LUXEMBURGPIERRE WELTER

Luc Frieden und Gérard Reuter im Zeugenstand - Wenig Erinnerungen

Mit der Forderung der Verteidigung, zusätzliche Ermittlungen in politischen und militärischen Kreisen durchzuführen begann gestern der 164. Verhandlungstag im „Bommeleeër“-Prozess. Der Antrag folgt auf die Aussagen des ehemaligen Geheimdienstschefs Marco Mille, der vorgestern im Zeugenstand seine Hypothese über ein paralleles Netzwerk zu „Stay Behind“ in Armee und Sicherheitskräften dargelegt hatte. Wobei er meint, dass besagtes Netzwerk unter Führung des verstorbenen DP-Ministers Emile Krieps aufgebaut worden sei.

Unplausible Theorie

Ein anderer Politiker war gestern im Zeugenstand: Der ehemalige CSV-Minister Luc Frieden. Er soll 2006 gemeinsam mit dem damaligen Premier Jean-Claude Juncker von Marco Mille und den Agenten Frank Schneider und André Kemmer über die oben genannte Hypothese ins Bild gesetzt worden sein.

Er könne sich nicht genau an das Thema der Sitzung erinnern, sagte Frieden gestern vor der Kriminalkammer. Allerdings könne er sich vage an die Grundidee der Theorie erinnern, die sich um die Sicherheitskräfte gedreht habe.

Er sei allerdings nicht darauf eingegangen, da er der Meinung sei, dass die Sicherheitskräfte eher dazu da seien das Land zu schützen und nicht etwa um Bomben zu legen. Kurz: Die Theorie sei ihm nicht plausibel vorgekommen. Wer sie aufgestellt hat, weiß Luc Frieden eigenen Aussagen zufolge nicht.

In den Zeugenstand trat gestern ebenfalls Gérard Reuter. Der 1999 wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten geschasste Chef der Rechnungskammer hatte im vergangenen Jahr in einem RTL-Interview gemeint, er habe im Geheimdienst mitbekommen, dass die „Bommeleeër“-Affäre keine „luxemburgische“ sei, neben „Stay Behind“ sei auch die CIA involviert.

Wer das allerdings im SREL gesagt haben soll, wusste Reuter nicht mehr. Der Zeuge gab an, keine Details mehr über die „Affäre“ zu wissen „Dat war souwisou nëmme Geschwätz“, sagte er. Er scheint sich aber sicher zu sein, dass die „Bommeleeër“-Affäre teils am SREL vorbei gelaufen sei.

Kontakt mit Licio Gelli

Reuter kontrollierte die Finanzen beim Geheimdienst, aber er war auch Mitglied im „Comité permanent pour la sécurité“, der sich unter anderem mit dem Kampf gegen Terrorismus befasste. Und er war mit anderen Magistraten für die Genehmigung von Abhörmaßnahmen zuständig. Er versicherte gestern, dass er nie einen Lauschangriff im Rahmen der „Bommeleeër“-Affäre genehmigt habe.

Auf Licio Gelli angesprochen, den Strippenzieher des „Gladio“, der in den 1980ern offensichtlich zeitweilig in Luxemburg war, sagte Reuter, er könne sich noch gut daran erinnern, wie der Mann mit einem Helikopter aus der Schweiz kommend in den „Mamer Wisen“ gelandet sei.

Gelli habe Reuter auch einen Brief geschrieben, in dem er ankündigte, eine Stiftung in Luxemburg gründen zu wollen. Der Zeuge sagte, er habe damals den Brief an den SREL weiter geleitet, weil die Angelegenheit ihm komisch vorgekommen sei.

In den Geheimdienstarchiven wurde das besagte Dokument jedenfalls nie gefunden. Dem SREL stellte Reuter übrigens eine gute Zensur aus: Während die „politische Klasse“ ihn fallen gelassen habe, habe der SREL ihm eine Wohnung zur Verfügung gestellt.

Der Zeuge bat dem Gericht abschließend an, noch einmal wieder zu kommen, falls er sich an weitere Details erinnere.