LUXEMBURG
JEAN-LOUIS ZEIEN

Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf die arbeitenden Menschen in unseren Lieferketten. So sind viele Produzenten und Arbeiter in Afrika, Asien und Lateinamerika enorm unter Druck geraten und sind in ihrer Existenz bedroht. Der faire Handel erweist sich für viele in dieser Notsituation als unverzichtbares Sicherheitsnetz.

„In Zeiten der Corona-Krise besteht ein erhöhtes Risiko von Verletzungen der Menschenrechte, was die Versorgungsketten weltweit anbelangt. In Asien lassen Bekleidungsfirmen mitten in der Pandemie Arbeitnehmer im Stich. Dutzende von Unternehmen mit weltbekannten Marken und ihre Einzelhändler haben ihre Auftragsbücher storniert, ohne die finanzielle Verantwortung zu übernehmen, selbst wenn die Kleidungsstücke bereits produziert wurden. Einige Fabriken weigern sich sogar, die für den Monat März geschuldeten Löhne zu zahlen. Hunderte von Textilfabriken haben geschlossen, und Millionen von Arbeitnehmern werden nach Hause geschickt, oft ohne die gesetzlich vorgeschriebene Bezahlung oder Abfindung.

In Bangladesch wurden bereits etwa eine Million Arbeiter entlassen oder vorübergehend suspendiert, von denen die meisten keinen Lohn oder eine andere Entschädigung erhalten haben. In Myanmar haben bereits 20.000 Arbeiterinnen ihren Arbeitsplatz verloren. In Kambodscha könnten einer Schätzung zufolge bis zu 200.000 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Wanderarbeiter sind besonders betroffen, so wie in Indien, wo nach Fabrikschließungen viele gezwungen sind, in ihre Heimatstädte zurückzukehren. Anderenorts müssen Plantagenarbeiter wiederum ohne Vorsichtsmaßnahmen und Schutzausrüstung weiterarbeiten.

Als Reaktion auf den Ausbruch von COVID-19 hat Fairtrade International, bei der die NGO Fairtrade Lëtzebuerg Mitglied ist, vorübergehend einen Teil ihrer Standards angepasst, damit die Erzeugerorganisationen sofort Maßnahmen ergreifen können, um die Gesundheit und die Lebensgrundlagen ihrer Erzeuger, Arbeiter und Gemeinschaft zu schützen.

Die neuen Richtlinien erlauben es den Erzeugerorganisationen in über 70 Ländern des Globalen Südens, die Fairtrade-Prämie zur Eindämmung der Ausbreitung von Krankheiten zu verwenden. Die Fairtrade-Prämie kann nun zur Erkennung, Begrenzung und Behandlung von Covid-19-Kontaminationen eingesetzt werden. Es wird beispielsweise zur Herstellung resp. Bezahlung von Masken, Schutzhandschuhen, Reinigungs- und Desinfektionsprodukten verwendet, kann aber auch zum Kauf von Lebensmitteln verwendet werden. Zur Erinnerung: Die Fairtrade-Prämie ist eine Summe, die zusätzlich zum Fairtrade-Verkaufspreis an die Erzeugerorganisationen gezahlt wird. Die Prämie wird von den Mitgliedern demokratisch verwaltet und in Gemeinschaftsprojekte oder Ausbildung investiert. Im Jahr 2018 brachte die Prämie den Erzeugerorganisationen mehr als 187 Millionen Euro.

Zudem besteht die Möglichkeit dank der Fairtrade-Prämie - trotz der aktuellen Verkaufsverluste oder Ernteunterbrechungen - Barauszahlungen zur Existenzsicherung der Produzenten vorzunehmen. In einer solchen Krise ist der faire Handel eine echte Antwort, um Produzenten und Arbeitnehmern im Süden zu helfen, und er beweist heute wieder einmal, dass er sowohl wirtschaftlich als auch in gesundheitlicher Hinsicht als unverzichtbares Sicherheitsnetz fungiert. Lassen Sie uns mehr denn je geeint und solidarisch sein. Als Verbraucher hat jeder die Macht, den Helden unserer Lieferketten zu helfen.

‚Keep apart, stay united! #Fairtrade together‘.“