LUXEMBURG
PATRICK WELTERER

Wie funktioniert die Förderung des luxemburgischen Weinbaus auf diplomatischen Wegen?

Eher kurios mutet zunächst eine parlamentarische Anfrage des liberalen Ost-Abgeordneten Gilles Baum (Junglinster) an, die er an Landwirtschafts- und Weinbauminister Fernand Etgen (ebenfalls DP) und auch an Außenminister Jean Asselborn (LSAP) gerichtet hatte.

Die Frage drehte sich um die Eigenproduktion des Weinbauinstituts in Remich, offizielle Bezeichnung „L’Institut viti-vinicole“(IVV), und die Verwendung der Weine und Crémants des Instituts in den Auslandsvertretungen des Großherzogtums.

EU-Präsidentschaft als Vorbild?

Baum lobte zunächst die luxemburgische Ratspräsidentschaft im vergangenen Jahr, bei der die zahlreichen offiziellen und inoffiziellen Veranstaltungen der Regierung dazu genutzt wurden, um Weine, Brände und Crémants aus luxemburgischer Produktion einem internationalen Publikum vorzustellen und international bekannt zu machen.

Werden Botschaften nur durch das IVV in Remich beliefert?

Baum meinte nun, man habe ihm zugetragen, dass die Botschaften des Großherzogtums im Ausland ausschließlich Weine und Crémants des nationalen Weinbauinstituts bei offiziellen Anlässen servieren oder verschenkten.

Dazu sollte erwähnt werden, dass es dem staatlichen Institut aus wettbewerbsrechtlichen Gründen untersagt ist, seine Produkte kommerziell zu verwerten - also zu verkaufen. Baum sieht durch die Verwendung dieser nicht-käuflichen Weine nur einen mäßigen Werbeeffekt für den luxemburgischen Weinbau. Zunächst wollte der Abgeordnete wissen, wie hoch die Jahresproduktion des Weinbauinstituts ist und wie viele der Flaschen von den Auslandsvertretungen verwendet werden und ob es nicht sinnvoller sei, dort Weine und Crémants von luxemburgischen Winzern zu servieren.

Die gemeinsame Antwort der beiden Minister dürfte Baum beruhigen, denn es kommt nicht ausschließlich Wein des „L’Institut viti-vinicole“ zum diplomatischen Einsatz.

Produktion schwankt

Die Jahresproduktion des Weinbauinstituts hat in den vergangenen fünf
Jahren zwischen 15.110 Litern (2013) und 26.625 Litern (2014) geschwankt (Details in der nebenstehenden Tabelle).

Die Anzahl der von den Botschaften servierten Weinflaschen schwankt ebenfalls. 2015 waren es 6.396 Flaschen, im Jahr danach (2016) waren es nur noch 4.656. Wie viele Flaschen davon verschenkt wurden, ist nicht feststellbar. Die ministerielle Antwort legt aber dar, dass über die Weine des Weinbauinstituts hinaus viele alkoholhaltige Getränke aus luxemburgischer Produktion bei offiziellen Anlässen eingesetzt werden. Neben Wein und Crémants gehörten dazu auch Biere, Liköre und Brände.

Gleichstand

Im Zeitraum zwischen 2014 und 2016 wurden 17.280 Flaschen vom Weinbauinstitut an die Botschaften geliefert, im selben Zeitraum wurden 17.462 Flaschen alkoholischer Getränke aus privater Produktion von den diplomatischen Vertretungen des Großherzogtums geordert. Außerdem organisierten die Botschaften regelmäßig die Verkostung luxemburgischer Produkte und unterstützen luxemburgische Produzenten bei der Verkaufsförderung im Gastland.

Das Außenministerium betont, dass es bei Arbeitsreffen und Auslandbesuchen regelmäßig auf luxemburgische Weine und Crémants zurückgreift und diese im Ausland kräftig fördert.