NIEDERANVEN
PATRICK WELTER

Garage Losch Truck, Van & Bus - Nach vielen Jahren von Golf und Co. zu MAN und Neoplan

Ein gewaltiger Fernlaster von MAN und daneben ein kleiner VW Caddy - quasi unter einem Dach. Wie geht das zusammen? Was vor 70 Jahren als „VW-Händler“ begann, ist heute eine Firmengruppe mit rund 950 Mitarbeitern, die zehn Fahrzeugmarken im Portfolio hat und auch der letzte private Direktimporteur von Fahrzeugen in Luxemburg ist: die „Losch Gruppe.“ In deren Zentrum steht immer noch Volkswagen. Über das Doppeljubiläum von „Losch“ und „Porsche“ - beide wurden 2018 siebzig Jahre alt, haben wir schon ausführlich berichtet.

Was uns heute aber interessiert, ist der gewaltige Schritt, den das Pkw-Unternehmen im Jahr 2013 gewagt hat. Bis zu diesem Zeitpunkt war fahrzeugseitig bei 3,5 Tonnen Schluss. VW hatte spätestens seit der Einführung des VW-Busses, gerne „Bulli“ oder „Kombi“ genannt, im Jahr 1951 leichte Nutzfahrzeuge im Programm, folglich auch der Luxemburger Importeur. Aber selbst mit dem „LT“ und später dem „Crafter“ ging es nicht über 3,5 Tonnen hinaus.

Es war vielleicht kein Zufall, dass die Eigentümer der älteste Auslandsvertretung des Lkw-Herstellers und Maschinenbauers MAN (Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg), die Grand Garage Scholer in Niederanven, einen geeigneten Nachfolger suchten, um den Betrieb mit den Marken MAN (Lkw & Linienbusse) und NEOPLAN (Reisebusse) in ihrem Sinne weiterzuführen. Da MAN seit einigen Jahren zum VW-Konzern gehört, lag es nahe, dass es dann die „Losch-Gruppe“ war, die im klaren Einverständnis mit den bisherigen Eigentümern die Geschicke der MAN-Vertretung in Luxemburg übernahm. Plötzlich endete das Fahrzeugangebot nicht mehr bei 3,5 Tonnen, sondern bei superschweren Zugmaschinen 250 Tonnen Anhängelast. Hinzu kamen Stadt-, Überland- und Fernreisebusse.

Eine Chance wahr genommen

„Es war eine Chance, um den Kreis zu schließen,“ beschreibt Yves Bettendorf, der Direktor der „Garage Losch Truck, Van & Bus“ in Niederanven im Gespräch mit dem „Journal“. „Wir haben nicht nur die Garage Scholer freundschaftlich übernommen, sondern die Situation dazu genutzt, uns neu aufzustellen. Natürlich haben wir auch die traditionellen MAN-Kunden mit eingebunden. Das Nutzfahrzeuggeschäft wurde komplett zusammengefasst: Vom VW-Caddy und dem VW-Bus bis zu den ganz großen Schwergewichten. Wir können Kunden, egal ob Handwerker mit drei Autos oder Flottenbetreibern, nun Fahrzeuge aus allen Bereichen unter einem Dach anbieten. Sie haben alle Optionen,“ stellt Yves Bettendorf fest. „Übrigens haben wir alle Mitarbeiter der Garage Scholer übernommen, heute arbeiten hier fast 90 Angestellte.“

Das Betriebsgelände neben der Autobahn A1, wurde dabei komplett um- oder besser gesagt neugebaut, deutlich erweitert und firmiert jetzt auch optisch nach außen hin
als „Garage Losch Truck, Van & Bus.“

Ferienzeit - Stresszeit in der Werkstatt

Bettendorf sieht einen der großen Unterschiede zum Pkw-Geschäft darin, dass das Unternehmen sich zu 80 Prozent mit Service und nur zu 20 Prozent mit Verkauf befasst. Da das Nutzfahrzeug nun mal ein Arbeitsgerät ist, müssen Öffnungs- und Arbeitszeiten den Kunden angepasst werden. In Niederanven arbeitet man in zwei Schichten von 7.00 bis 21.00. Bei entsprechender Nachfrage könnten diese Zeiten auch noch ausgeweitet werden. Während den Ferien im Baugewerbe, die nun im August und auch alljährlich im Dezember anstehen, herrscht in der Lkw-Werkstatt Hochbetrieb. Während die Arbeiter in Ferien sind, werden die Baufahrzeuge durchgesehen, überholt und repariert. Ähnlich ist die Situation bei den Schulbussen, nur dass deren Ferienzeit etwas länger ist. Während alle anderen am Strand liegen, wird in den Nutzfahrzeugwerkstätten kräftig geschraubt.

