LUXEMBURG
DANIEL OLY

Drei Luxemburger unternehmen Ritt im stählernen Schlachtross

Geschichte greifbar machen - das wollen „Living History“-Gruppen wie die „2nd Armored“-Organisation. „2nd Armored“ vereint viele Interessengemeinschaften aus ganz Europa, die sie zu großen gemeinsamen Veranstaltungen zusammen führen, um Geschichte - wenn auch nur für eine Woche - wieder lebendig zu machen. Eine dieser Veranstaltungen ging Anfang September unter dem Codenamen „Final Thrust“ in Belgien an den Start. Dabei wurde der Vorstoß der US-Streitkräfte in den ersten Septemberwochen 1944 nachgestellt. Mit dabei: drei Luxemburger in ihrem leichten M8-Panzerspähwagen, der liebevoll „Rita“ getauft wurde. Der „Greyhound“ kommt aus Privatbesitz und gehörte für die Männer eine Woche lang quasi zur Familie: Als Übernachtungsmöglichkeit, als Transport, als Arbeitsplatz. Jeder Handgriff musste sitzen und am Ende bildete sich eine echte Kameradschaft.

Wie kommt man eigentlich dazu, bei sowas mitzumachen?

„Die Faszination dafür muss man natürlich haben. Ich selbst habe schon seit Jahren Memorabilien gesammelt und mich für historische Uniformen und Ausrüstung interessiert. Irgendwann kommt dann das Interesse daran auf, die Ausrüstung auch einmal in Aktion zu sehen“, meint Ben Sander hierzu. Er fuhr als Besatzungsmitglied im Spähwagen mit.

Sonst sieht man die Uniformen und die Ausrüstung nur an Puppen in einem Museum, und auch die Fahrzeuge sind eher eine Seltenheit auf den Straßen. Die Möglichkeit, an einer immersiven Reproduktion teilzunehmen, war nur all zu verlockend. Auch ein Vorteil: „Der Repro-Markt ist heute größer denn je, man riskiert immer seltener das wirklich echte Zeug kaputt zu machen“, erklärt Sander. Trotzdem kommt man nicht von hier auf jetzt auf die Idee, diesen Schritt zu unternehmen: „Die Faszination an ‚Living History‘ kommt nicht spontan, meist muss man erst die richtigen Leute kennen lernen, die einen zum Mitmachen motivieren.“ Für Sander war es quasi eine Fügung des Schicksals: Er hatte 2013 an einer Veranstaltung namens „Duty First“ nahe Bastogne teilgenommen. Hier hat er den ersten Kontakt aufgenommen.

Der Begriff „Living History“ ist gefallen -was versteht man darunter?

„Da ist es wichtig, eine Trennlinie zu ziehen. Ein großer Unterschied zum reinen Re-Enactment ist meiner Ansicht nach sehr wichtig: Beim Re-Enactment wird mehr Action gemacht, mehr herum geschossen.“ Davon will man sich distanzieren: „Wir arbeiten mit dem kommemorativen Aspekt, um Geschichte für einen kurzen Moment wieder zum Leben zu erwecken. Zum einen für sich selbst, zum anderen aber auch für all diejenigen, die damit nichts anfangen können.“ Ganz nebenher lerne man auch eine neue Hochachtung für die historischen Leistungen: „Wer einmal einen kilometerlangen Marsch mit 25 Kilogramm Gepäck und Gewehr aushalten muss merkt schnell, wie schwer das Ganze ist - und das bei solider Verpflegung und ohne Beschuss…“ Mit Ehrfurcht und Respekt wolle man der Geschichte begegnen.

Welche Erfahrung wurde gemacht?

„Viel Positives und nur wenig Ärger“, erklärt Ben Sander, „seltsam war es schon, sich einige Tage lang kaum waschen zu können, ständig auf Draht zu sein - da gab es sogar eine Gruppe, die sich ‚the filthy hotel‘ genannt hatte und Wetten abschloss, wer es länger ungewaschen aushielt.“ Die positiven Erfahrungen überwiegen jedoch: „Wir haben bei dem Spähwagen geschlafen, in Camps zusammen mit mehr als 120 anderen Teilnehmern. Morgens gab es Morgenappell, danach Essensverteilung bei der Feldküche... Da hat sich eine echte Kameraderie entwickelt, ein Teamgeist.“ Auch die Bereitschaft, Befehle anzunehmen und sich zu organisieren, gehöre dazu. Genau wie das ewige Warten: „Krieg ist nicht nur Action und Ballerei. Es ist organisatorische Detailarbeit, die zu langen Wartezeiten führt. Unser Fahrer hatte da so einen Spruch: ‚Hurry up and wait!‘ Das traf es ziemlich gut.“

Besonders gefreut habe ihn die rege Partizipation und Faszination bei der Zivilbevölkerung in den belgischen Dörfern, durch die der Tross fuhr. „Ein, zwei Jeeps im Dorf, und schon stehen die Leute auf der Straße und winken.“ Allgemein scheint die „Living History“-Bewegung also positiv aufgenommen zu werden.

Mit „The Yankees Luxembourg“ hat sich jetzt auch eine luxemburgische „Living History“-Gemeinschaft gebildet, die von Sander mitorganisiert wird.

Das erklärte Ziel sei, Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. „Deshalb helfen wir gerne bei Präsentationen und veranschaulichen Handgriffe oder Material - beispielsweise für Schulen.“ Einen Teil Geschichte am Leben erhalten - eine lobenswerte Initiative.

Fotos von dem Trip gibt es unter anderem hier

"We want you"

Die "Yankees" suchen engagierte Verstärkung

Wer sich für das Thema begeistern kann und auch einmal Geschichte nachbilden möchte, findet die Gruppe auf Facebook unter
https://www.facebook.com/26th.theyankees.luxembourg