Es ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten: Die diese Woche vom Statec vorgestellten Wirtschaftswachstumsprognose für das kommende Jahr. Einen Tag nachdem die OECD in ihrem neusten Wirtschaftsausblick die Eurozone als „Sorgenkind der Weltwirtschaft“ bezeichnete und einen Tag bevor der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker seinen 315-Milliarden-Euro-„Booster“ zündete, um das zu ändern, revidierte das Institut seine Prognose drastisch nach unten.

War es im Mai noch davon ausgegangen, dass das Bruttoinlandsprodukts im kommenden Jahr noch um 3,3 Prozent im Volumen zulegen könnte - mehr noch als 2014 - veranlassen die vielen Unsicherheiten in der Welt Statec nun, nur mehr von knapp 2,2 Prozent Wachstum für das kommende Jahr auszugehen, weniger also als die 2,7-Prozent Wachstumshypothese, die dem Haushaltsentwurf 2015 zugrunde liegt. Klar, mit über zwei Prozent wird die luxemburgische Wirtschaft noch immer mehr als doppelt so stark wachsen als die Eurozone, werden die einen sagen, außerdem lief 2014 bislang nachweislich weit besser als geplant, soll das Saldo des Gesamtstaats etwa doch bis Jahresende um 0,9 statt wie vorgesehen um 0,2 Prozent des BIP wachsen. Während andere darauf hinweisen werden, dass das erwartete Wachstum lediglich die Hälfte des historischen Mittels von knapp vier Prozent jährlich in den letzten Jahrzehnten beträgt, dass das Wachstum im kleinen Luxemburg zum einen stark von der Gesundheit der Wirtschaften seiner Haupthandelspartner abhängt und der hiesige Finanzplatz von der Entwicklung der internationalen Finanzmärkte. Und noch ist nicht genau gewusst, wie der Wegfall des Bankgeheimnisses die Staatsfinanzen treffen wird oder die Aufregung um die „Rulings“, die aller Voraussicht nach an diesem Wochenende Luxemburg erneut negative Schlagzeilen einbringen, wenn das Journalisten-Konsortium ICIJ Stufe Zwei von „LuxLeaks“ zündet. Fakt ist: Die Chancen stehen eher schlecht, dass sich die Konjunkturlage und somit die Lage der Staatsfinanzen im kommenden Jahr zum Besseren wenden.

Alle Ursache also für die Regierung, ihre Bemühungen zur nachhaltigen Konsolidierung der Staatsfinanzen weiter zu führen. Das und die notwendigen Reformen in allen Bereichen sind das A und O, damit auch in Zukunft noch Luft bleibt, um überhaupt Politik machen zu können, ohne tiefe Einschnitte machen zu müssen und unseren Schuldenberg - den irgendwann jemand wird abtragen müssen - weiter wachsen zu lassen.

Nun wird über das nicht gerade mit positiven Gutachten bedachte „Zukunftspak“ verhandelt, manche Maßnahmen werden zeitweilig auf Eis gelegt, andere abgeändert. Nichts Ungewöhnliches eigentlich. Der gestern mit den Gewerkschaften erzielte Kompromiss über das Paket schafft nun Zeit für neue Diskussionen. Diskussionen, die stets zum Ziel haben müssen, Lösungen für die anstehenden Herausforderungen zu finden. Dass Stillstand und Radikalablehnung keine Lösung darstellt, darüber scheint ja nun mal Konsens zu herrschen. Wenn nun auch noch Konsens über die Prognosen herrscht, sind die Grundlagen für die konstruktive Lösungsfindung im Schlüsseljahr 2015 gegeben.