CLAUDE KARGER

Wenig überraschend, was der „Politmonitor“ von „Luxemburger Wort“ und RTL als hauptsächliche Sorgenkinder der Luxemburger ermittelt hat. Kein Wunder, dass 82 Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut TNS ILReS Befragten den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum als Sorge Nummer Eins empfinden - auf Platz zwei und drei kommen wie erwartet das steigende Verkehrsaufkommen und die nicht näher präzisierte Kategorie „Zukunftschancen der Kinder“. Die Ankündigung des vom Wohnungsbauobservatorium ermittelten Sprungs von 11,4 Prozent der Verkaufspreise zwischen dem zweiten Trimester 2018 und dem zweiten Trimester diesen Jahres hat erneut aufgerüttelt.

Laut diesem Observatorium sind die Preise seit 2010 um jährlich knapp fünf Prozent gestiegen. Heute muss der Käufer für eine 100-Quadratmeter-Wohnung durchschnittlich 600.000 Euro auf den Tisch blättern, für ein Haus etwa 750.000 Euro. Die Löhne sind bei weitem nicht in dem besagten Rhythmus gestiegen, dafür suchen in dem Land mit dem höchsten Bevölkerungswachstum Europas jährlich 13.000 Personen mehr ein Dach über dem Kopf. Fazit: „Ein besorgniserregender Anteil an Haushalten ist nicht mehr in der Lage, Wohnraum zu kaufen bzw. die Mietpreise des freien Marktes zu bezahlen“, wie es etwa das Koalitionsabkommen formuliert. Eine Feststellung, die, genau wie jene des akuten Mangels an „Sozialwohnungen“ zum gefühlt tausendsten Mal in ein politisches Programm eingeschrieben wird. Ebenso oft wurde die enge Zusammenarbeit von Staat, Gemeinden und Privatinitiativen angemahnt, der Kampf gegen Baulandspekulation und die Vereinfachung der Verwaltungsprozeduren. In den letzten Jahren gab es zwar eine Menge Akzente in diese Richtungen - und sogar ein von den Regierungsparteien und der CSV im Parlament unterzeichnetes Konsenspapier -, doch sind sie weder zureichend, noch greifen sie schnell genug. Zudem lässt die Datenlage über das verfügbare Bauland immer noch zu wünschen übrig, man weiß etwa nur zu ungenau, welche Grundstücke sich wo in den Bauperimetern befinden. Der vor-vorige Wohnungsbauminister Marc Hansen (DP), pflegte immer, die Wohnungsbaupolitik mit einem 1.000-Teile-Puzzle zu vergleichen. Das ist sie in der Tat. Aber auch tausend Teile sind zu schaffen, wenn sie denn nahe genug beieinander liegen. Und nicht der Staat und die Gemeinden allein sie zusammen fügen müssen. „Die öffentliche Hand ist gefordert“, sagte der neue Wohnungsbauminister Henri Kox („déi gréng“) dieser Tage dem „Wort“. Aber nur neun Prozent des Baulands würde sich in der öffentlichen Hand befinden und selbst wenn dieser Anteil ansteigt - die Regierung hat sich Instrumente dafür gegeben - bleibt dieser Hebel immer noch kurz. Aber vielleicht sollte man dichter und warum nicht auch höher bauen, um ihn zu stärken.

Länger ist freilich der Steuerhebel, über dessen Härte seit ewig auch am härtesten gestritten wird. Es braucht auf jeden Fall pragmatische Lösungen, um das Sorgenkind Nummer Eins richtig zu wiegen. Henri Kox, der den Sukkurs der ganzen Regierung braucht, um die Quadratur des Kreises zu schaffen, muss darüber auch viel kommunizieren. Wir wünschen uns jedenfalls auch, dass der Fortschritt der Wohnungsbaupolitik jedes Jahr zum Gegenstand einer unpolemischen Bestandsaufnahme wird. Aber das ist vielleicht zu viel gewünscht - das mit dem unpolemisch.