Und es macht einfach Spaß. Es ist ein schönes und kreatives Ventil für das persönliche Leben. Keiner von uns war vorher in einer Band, keiner stand auf Bühnen, wir sind also keine zusammengewürfelte Gruppe aus Mitgliedern anderer Bands. Wir sind einfach Drife.

Die nächsten Termine: Francis Of Delirium am 11. April um 20.00, Drife am 12. April um 20.00. www.facebook.com/rockthecouch