LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Tëschegas feiert die Release von ihrem dritten Album „Stad, Land, Goss“

Am 11. Mai präsentiert die luxemburgische Metal-Band Tëschegas in Fenningen im Café Nicola ihr drittes Album „Stad, Land, Goss“. Mit viel Ironie, Sarkasmus und einer ordentlichen Portion Sozialkritik nimmt die sechsköpfige Band ihr Heimatland charmant auf den Arm. Von der „Lëtzebuerger Grillwurscht“ über den „roude Léiw“ bis hin zu Pokémons und der Polizei sind alle in den neuen Songs vertreten. Im Interview verrät die Gruppe, wie viel Ernst hinter den sozialkritischen Texten steckt, wie wichtig die „Grillwurscht“ tatsächlich ist und worauf die Leute sich am 11. Mai freuen können.

„Stad, Land, Goss“ ist euer drittes Album. Wie lässt sich die bisherige Entwicklung beschreiben?

Hubert Morang Wir haben unsere Art und Weise, Songs zu schreiben, grundlegend verändert. Mittlerweile entsteht nichts mehr aus Jams heraus, sondern unser Gitarrist Krëscht kommt mit bereits „fertigen“ Liedern zur Probe. Diese werden als Grundgerüst benutzt und dann basteln wir noch das Eine oder Andere hinzu oder lassen etwas weg. Außerdem haben wir gelernt, unsere Musik zu hinterfragen. Auf dem ersten Album waren beispielsweise auch einige Songs in Überlänge zu hören, was unserer Meinung nach diesmal nicht mehr der Fall ist. „Industrielle Läischendengscht“ hatte mit Sicherheit als erstes Album seinen Charme, aber ich denke, in den zehn Jahren haben wir uns weiterentwickelt, und das hört man auch. Vom Sound her haben wir uns vom Hard Rock ein gutes Stück in Richtung Metal bewegt, was auch teilweise an der Produktion liegt.

Die erste Single „Luxembourg’s Next Top-Pensionär“ habt ihr schon Anfang des Monats veröffentlicht. Wie fiel bisher das Feedback aus? Und wie entscheidet man sich eigentlich für DIE erste Single?

Morang Bis jetzt war das Feedback von Leuten, die wir kennen, positiv. Radiosender nehmen uns nicht mit in ihr Programm, aber das kennen wir ja schon, da wir vom Musikstil her durch das Raster einer normalen Radiostation fallen. Man kann uns aber dennoch vereinzelt mal im Radio hören, auch in Interviews. Für die Auswahl der ersten Single gibt es verschiedene Kriterien. Zum Ersten repräsentiert „Luxembourg’s Next Top-Pensionär“ sowohl das Album als auch unseren aktuellen Sound relativ gut. Dann sind wir auch eine Band, die dafür bekannt ist eine Portion Witz und Ironie mit ihrer Musik zu transportieren. Wir wollten ein erstes Lied veröffentlichen, das diesem Humor entspricht - diesen muss aber natürlich nicht jeder teilen. Zu guter Letzt wollten wir ein Video ganz im DIY-Stil („do it yourself“) drehen. Zu diesem Song sind uns dann schon spontan Ideen gekommen, die auch umsetzbar waren. Als kleine Info am Rande: Sacem hatte uns beispielsweise auch nach einem Lied für ihren Sampler gefragt. Denen haben wir dann unseren Song „20 Prozent“ gegeben, der auch Potenzial hatte, als erstes veröffentlicht zu werden.

Wie man das von euch kennt, sind die Texte auch dieses Mal sehr ironisch und sarkastisch. Wie viel Ernst steckt hinter den sozialkritischen Aussagen?

Morang Wir sind ein bisschen wie die Opas aus der Muppet Show: Wir meckern viel, haben aber auch nicht immer eine Lösung parat. Wenn wir aber etwa im Lied „9 Zoll“ den ständigen Bedarf, digital unterwegs zu sein, anprangern, so ist das auch etwas, das uns wirklich nervt. Heute ist man ja schon quasi ein Rebell, wenn man nicht das neuste Smartphone hat - und trotzdem sind auch wir online, benutzen Facebook, Instagram und Co. Man darf unsere Texte eigentlich nie zu ernst nehmen. Wir sehen uns nicht als politische Band, sondern als Band, die eine ironische Herangehensweise hat, wenn es um Luxemburg und seine Einwohner geht. Es gibt zu viele Leute, die sich zu ernst nehmen.

