LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Marc Hilgert hat immer noch die erste Küche seit seinem Umzug. „Das reicht mir“, sagt der 40-Jährige gelassen. Dabei sitzt Hilgert an der Quelle. Kaum einer weiß so viel über Küchen, Bäder, Teppiche oder Leuchten wie er. Egal, ob Abzugshauben nach unten entlüften oder Induktionsplatten oder Boxspringbetten angesagt sind: Hilgert und seine Familie kennen die Trends.

Denn Marc Hilgert ist die zweite Generation beim „Kichechef“, den sein Vater Henri gegründet hat. Mit 38.000 m2 ist es das größte Einrichtungshaus in der Großregion. Geführt wird es von der Familie: Heute leiten Josée Hilgert sowie ihre Kinder Marc und Mireille den Möbelriesen. Sie beschäftigen rund 240 Mitarbeiter in Capellen. Kaum zu glauben, dass alles einmal im heimischen Wohnzimmer der Hilgerts angefangen hat.

Damals war Henri Hilgert Wiegemeister in der Merscher Fleischfabrik. Dort hatte er mit 22 Jahren angefangen, nachdem er zunächst drei Jahre auf dem elterlichen Hof gearbeitet hatte. „Es war eine harte Arbeit“, erinnert sich der 65-Jährige. Als ein Kollege ihm erzählte, dass er nach der Arbeit Küchen verkaufe, machte Henri Hilgert mit. Bald reichte es zu einem kleinen Laden in Walferdingen, dann zu einem größeren in Bereldingen. „Wir hatten Holzküchen aus Frankreich und aus Deutschland die Marke Rational“, erzählt Hilgert. Er nahm erstmals Möbel ins Sortiment. Nach Feierabend legte er Sonderschichten ein.

„Urlaub nehme ich alle sieben Jahre einmal“, sagt der Selfmade-Unternehmer, der bis heute keine Krawatten mag und lieber tüftelt. Nachts hatte er Ideen. „Das Gute ist, dass sie am Morgen noch da sind“, lächelt er. Ihm kam der Einfall der Kooperation mit RTL zur Kochsendung „de Kichechef“, die sieben Jahre lang lief. Dazu gab es Kochbücher. Der „Kichechef“ machte sich einen Namen. Bis jetzt schmückt eine Kochmütze das Gebäude. Auch Kochkurse gibt es heute noch - im Möbelhaus.

Vor 17 Jahren zog Hilgert mit dem Laden um nach Capellen. Damals war dort, wo heute ein großes Gewerbegebiet ist, nichts. „Wegen der vielen Konkurse deutscher Hersteller setzten wir gar nicht mehr auf Markenküchen, sondern verkaufen unter unserem Label“, erklärt er. Das erste Geschäft hatte nur 10.000 m2, weil es für mehr damals keine Genehmigung gab.

Von klein auf dabei

Auch Marc hat noch Erinnerungen an diese Zeit. Der Geschäftsführer hatte schon als Teenager im Lager mitgeholfen oder die Stundenerfassung von Hand gemacht. Während des Wirtschaftsstudiums an der HEC in Lüttich kam er zwar zurück, sammelte aber auch im Ausland Erfahrung. „Ich war vier Monate in Werl beim deutschen Möbelhaus Turflon“, erzählt er. „Die sind in der Größe vergleichbar mit uns.“ Der „Kichechef“ ist auch Mitglied im deutschen Einkaufsverband. Nach dem Studium stieg Marc ins Unternehmen ein. Das war von Anfang an klar. „Wenn meine Schwester und ich das nicht gewollt hätten, weiß ich nicht, ob mein Vater überhaupt hier gebaut hätte“, meint er.

Gelernt hat Marc Hilgert genau wie seine Schwester vor allem vor Ort. „Es ist learning by doing“, unterstreicht er; Studium hin oder her. Auch seine zwei Jahre jüngere Schwester Mireille ist auf eigenen Wunsch im Unternehmen. Sie hat sich die Aufgaben mit den anderen Familienmitgliedern geteilt. „Ich kümmere mich um Möbel, Haushaltwaren und den 3.000 m2 großen Textilbereich. Dort gibt es die meisten Artikel“, erklärt die 38-Jährige. Unterstützt wird sie von ihrer Mutter Josée, die sich insbesondere auf Dekorationsartikel konzentriert. „Aber jetzt bin ich ja auch Großmutter und nehme mir mal Zeit dafür“, lächelt sie angesichts der vier Enkel ihrer beiden Kinder. Vater Henri hat sich hingegen vom 2003 „Kichechef“ zurückgezogen. „Sonst haben die Leute keinen Respekt vor den Kindern“, kommentiert er kurz und knapp.