Ratio vor Emotionen?

Wie verkaufen sich denn Nutzfahrzeuge, lautet unsere zentrale Frage an Bettendorf? Die Antwort ist überraschend vielfältig - von streng rational bis sehr emotional.

Fernverkehrsflotten, also Sattel- oder Hängerzüge, und Verteilerfahrzeuge (Zweiachser im Nahverkehr) werden mit strengem Blick aufs Geld beschafft, die Fahrzeuge müssen vier bis fünf Jahre zu möglichst niedrigen Kosten laufen.

Schon im Bau- und im Ausbaugewerbe ändert sich das Bild. Oft sind Anbauteile wie Selbstladekräne, deutlich teurer als das Basisfahrzeug, Stabilität geht vor Kostenersparnis. Außerdem sind diese Lkw und Transporter auch ein Aushängeschild für die Firmen. Die durchschnittliche Nutzungsdauer liegt bei etwa acht Jahren. „In diesem Bereich kommen unsere Verkaufsberater - der Ausdruck ist besser als Verkäufer - zum Einsatz, denn sie können dem Kunden genau die Konfiguration empfehlen, die dieser braucht. Nach dem Motto: Was muss Ihr Lkw können,“ erläutert der Direktor.

Emotionen kommen bei den Bussen ins Spiel. Weniger bei Stadt- und Überlandbussen, dafür sehr stark bei Reisebussen. „Wenn ein mittelständischer Busunternehmer rund 500.000 Euro für einen Reisebus ausgibt, will er auch mitgestalten.“ Oft fahren die Firmeninhaber gemeinsam mit einem Losch-Mitarbeiter ins Werk und konfigurieren dort die Busse ganz nach ihren Vorstellungen, von der Farbe der Polster bis zur Unterhaltungselektronik.

Und was ist mit selbstfahrenden Spediteuren, also Unternehmer die nur einen oder wenige Lastzüge besitzen und selbst hinterm Steuer sitzen? Bettendorfs Antwort kommt wie aus der Pistole: „Die nehmen alles (an Ausstattung), vom Leder bis zum Kühlschrank, schließlich ist das Führerhaus so etwas wie ihr Wohnzimmer.“ Von purer Ratio kann im Nutzfahrzeuggeschäft also keine Rede sein. Grundsätzlich sei es natürlich auch ein entscheidender Vorteil, Direktimporteur zu sein ohne über eine Landesvertretung, etwa in Brüssel, gehen zu müssen. Der direkte Ansprechpartner für Bettendorf und seine Mitarbeiter sind entweder die MAN-Zentrale in München oder VW-Nutzfahrzeuge in Hannover. Am Rande: Die Konzernschwester SCANIA ist ein Wettbewerber wie jeder anderer, auch auf luxemburgischer Ebene, Kooperationen gibt es keine.

Neue Wege

Um sich auf neue Zeiten einzustellen, hat man entsprechend neue Wege eingeschlagen und ist seit 2017 offizieller Vertreter des schweizerischen Omnibusherstellers HESS. HESS steht einerseits für bewährte Busanhänger, die die Personentransportkapazität eines Linienbusses während der Stoßzeiten deutlich erhöhen. Das Schweizer Unternehmen spricht selbst von „Buszügen“. Andererseits steht Hess auch für neue Antriebskonzepte wie Elektro- oder Trolley-Busse. Bei Garage Losch Truck, Van & Bus ist man also auch für die Nachfrage nach Elektrobussen gerüstet.

Problemlöser

„Wir leben von der Verankerung im lokalen Markt!“ so das erste Fazit von Bettendorf am Ende unseres Gesprächs. Und was ist der grundsätzliche Unterschied zwischen Pkw- und Lkw-Geschäft? „Als Nutzfahrzeugunternehmen bieten wir dem Kunden eine Lösung für sein Problem an,“ schließt Bettendorf.