CLAUDE KARGER

Notdürftig mit Planen zugedeckte Dächer auf einer ganzen Straßenlänge, Fassaden, die aussehen, als ob sie mit einer Kanone beschossen worden wären, Spanplatten als Ersatz für Fensterscheiben, Schuttberge, ein verbogener Strommast in einer Wiese.... Eine Woche nach dem Tornado in Käerjeng und Petingen kann man noch ahnen, mit welcher Wucht der mit 180 bis 250 Stundenkilometern rasende Wirbelwind in nur ein paar Minuten Teile dieser Ortschaften verwüstete. Die Spuren der unaufhaltsamen Naturgewalt, die hunderte Häuser beschädigte und Dutzende großer Bäume aus dem Boden riss, werden diese wohl noch lange prägen. Genauso wie die Betroffenen, die noch vor einem Haufen ungelöster Fragen stehen und von denen manche noch nicht wieder nach Hause zurück kehren konnten. Einige wissen noch immer nicht, ob sie überhaupt noch in ihrem Heim wohnen können.

Manche sehen das Damoklesschwert des finanziellen Ruins über sich schweben. Sie dürfen - Abdeckung durch eine Versicherung hin oder her - nicht im Stich gelassen werden und müssen auch die notwendige Unterstützung bekommen, um den Papierkrieg zu bewältigen, der auf sie zurollt. Dass unter Schock stehende Opfer des Tornados auch mehrere Tage danach vielleicht den Nerv noch nicht hatten, Versicherungs- und andere Formulare zu wälzen, versteht man nur zu gut. Auch hier müssen Versicherungen und Behörden die Betroffenen weiter unterstützen, damit sie schnell und unkompliziert auch an finanzielle Unterstützung kommen. Man muss auf jeden Fall den Hut davor ziehen, wie schnell und unkompliziert sich die Soforthilfe nach der Katastrophe entfaltete. Große Ehre gebührt dem Einsatz der Rettungs- und Sicherheitskräfte aus dem In- und Ausland, den Gemeindeverantwortlichen- und bediensteten aus den betroffenen und den vielen anderen Kommunen, die zur Hilfe eilten, den unzähligen Helfern aus allen Teilen des Landes, die schnell vor Ort waren, um den Schutt zu beseitigen, den Unternehmen, die mit ihren Chefs und Mitarbeitern zur Stelle waren, um Reparaturen vorzunehmen, den schnell agierenden Versicherungsagenten und -experten, den Hotelbesitzern, die plötzlich Obdachlose umgehend unterbrachten, den Bürgern und Vereinen, die quasi umgehend damit begannen, Spenden für die Opfer zu sammeln.

Einer der Spendensammler, der sich dieser Tage uns gegenüber über die Welle der Solidarität nach dem Tornado freute, wünschte sich zugleich, dass sich die Menschen auch im Alltag mehr zur Seite stehen würden und sich auch solidarischer bei großen Anliegen wie etwa Umwelt- und Klimaschutz oder Armutsbekämpfung zeigen würden.... Ja, weshalb klappt das eigentlich nicht? Es wäre jedenfalls ergiebiger, über diese Fragen nachzudenken, als - wie es verschiedene Zeitgenossen vor allem auf den sozialen Medien nach der Katastrophe pflegten - über Politiker herzuziehen, weil diese in der Urlaubszeit nicht sofort am Ort der Katastrophe anwesend sein konnten - was natürlich nicht bedeutet, dass sie nicht von ihrem Urlaubsort aus Hilfe organisieren konnten. Noch ergiebiger wäre freilich, wenn die Kritikaster Hand mit anpacken würden...