LUXEMBURG-HOLLERICHPATRICK VERSALL

Foto-Ausstellung „3 songs no flash!“ im CarréRotondes

Konzertfotografen haben’s gut: Sitzen immer in der ersten Reihe und brauchen sich nie über einen Drei-Meter-Hünen zu beschweren, der auf dem Konzert oder dem Festival vor einem steht und einem somit die Sicht auf das Geschehen versperrt. Der erste Satz dieses Beitrags gibt aber nur die eine Seite der Medaille wieder.

Die Kehrseite: Konzertfotografen müssen auch oft Nerven wie Stahlseile haben, um sich, insbesondere in kleineren Locations durch die Pogo-tanzende Meute hindurchzuzwängen. Und keine Angst vor Sekreten haben: Jener „Journal“-Fotograf, der vor einigen Jahren einer (ungewollten) Dauerspuckattacke von „Toten Hosen“-Campino ausgesetzt war kam noch glimpflich davon. Mancher kreativer Kopf hat ja auch schon das Bedürfnis empfunden, auf die vor ihm stehenden Fotografen zu urinieren. Hierbei handelt es sich allerdings um die berühmte Ausnahme von der Regel.

Vorliebe für schwarz-weiß

Der gesamten Konzertfotografen-Zunft widmet sich zurzeit eine sehenswerte Ausstellung im Erd- und Obergeschoss des CarréRotondes. Die von Yves Stéphany kuratierte Ausstellung „3 Songs no flash!“ (siehe Kasten) ist in das Congés Annulés-Sommerprogramm eingebettet und kann ab morgen Mittwoch und noch bis kommenden Sonntag besucht werden. Radiomensch Stéphany, der selbst in der luxemburgischen Szene fest verankert ist - er hat u.a. bei Metro, Cyclorama und Ice in my Eyes die Basssaiten gezupft -, fand die Werke in Blogs und auf Onlineportalen .

Wichtig war dem Kurator in der Ausstellung Werke zu zeigen, die der geübte Zeitungsleser nicht unbedingt aus den Gazetten kennt. Und weil die Musiker - Stephany ist ein prominentes Beispiel - so nah wie nur möglich am Konzertgeschehen dran sind, überrascht es keinesfalls, dass mit Max Nilles oder Victor Ferreira der eine oder andere in Hollerich seine Fotos ausstellt, der sonst eher auf, als vor der Bühne steht. Mancher Fotograf hat bewusst auf seinen privilegierten Platz im Graben vor der Bühne verzichtet und steht mitten im Zuschauerpulk, um im richtigen Moment, bei der richtigen Beleuchtung den Auslöser seiner Kamera zu drücken. Andere wiederum lauern auf der Bühne hinter den Musikern, um somit einzigartige Bilder von der Band und den Fans zu schießen.

Auffallend ist, dass eine ganze Reihe der elf Fotografen keinen Hehl aus ihrer Vorliebe für schwarz-weiße Bilder machen und der Ausstellungsbesucher eine ziemlich üppige Auswahl an farblosen Fotos zu sehen bekommt. Die aktuelle Ausstellung ist keineswegs ein Sommerlochfüller; einige (Fotografen)-Namen vermisst man allerdings in der Ausstellung. Nichtsdestotrotz bekommt der Besucher einen breiten Einblick in die Kunst der lokalen Konzertfotografie.