LUXEMBURG
COLETTE MART

Das Erwachen aus der Covid-Krise geschieht eher langsam, und jeder Elan, sich wieder auf das normale Leben einzulassen, wird durch die erneut steigenden Infektionszahlen gebrochen.  Wir lesen über verheerende Summen in der Staatsverschuldung, über das Zustande-Kommen einer Tripartite, um die Arbeitslosigkeit anzugehen.   Alle Bemühungen der letzten Jahrzehnte, uns weiter zu entwickeln, und ein attraktives Wirtschaftszentrum der Großregion zu bleiben, wurden urplötzlich gebrochen, und wir müssen wieder auf altbewährte Strategien der Krisenbewältigung zurückgreifen, wie zum Beispiel der Dialog zwischen Regierung, Industrie und Gewerkschaften oder auch eine antizyklische Investitions- und Einstellungspolitik im öffentlichen Sektor. 
Aber wir alle merken, dass die Wirtschaft nicht so richtig loslegt, auch wenn wir uns um Normalität bemühen. Die Handwerker können ihre Arbeiten manchmal nicht rechtzeitig aufnehmen, weil sie Probleme haben, das Material zu beschaffen, bestellte Waren in den Geschäften kommt wegen der Beschränkungen im Transportwesen nicht an.   Unsere Sehnsucht nach Reisen wird immer wieder durch die zahlreichen Corona-Beschränkungen in den traditionellen Urlaubsländern ernüchtert, und wir sind hin und hergerissen zwischen einer Perspektive, mit einer Maske stundenlang im Flugzeug zu sitzen, oder aber nicht zu fliegen, und damit unsere nationale Fluggesellschaft im Regen stehen zu lassen.
Unsere eigenen Konsumgewohnheiten sind jedoch noch das kleinste Problem im Vergleich zu all jenen Menschen um uns herum, die ihr Einkommen verloren, nur zögerlich wieder aufbauen, und verschiedentlich auch keine Hoffnung mehr haben, ihren Betrieb noch zu retten, indem sie vielleicht über Jahrzehnte gearbeitet haben.   Die Steigerung der Arbeitslosenzahlen macht Angst, erstmals seit langem liegen wir als Luxemburger über dem EU-Durchschnitt. 26 Prozent der jungen Menschen sind ohne Arbeit.  Dies bedeutet, dass viele von jenen, die ihre Schule oder ihre Studien im Sommer abschließen, vor geschlossenen Türen des Arbeitsmarktes stehen werden.   Neben den offiziell errechneten Arbeitssuchenden wird eine Dunkelziffer von nicht offiziell registrierten Arbeitslosen vermutet. Für einen ausgeschriebenen Job liegen 30-40 Bewerbungen vor, oder sogar manchmal Hunderte, wenn es sich um Stellen handelt, die auch von Menschen aus der Großregion besetzt werden können.   In einem solchen Kontext das Rennen zu machen und als Bester hervorzugehen, erweist sich als schwieriges Unterfangen.   Junge Menschen können demgemäß unzählige Absagen bekommen, und dürfen trotzdem Mut und Selbstvertrauen nicht verlieren, sich immer wieder mit neuem Elan bewerben und sich entsprechend auf einem Vorstellungsgespräch verkaufen.   Um dann zu erleben, dass vielleicht doch jemand die Stelle bekommt, der bereits Erfahrung und eine gute Arbeitsstelle hat.  
Das heißt: der Graben zwischen etablierten Berufstätigen und Arbeitssuchenden wird immer größer, und junge Menschen finden den Anschluss an die Arbeitswelt nur schwierig.   Sowohl der Privatsektor als auch die öffentliche Funktion sollten bedenken, dass sie gerade in diesem Sommer eine Aufgabe der sozialen Kohäsion haben, und sie sollten daher jungen Arbeitssuchenden unbedingt auf die Sprünge helfen.