CLAUDE KARGER

Am kommenden Montag soll das „Observatoire de l‘Habitat“ im parlamentarischen Ausschuss für Wohnungsbau sagen, ob in Luxemburg eventuell eine „Immobilienblase“ besteht. Das Observatorium soll also feststellen, ob die Immobilien in Luxemburg nicht völlig überbewertet sind und ein Risiko besteht, dass die Nachfrage plötzlich abrupt unter das Angebot fallen könnte. Ein Szenario, das nicht nur die hiesige Wirtschaft, sondern die Gesellschaft insgesamt schwer treffen würde. Zwar kennen wir das Resultat der Analyse noch nicht, gehen aber davon aus, dass die Bedingungen für eine „Immobilienblase“ in Luxemburg nicht gegeben sind, auch wenn die Preise für Appartments mit durchschnittlich 360.000 Euro und Häuser mit durchschnittlich 590.000 Euro auf einem hohen aber derzeit stabilen Niveau liegen.

Das Angebot entspreche der Nachfrage, meinte dieser Tage der Präsident der „Chambre Immobilière“, Jean-Paul Scheuren im Interview mit unserer Zeitung. Das Risiko einer Immobilienblase kann seiner Meinung zufolge nur entstehen, wenn die Baugenehmigungen weiterhin nicht schnell genug ausgestellt würden. Da führe zu einem Unterangebot an neuen Wohnungen mit negativen Konsequenzen auf die Preisentwicklung. Die Preise würden dann also in einer ersten Phase drastisch in die Höhe schnellen, irgendwann könnte sich das niemand mehr leisten und der Markt würde zusammenbrechen. Egal was die Schlussfolgerungen des „Observatoire de l‘Habitat“ aber sind - was machen wir eigentlich, wenn es tatsächlich eine Immobilienblase ausmacht? - die Situation am Wohnungsmarkt sollte mal wieder Gegenstand einer parlamentarischen Debatte sein. Hatte nicht der sozialistische Budgetberichterstatter im vergangenen Dezember gemeint, der Wohnungsbau sei „das soziale Problem Nummer Eins“ und den Verdacht geäußert, dass die derzeitigen Wohn-Beihilfen nicht bei den Menschen ankommen, die sie bräuchten, „sondern über den verrückten Anstieg der Preise direkt in die Taschen der Promotoren fließen“. Stimmt diese Aussage, die Herr Lux damals natürlich „volontiers“ überspitzte, um den CSV-Wohnungsbauminister etwas in Verlegenheit zu bringe? Man sollte es genau so überprüfen, wie das Arsenal der Maßnahmen zur Unterstützung der Nachfrage. Wobei die bestehenden Instrumente zur Vergrößerung des Angebots an erschwinglichen Baugrundstücken ebenfalls unter die Lupe genommen gehören. Wohnungsbaupakt und -pakete haben kaum zu einer Preissenkung im Land, das wir nun mal nicht vergrößern können, beigetragen. Derweil der Sektorplan „Logement“ immer noch unter Verschluss gehalten wird und der Fehlbedarf an Sozialwohnungen immer akuter wird. Dass die umstrittene „Société nationale de Développement urbain“ da Abhilfe schaffen wird, glauben die Wenigsten. Schnell voran kommt man da nur, wenn das Zusammenspiel zwischen Staat, Gemeinden und Privatunternehmen funktioniert. Den Eindruck, dass die Zahnräder da richtig ineinandergreifen, hat man beileibe nicht. Dass es gelingt, ist allerdings eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Zukunftsgestaltung.