Leonardo DiCaprio, Vin Diesel, Bill Gates und George W. Bush hatten 2014 eines gemeinsam: Sie haben sich einen Eimer eisiges Wasser über sich kippen lassen. Das hatte natürlich seinen guten Grund: Sie haben am ALS Ice Bucket Challenge teilgenommen, einer Aktion, bei der auch Prominente nicht davor zurückschreckten, eine eisige Abkühlung zu erhalten, um damit auf die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose aufmerksam zu machen. Das Ice Bucket Challenge war das virulenteste Phänomen des vergangenen Jahres auf den sozialen Medien. Das Erfolgsrezept ist schnell gefunden: Man tut etwas Gewagtes für den guten Zweck und nominiert dabei die nächsten Kandidaten. Das Prinzip der Herausforderung sorgte also automatisch dafür, dass die Videos wie Viren durch die sozialen Netzwerke geteilt wurden. Doch es handelte sich nicht um das einzige Internetphänomen des vergangenen Jahres.
Anarcho-Demokratie
Nur die wenigsten Internetphänomene konnten 2014 von Promis profitieren. Viele hielten den Zenit der Selfies mit dem weltbekannten Oscar-Selfie für überschritten an. Andere konnten sich verbreiten, ohne dabei auf Stars und Sternchen setzen zu müssen und verließen sich auf eine aktive Community, die dafür sorgte, dass sie außerhalb ihrer kleinen Zielgruppe Bekanntheit erlangten. Dazu gehört auch „Twitch plays Pokémon“: Hier spielte nicht eine einzelne Person das bekannte japanische Monstersammel-Spiel für den Original-Gameboy, sondern jeder Zuschauer durfte mitmachen. Zeitweise waren mehr als 80.000 Zuschauer gleichzeitig mit dabei. Der Clou: Während der Videostream das Spiel übertrug, konnte jeder Kommandos eingeben, um damit den Spielverlauf mitzubestimmen.
Was in der Theorie chaotisch klingt, ist es auch tatsächlich, denn oft drehte sich die Figur nur im Kreis, verirrte sich in Labyrinthen und ließ an einem besonders schlechten Tag gleich mehrere Pokémon frei. Trotz dieser besonders anarchischen Demokratie wurde das Unmögliche geschafft: Nach 16 Tagen hatte man es durch das erste Spiel geschafft und im Verlauf des Jahres knackte man fast sämtliche Nachfolgespiele. Für dieses Jahr ist bereits eine zweite Staffel geplant.
Doch nicht alle viralen Hits haben ihren Ursprung im Internet. Das Video „Too Many Cooks“ lief zunächst auf dem amerikanischen Sender Adult Swim. Dort nistete es sich als Gag im Werbeblock ein, wo es mit seiner absurd-skurrilen Komik schnell für Aufmerksamkeit sorgte. Als das Video dann auf Youtube landete, war der Hype komplett: Mittlerweile hat das Video über 6,1 Millionen Zuschauer gefunden - ganz ohne aufwendiges Marketing. Während einiger Wochen drehten sich zahlreiche Artikel der Blogosphäre rund um das obskure Video, mit zahlreichen Theorien, wie einige der Passagen zu interpretieren seien.
Ob sich das Video über längere Zeit im Gedächtnis halten kann, muss allerdings noch festgestellt werden, wurde es erst im November hochgeladen.
Verspielter Hype
Ein weiterer Hype war natürlich „Flappy Bird“: Das hammerharte Spiel schaffte es in zahllose Tageszeitungen und damit auch den Sprung in die klassischen Medien. Die Aufmerksamkeit, die das Spiel und ihr Macher vergangenes Jahr erhielten, hing natürlich auch damit zusammen, dass viel Geld mit der Gratis-App gemacht wurde. Bis zu 50.000 Dollar kamen dabei laut Medienberichten täglich zusammen. Das wurde auch dem Macher, Dong Nguyen, unheimlich, der das Spiel kurzerhand vom Appstore runter nahm.
Doch auch etwas klassischere Ereignisse, wie die Fußballweltmeisterschaft oder die Landung einer Sonde auf einem Kometen sorgten dafür, dass viel in den sozialen Medien los war. Auch 2015 dürfte nicht gerade still über die Bühne gehen.





