LUXEMBURG
CLAUDE MÜLLER

Großartiges Programm zum 25-jährigem Jubiläum der Blues’n Jazz Rallye

Lëtzebuerger Journal

Hot oder Cool, Fusion oder Mainstream, Ol’ Times oder Modern Jazz, für jeden Geschmack war bei der diesjährigen Blues'n Jazz Rallye am Samstag bestens gesorgt. Auch die reich bestückte Palette des Blues war mit einem kurzweiligen Angebot von urigem Mississippi Blues über Country bis zu Soul und Funk bestens sortiert. Mit 68 Bands und rund 200 Musikern, einem Dutzend Bühnen und Kiosks, 20 Indoor-Locations, vom gemütlichen Charme der guten Stube bis zum mondänen Ambiente einiger Restaurants geprägt, luden während nahezu neun Stunden zu dem internationalen multikulturellen Event mit Festivalflair oder dem Charme von intimen Clubauftritten ein. 

Vielversprechende Newcomer

An der Tagesordnung waren exquisite Raritäten von vielversprechenden Newcomern oder den Insidern bekannte Stammgäste und Kurioses wie zum Beispiel die von Angela Merkel als „Backstreet Boys des Post-Pop Deutschlands“ bezeichnete Band Mozah, die auf der „Place Auguste Engel“ gegen 18.30 die Marathonveranstaltung mit Rapgesang und Big Bandsound eröffnete. Das Besondere an dieser Band war die Besetzung, die neben Sänger und Schlagzeuger nur aus einem akustischen Bläserensemble mit zwei Trompeten, drei Posaunen, Saxofon und Basstuba, ohne elektronische Hilfsmittel, bestand. Anschließend war dieser Platz, der an das Areal grenzt, auf dem im früheren Napoleonshaus der „jazzclubluxembourg“ seine ersten Jahre fristete, für Hip Hop Jazz mit der virtuosen dänischen E-Bassistin Ida Nielsen, die außer mit ihren prägnanten Bassriffs durch ihre markanten Gesangseinlagen auffiel, und die Band „Akua Naru“ aus den USA reserviert.

Die Rallyebesucher, die von der herrlichen Liftkonstruktion nahe der „Fondation Pescatore“ Gebrauch machten und ihren musikalischen Ausflug im Pfaffenthal begannen, wurden von der „Magic Jazz Band“ mit swingenden Rhythmen und vertrauten Melodien in die richtige Stimmung gebracht, um sich anschließend auf dem Weg in das Zentrum des ausgelassenen Geschehens, das sich wie gewohnt in Clausen und Stadtgrund befindet, auf der „Swinging Blues-“ oder dem „Feeling Bluesstage“, wo sich während sechs Stunden acht Bands abwechselten, von sanften bis rauen Sounds berieseln zu lassen. 

Luxemburger Musiker auf dem Podium

Zeitgleich mit der der neunköpfigen Band Mozah, standen mit der Ernie Hammes Group im Melusina und der Big Band Spectrum nahe des Minigolfs die ersten Luxemburger Musiker auf dem Podium. Längs der pittoresken Promenade entlang der Alzette vom Stadtgrund nach Clausen begegneten wir zwischendurch der wunderbaren Sängerin Valérie Graschaire, die, exemplarisch vom gut aufeinander abgestimmten Arthur Possing Trio begleitet, salonfähigen Wellnessjazz mit Schwerpunkt Balladen, im Repertoire hatte.

Derweil kamen auf der „In The Mood Stage“ die Anhänger des Big Band Jazz voll auf ihre Kosten, war doch gleich nach der Northern Big Band der international bekannte belgische Stargitarrist Philip Catherine als Solist beim Luxembourg Jazz Orchestra angesagt.

