LUXEMBURG
PAUL GALLES

Als der 20. Dezember vor rund zwölf Jahren zum Internationalen Tag der menschlichen Solidarität ausgerufen wurde, bezeichnete Ban Ki-moon, Generalsekretär der Vereinten Nationen, „die Solidarität als Notwendigkeit, um die Probleme dieser komplexen Welt lösen zu können“. Paul Galles, Koordinator des solidarischen Benevolats bei Young Caritas, hat sich ein paar weihnachtliche Gedanken zu diesem Aktionstag gemacht.

„Jeder von uns hat Schlüsselsätze, die sein Leben prägen. Zum Beispiel: ,Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum.‘ Oder: ,Ich glaube an dich, du kannst das.‘ Für mich war es: ,Ärgerlich zu schauen, strengt mehr Muskeln an als zu lächeln.‘ Ich weiß nicht, ob es biologisch stimmt, aber seitdem lächele ich noch lieber. Und in meinem Alter beginne ich außerdem zu hoffen, dass das Lächeln wenig günstigere Falten wegstrafft.

Die Natur will es uns scheinbar einfach machen, zu lächeln, froh zu sein, mit einem offenen Gesicht durch die Gegend zu laufen, anstelle eines verschlossenen. Vielleicht bedeutet dies ja: Freundlichkeit, Nächstenliebe, Solidarität sind etwas Natürliches.

Aber so natürlich und selbstverständlich Solidarität mit anderen Menschen auch sein mag - ist sie nicht doch vom Aussterben bedroht? Oder ist es nur mein Eindruck, dass wir immer ungeduldiger und misstrauischer werden? ,Der profitiert doch nur, der sollte doch mal was arbeiten, der faule Sack kann mich vergessen.‘ Oder dass wir im Straßenverkehr noch selten jemanden den Vortritt lassen? Ist Solidarität also noch zu retten? Sie braucht mindestens drei Stützen.

Erstens: Aufmerksamkeit! Um die Solidarität zu retten, braucht es Menschen, die aufmerksam sind, wem es nicht gut geht. Und warum es anderen nicht gut geht. Nicht aus Faulheit, sondern wegen Schicksalsschlägen. Wir brauchen Experten der Armut, die sagen: ,Aufgepasst, hier sind Menschen, denen wir Unrecht tun.‘

Zweite Stütze: dass wir eine große Vision haben. Ich bekomme jedes Jahr ein paar hundert Mails oder Messages von Menschen, die Kleider oder Spielzeuge oder Süßigkeiten spenden wollen. Das ist fantastisch! Und ich treffe zugleich Menschen, die daran arbeiten, dass Notleidende wieder ein ganz neues Leben beginnen können. Wie bei Armand, dem Obdachlosen, dem ich gerade ein paar Münzen in seinen Becher geworfen habe. Er sieht mich an: ,Danke sehr. Aber sag mir: glaubst du noch an mich? Hab ich noch eine bessere Zukunft?‘ Wir brauchen diese Vision: das Ende aller Armut! Und Menschen, die politisch, privat, in Vereinigungen oder in den Medien für diese Vision kämpfen!

Und dann braucht die Solidarität noch ein drittes Kriterium: ein positives Menschenbild. Das positive Bild jener Menschen, die unsere Solidarität brauchen. Und das positive Bild aller Menschen, die die Solidarität leben. Menschen, die den anderen zulächeln.

Weihnachten hat eine gewisse Magie. Egal ob wir religiös oder nicht religiös sind. Es strahlt die Botschaft aus, dass jedes Kind, jeder Mensch eine unendliche Würde hat. Es erzählt davon, wie ein kleines Kind nur durch die Solidarität der anderen überleben konnte. Nicht umsonst ist der Internationale Tag der Solidarität am 20. Dezember. Vier Tage vor Heiligabend. Vier Tage der Erinnerung, dass es vielleicht jemanden in unsere Nähe gibt, der ein gutes Wort, eine liebe Geste, ein schönes Lächeln gut gebrauchen kann. Und dass Solidarität nicht nur etwas Romantisches ist, sondern dass wir eine sehr große und wichtige Verantwortung füreinander haben. Frohe Weihnachten!“