LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Der Bankenverband ABBL ist die hohen Kosten leid und wünscht sich angepasste Regeln

Der Bankenverband ABBL hat gestern offiziell seinen neuen Präsidenten vorgestellt. Guy Hoffmann, CEO der luxemburgischen Raiffeisen-Bank, war einziger Kandidat und wurde erwartungsgemäß gewählt. Gar nicht konsensfreudig gaben sich die Bankenvertreter hingegen mit Blick auf die aktuelle Lage der Branche.

Die Banken sehen sich in der Zange zwischen steigenden Kosten für Personal, Technologie und vor allem Regulierung einerseits und sinkenden Einnahmemöglichkeiten in einem Niedrigstzinsumfeld andererseits. „Der Finanzplatz läuft gut und wir sind solide aufgestellt“, betont Hoffmann. Der Wirtschaft und Luxemburg gehe es gut. Die 139 Banken am Platz haben aufgrund der Regulierungen viel mehr Geld zurücklegen müssen und sind entsprechend solvent. Die Liquiditätsrate stieg auf 24,8 Prozent.

Nettoergebnis schrumpft um 21 Prozent

Doch die Banken sind sauer. Warum erklärt sich aus den Zahlen. Die Kosten wachsen schneller als die Gewinne. „Rund 60 Prozent der Banken haben mehr Volumen umgesetzt, dennoch liegt das Nettoergebnis bei minus 21 Prozent“, ärgert sich Hoffmann. Personalkosten steigen um 1,5 Prozent, Verwaltungskosten gar um 4,9 Prozent.

Die Banken mussten quasi ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts, nämlich 468 Millionen Euro 2016 nur für Regulierungsmaßnahmen ausgeben. Für 2017 sollen die Zahlen vergleichbar sein. Da riss auch eine höhere Zinsmarge von 3,4 Prozent oder die in gleichem Maße gestiegenen Provisionen das Ergebnis nicht mehr heraus; zumal die sonstigen Einnahmen um 35 Prozent zurück gingen.

Für Hoffmann ist klar, dass die Banken auf lange Sicht weniger profitabel sein werden und somit auch weniger Geld für ihre Kunden haben. Die ABBL-Mitglieder hatten 58 Milliarden Euro Kredite vergeben, davon 33 Milliarden Euro an Haushalte und 24 Milliarden Euro an Unternehmen, den Rest an Verwaltungen.

Banken zahlen drei Mal

„Wir zahlen drei Mal“, ärgerte sich Yves Maas, der nach der gestrigen Wahl vom Präsidenten zum Vizepräsidenten der ABBL wurde, „bei der Technologie, CSSF und EZB sowie bei den eigenen Mitarbeitern.“ Zwar sei man froh über die Stabilität im Sektor. „Aber man kann es auch übertreiben“, kritisierte Maas. Die Schuld weist er „Leuten in Brüssel und bei der OECD“ zu, die ständig darüber nachdenken würden, wie sie den Bankensektor noch sicherer machen könnten ohne Ahnung vom Geschäft zu haben.

Damit spielt Maas auf die Entwicklung seit der Finanzkrise 2007/2008 an. Diese hatte zu verstärkter Finanzaufsicht und deutlich mehr Vorschriften geführt. Dieser Trend reißt laut den Bankern nicht ab. Viele fühlen sich bestraft für das Fehlverhalten von wenigen großen US-Konkurrenten. Darüber hinaus stockt die luxemburgische Finanzaufsicht CSSF ihr Personal, das nun bei fast 900 Mitarbeitern liegt, auf. Bezahlt wird sie von den Banken und anderen beaufsichtigten Institutionen wie den PSF. Auch die Kosten für die Aufsicht bei der Europäischen Zentralbank trage man. Darüber hinaus sind die Banker sauer über die „European Securities and Market Authority“ (ESMA) in Paris, die ebenfalls für sie zuständig sein soll, und die ungleiche Rapportpflicht.

Digitalisierung und Arbeitsplätze

Serge de Cillia, CEO der ABBL, ging auf das Thema Digitalisierung ein, das die Banken ebenfalls beschäftigt. Sie investieren in Webseiten, Apps, E-Filialen und Mitarbeiterschulung. „Vieles ist nicht kostendeckend“, warnt er. Bis Ende des Jahres soll es eine Übersicht geben, damit Kunden die einzelnen Leistungen der Banken und deren Kosten leichter vergleichen können. Die CSSF sammelt derzeit dazu Daten. „Das alles wird auch Konsequenzen für die Arbeitsplätze haben“, ist de Cillia überzeugt. Die ABBL rede derzeit mit den Gewerkschaften. Näheres - insbesondere zum Thema Kollektivvertrag - wollte der ABBL-Direktor allerdings nicht sagen.

Klar ist: 2008 beschäftigten die Banken noch rund 27.300 Menschen, jetzt sind es 26.111. Die Banken als großer Einstellungsmotor in Zeiten hoher Kosten und niedriger Profite - daran glaubt keiner im Verband. Banken tun sich schwer bei der Akquise. Gesucht sind Profile mit mindestens Bac plus drei, also eher langer Studienzeit. Um die kämpfen die Banken häufig mit der öffentlichen Hand. Darüber hinaus lässt die angespannte Verkehrssituation und Steuerregelungen eine Arbeit für Grenzgänger - die die Mehrheit stellen - weniger attraktiv erscheinen. Hier könnten politisch ausgehandelte Regeln zur Telearbeit helfen.

Der CEO nannte weitere Prioritäten: So könnten Wettbewerbsvorteile entstehen, wenn das „Haut Comité de la Place financière“ aktiver bei der Entwicklung gefragter Produkte sein. Die Finanzierung der CSSF - immerhin 25 Millionen Euro seitens der Banken - könnte anders und breiter verteilt werden. Steuervorteile und Vermögenssteuer sollten global vereinheitlicht werden. Und die Banken könnten nach dem Vorbild der USA gemäß ihrer Größe reguliert werden. Diese Ideen hat die ABBL allen Parteien zukommen lassen. Nicht alle haben reagiert. Die ABBL wünscht sich darüber hinaus kompetente Luxemburger in den Brüsseler Gremien, die die Regeln für den Finanzsektor festlegen, damit nicht Gesetze auf die Schnelle geschrieben werden, die schlecht umsetzbar sind.