Während dieses spektakulären Auftritts mit einem Catherine in Höchstform, bei dem man sich an Klassikern wie „Love For Sale“ erfreuen konnte, stand in der Abtei neimënster auf der „Jazz Funk Stage“ ein Leckerbissen der Fusionbewegung mit der isländischen Kultband Mezzoforte auf dem Programm. Das Quintett, das lange Jahre in einem Atemzug mit legendären Jazz Rockcombos wie Spyro Gyro und den Yellow Jackets genannt wurde, hat im Laufe seines 42-jährigen Bestehens nichts von seiner Vitalität eingebüßt und sorgte für euphorische Begeisterung. Den Auftakt im Abteihof machten die hochkonzentrierte Mainstreamfusionmusic bietenden Lehmanns Brothers aus Frankreich mit ihrem charismatischen Solosänger, der international bekannten Crooners in nichts nachsteht.

Willkommene Überraschungen

Auch unterwegs stieß man fast pausenlos auf willkommene Überraschungen. So konnte man, neben den allgegenwärtigen Funeral- und Fanfarensounds der Marching Bands, im „Troubadour“ (Ex-Aula) mit Pugsley Buzzard sowohl das gesellige Ambiente der frühen Barrelhouseaera oder die Atmosphäre des nostalgischen Louisianaflairs genießen oder auf einer der gemütlichen Terrassen dem Charme einer vorzüglich interpretierten Version von „Les feuilles mortes“ in bester Yves Montand-Manier oder betörenden Manouche-Klängen à la Django Reinhard erliegen.

Weiter ging es mit gepflegten, kompakten eher rockorientierten Collagen mit dem Paul Kiss Trio vor der „Mousel‘s Cantine“, während dem es im „Britannia“ betont experimenteller zuging. Hier präsentierte das Triplicity Trio ein farbiges Puzzle aus psychedelischen Fragmenten und bodenständigen Improvisationen, die teilweise entschlossen geheimnisvoll wirkten.  

Die Qual der Wahl hatten die Fans der multikulturellen Bewegung, denn im Melusina war, zeitgleich mit Philip Catherine und Mezzoforte, nach David Laborier, mit Greg Lamy ein weiterer Gitarrist am Werk, der sich für diesen exklusiven Auftritt den begehrten Keyboarder Bojan Z. eingeladen hatte, ein Musiker den wir noch kürzlich in Düdelingen zusammen mit dem Luxemburger Multiinstrumentalisten Pol Belardi erleben konnten. Letzterer trat abschließend mit dem Ara Sextet im ehemaligen Jazztempel auf.

Hochbetrieb in den Rives de Clausen

Hochbetrieb herrschte unterdessen vor den Bühnen der Rives de Clausen, wo Kid Colling, Carl Wyatt & Delta Vodoo Kings und Delta Moon die verschiedenen Varianten des Blues bestückt mit Country, Honky Tonk oder Boogie Woogie-Elementen auftischten.

Wer es ruhiger haben wollte, dem war auf dem abwechslungsreichen Trip quer durch den Garten der Revivalszene ein Besuch in der spartanisch eingerichteten Clausener „Zapschoul“ anzuraten, wo der belgische Pianist Yvan Paduart, ein gern gesehener und gehörter Gast auf Luxemburgs Bühnen, zusammen mit seinem Duopartner, dem originellen Gitarristen und Komponisten Patrick Deltenre ein anregendes, kammermusikalisches Stelldichein zum Besten gaben. Den ersten „richtigen“ Jazz im ursprünglichen Sinn, wo Spontaneität, Improvisation und ungezwungene musikalische Offenheit dominierten, gab es gegen 22.30 wiederum auf der abgelegeneren Bühne unter dem Clausener Viadukt. Hier war mit der österreichischen Altsaxofonistin Karolina Strassmayer, inzwischen Mitglied der WDR Big Band Köln, der Geheimtipp des Events angesagt, der sich als Highlight der Soiree entpuppte.

Ein wunderbarer Streifzug durch die Geschichte des Jazz, wo wir auf etlichen Kilometern die verschiedensten Aspekte eines erstklassigen Menüs bester U-Musik mit sorgfältig ausgewählten Interpreten auf goldenem Teller genießen konnten.