LUXEMBURG
SVEN WOHL

Minister und Abgeordnete schenken dem Jugendkonvent ihr Gehör

Es war eine erfrischende Debatte“: So lauteten die abschließenden Worte des Bildungsministers Claude Meisch. Tatsächlich waren in den zwei Stunden, während der die Vertreter der Arbeitsgruppen des Jugendkonvents ihre Schlussfolgerungen und Ideen vorbringen konnten, gefüllt mit Vorschlägen, Gedankenanstößen und auch Kritik.

Digitalisierung mit Stolpersteinen

Bei der Begrüßung ergriff der Präsident der Abgeordnetenkammer, Fernand Etgen (DP) das Wort und betonte: „Wir wollen nicht über die Köpfe der Jugend hinweg entscheiden.“ Dann war es an der Reihe der Jugendlichen: Die Digitalisierung machte den Anfang. Die Jugendlichen wiesen darauf hin, dass die Lehrer bei den sogenannten „iPad“-Klassen nicht immer gut genug auf dieses neue Werkzeug eingestimmt wären. Auch hätte nicht unbedingt jeder Schüler Lust, diese digitalen Mittel zu nutzen. Claude Meisch (DP) betonte dagegen, dass sowohl die klassischen Arbeitsutensilien als auch die neuen angewandt werden könnten. Darauf angesprochen, weshalb es unbedingt Apple-Produkte sein müsste, verwies der Minister darauf, dass man versuche, unterschiedliche Produkte zu nutzen. Jedoch müsse man die Jugendlichen auch auf die Realität im Arbeitsleben vorbereiten. Keine konkrete Antwort konnte der Minister auf die Frage liefern, was mit den Tablets geschieht, sobald sie nicht mehr gebraucht würden. Jedenfalls würden sie nicht im Mülleimer landen, meinte dazu Claude Meisch.

Ebenfalls am Herzen lag den Schülern der Schutz der Privatsphäre. Digitalisierungsminister Marc Hansen (DP) verwies hier auf bestehende nationale und internationale Regeln. Der aktuell umstrittene Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform kam ebenfalls zur Sprache. Die Regierungsvertreter wie auch die anwesende Europaabgeordnete Mady Delvaux-Stehres (LSAP) bestätigten, dass es ihrerseits beim Nein für die Direktive bleibe, diese sich aber wahrscheinlich durchsetzen werde.

Offene Fragen

Beim Thema Gleichberechtigung setzten die Schüler konkrete Akzente. Weshalb gibt es keine Unisex-Toiletten in Schulen und staatlichen Gebäuden? Wieso braucht eine Minderjährige Person die Zustimmung der Eltern, um das Geschlecht und den Namen zu ändern? Konkrete Antworten hierauf blieben leider aus. Auf die kindgerechte sexuelle Aufklärung verwies der Bildungsminister auf den erst kürzlich präsentierten nationalen Plan der sexuellen Gesundheit.

Bei der EU-Politik wurde sowohl die Reduzierung des Plastiks angesprochen, wie auch die leichtere Anerkennung von Diplomen für Flüchtlinge. Einig war man sich in der Hinsicht, dass Arbeit die beste Möglichkeit sei, um sich in eine Gesellschaft zu integrieren.

Die Sorgen der Jugend wurden am deutlichsten als der Punkt Nachhaltigkeit angeschnitten wurde. Vor allem eine Plastikreduzierung bei den alltäglichen Produkten wie auch in den Schulkantinen wurden hier gefordert, wobei es nicht an positiven Initiativen mangelte.

Dass die traditionellen Handwerke unterbewertet und es an Wertschätzung mangele, kam beim Thema „Arbeit“ zur Sprache. Auch die Praktika, die vielerorts in Schulen und an Universitäten zwingend notwendig sind, um die Diplome zu erhalten, wurden kontrovers diskutiert. Claude Meisch betonte, dass man Praktikanten schützen sollte, es den Unternehmen nicht erlauben sollte, diese auszunutzen. Jedoch betonte er, dass vor allem im Bereich der Schule sich ein Praktikum hauptsächlich durch die vermittelte Erfahrung sich auszahlen würde.