Ihr stimmt die Leute auf dem neuen Album mit einem Intro bestehend aus Ausschnitten von Politiker-Aussagen ein, was auch schon eine thematische Einleitung ins Album ist. Wie habt Ihr die Aussagen ausgewählt?

Morang Das waren englische Interviews von RTL Today mit allen Spitzenkandidaten im Vorfeld der Wahlen. Wir waren gerade dabei, an einer Intro zu basteln, und ich hatte die Interviews noch im Hinterkopf, weil ich sie schon nach dem ersten Hören ziemlich „kultisch“ fand. Ein Politiker redet über seine Vorliebe für Nudeln, ein anderer erzählt, dass er seit jeher nur die Rolling Stones hört. Das hat alles doch ein gewisses Comedy-Potenzial und kann eigentlich - auch wenn der Witz alt ist - nur damit übertroffen werden, dass Theresa May der BBC erzählt, ihr Lieblingslied sei „Should I Stay Or Should I Go“, oder Donald Trump erklären würde, sein Lieblingsessen seien Burritos von Taco Bell.

„Huldang gesinn a stierwen“ ist eine Kollaboration mit dem Rapper-Duo Freshdax. Wie kam es dazu, und könnt Ihr euch vorstellen, öfters was mit anderen luxemburgischen Musikern aufzunehmen?

Morang Auf dem zweiten Album „Et wuar net keen...mol“ haben wir schon das Lied „Total versaut“ mit Moofe Lex aufgenommen. Auch dieses Mal wollten wir wieder eine Kollaboration mit einem anderen Act und haben dann einfach mit Jacques und Julien Kontakt aufgenommen. Sie haben gleich eingewilligt, wir haben kurz über die Länge der Parts und den Text diskutiert, und dann war die Sache auch schon in der Kiste - mal schauen, ob es live auch so einfach über die Bühne geht. Wir können uns auf jeden Fall gut vorstellen, auch fürs nächste Album mit anderen zusammenzuarbeiten - so weit sind wir aber jetzt noch nicht.

Am 11. Mai ist die große Album-Release. Worauf dürfen sich die Leute besonders freuen?

Morang Drei Bands: Freshdax, Lost in Pain und uns, freier Eintritt, hoffentlich Leute, die Lust auf diese drei Acts haben, und es wird gemunkelt, dass wohl das „Waasser vum Liewen“ verteilt wird. Es soll ein gutes altes Konzert im Café sein, etwas das es in der Form leider nicht mehr so oft gibt, aber durchaus seinen eigenen Charme hat. Es ist eng, warm, der Sound ist wahrscheinlich nicht zu 100 Prozent perfekt, und trotzdem ist es ein cooles Erlebnis und weniger steril als an anderen Orten. Es wird sozusagen eine „analoge Form von Musik“ statt einer „digitalen“, bei der vom Sound über die Beleuchtung bis hin zum Platzangebot alles perfekt ist.

Zu guter Letzt, um an euren Song „Let’s make (sh)it happen“ anzuknüpfen: Wie wichtig ist Tëschegas die „Lëtzebuerger Grillwurscht“?

Morang Sie ist elementar für ein gelungenes „Dëppefest“. Wenn nicht gegrillt wird und das Bier nicht kühl ist, dann war das Fest nichts. Aber jetzt mal im Ernst: In Luxemburg - und das ist sogar im nahen Ausland nicht immer der Fall - ist auf dem kleinsten Event stets für Essen und Getränke gesorgt. Das gehört einfach zu unserer Identität, wie „Gromperekichelcher“ auf der „Fouer“. Es wäre doch quasi ein nationaler Skandal, wenn man irgendwo hingeht und es nichts zum Essen oder zum Trinken gäbe. Am 11. Mai gibt es zwar meines Wissens nach keine „Grillwurschten“, Bier aber ganz sicher. Und natürlich auch Wasser und Cola, für die, die fahren müssen.

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