Dafür hat er gleich daneben gebaut. „Topgranit“ heißt sein Unternehmen. „Ich hab‘ mir gesagt: Mach mal was Neues“, meint er. Die Idee lag nahe. Granit als Trendprodukt erobert die Küchen. „Damit kann man sich absetzen“, erklärt Henri Hilgert. Er bietet Granit in allen Farben an: Schwarzen aus Südafrika, Italien und Brasilien, gemaserten aus Indien und China, cremefarbenen aus Pakistan. Henri Hilgert erfand Maschinen wie „Hiljet“ und „Hilkant“, um den Granit zu schneiden und zu kanten. „So können wir uns vom Markt absetzten, flexibel sein und lange Wartezeiten vermeiden“, sagt er zufrieden. „Bei der Küchenplanung wird der Stein jetzt mitgedacht“, ergänzt sein Sohn Marc. „Wir verkaufen 99 Prozent Granit und montieren alles selbst.“ Aber auch Kunststein, Glas oder Keramik findet sich im Angebot.

2010 eröffnete der neue „Kichechef“ und vervierfachte seine Ausstellungsfläche. Spielt es in einem so großen Geschäft noch eine Rolle, dass es familiengeführt ist? „Viele kennen uns und die persönliche Beratung ist unsere Stärke“, meint Mireille Hilgert. „Für uns sind jetzt vielsprachige Mitarbeiter wichtig. Wir können auch auf Portugiesisch, Griechisch, Italienisch und Spanisch bedienen. Aber Deutsch und Französisch sind das Minimum“, findet sie. „Das ist allerdings auch eine Herausforderung bei der Personalsuche.“ Unter den Kunden sind viele Pendler aus Belgien und Frankreich. „Das Konzept eines so großen Möbelgeschäfts gibt es dort nicht“, erklärt Josée Hilgert. Die 67-Jährige hat die Entwicklung des Marktes gesehen und auch den elf Jahre währenden Rechtsstreit mitgemacht, an dessen Ende die Ansiedlung des „Bauhaus“ in Capellen stand. „Wir wollten einen Partner, der Frequenz bringt“, argumentiert Marc Hilgert. Das hat funktioniert.

Die dritte Generation im Gitterbett

Ihm macht sein Job Spaß. „Es wird nie langweilig“, sagt er. „Immer gibt es etwas Neues.“ Manchmal ist es ein ausgefallender Kundenwunsch, manchmal ein Problem wie die Überschwemmung des Kellers vor vielen Jahren, dann spezielle Termine wie das 40. Firmenjubiläum 2016. „Jetzt ist alles gerichtet“, lächelt Marc Hilgert. Er will nicht zu spät nach Hause. Dort warten seine zwei und vier Jahre alten Kinder. Ob sie oder die zwei noch kleinen Kinder von Mireille einmal ins Unternehmen kommen? „Sie sind schon mal hier, wenn wir sie mitbringen. Aber sie sollen sich aus freiem Willen entscheiden“, findet Marc. Und Mireille stimmt zu. „Wir werden niemanden zwingen, der nicht will.“ 

1976 startete Henri Hilgert in Walferdingen

Möbelriese in Familienhand

1976 gründete Henri Hilgert „Decorama“ in Walferdange mit einer Ausstellungsfläche von 80 m2 und verkaufte Küchen. 1984 zog er nach Bereldingen um, wo die Ausstellungsfläche schon 1.200 m2 betrug und neben Küchen auch Möbel verkauft wurden. 2000 folgte der Umzug nach Capellen unter dem Namen „Kichechef“ in ein Gebäude mit einer Ausstellungsfläche von 10.000 m2. Hilgert verkaufte Küchen, Möbel, Teppichen, Leuchten, Dekoration, Haushaltsartikeln und mehr. 2010 eröffnete die Familie am gleichen Standort neu mit einer Ausstellungsfläche von 38.000 m2. Das Sortiment wurde vertieft und erweitert auf Badezimmereinrichtungen, Gartenmöbel, Babyartikel, Leuchten, Elektrogeräte. Der Kichechef beschäftigt 240 Mitarbeiter. Das von Henri Hilgert 2003 gegründete Unternehmen Topgranit hat rund 50 Mitarbeiter. 
www.kichechef.lu