SCHIFFLINGEN
GUSTY GRAAS

Zehn Jahre nach dem offiziellen Abschluss der letzten Ausbauarbeiten der Kläranlage Esch/Schifflingen wird die staatliche Subventionierung nun angehoben

Durch das Gesetz vom 20. Dezember 1999 war der Staat ermächtigt worden, sich mit 791 Millionen Luxemburger Franken (19.608.377,81 Euro, Index 569,62, Stand 1. Oktober 2002) am Ausbau der Kläranlage in Schifflingen zu beteiligen. Dieser Betrag entspricht 90% des zu dem damaligen Zeitpunkt aufgestellten Kostenvoranschlags von 21.765.051,48 Euro.

Bereits 1923 wurden am gleichen Standort die Abwässer der Stadt Esch mittels einer sogenannten „Krämeranlage“ gereinigt. 1967 war das gesamte Schifflinger Kanalisationsnetz an die Kläranlage angeschlossen worden.

Die zwischen 1959 und 1963 errichtete Anlage war ein erstes Mal Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre modernisiert worden, um die Abwässer aus dem Becken der „Kiemelbach“ (Ehleringen, Monnerich, Foetz und einen Teil von Zolwer) und dem untersten Becken der Mess (Limpach, Pissingen, Ehleringen, Steinbrücken und Bergem) biologisch zu reinigen.

Die durch das großherzogliche Reglement vom 13. Mai 1994 in nationales Recht umgesetzte EU-Richtlinie 91/271/CEE vom 21. Mai 1991 verlangte bis zum 31. Dezember 1998 strengere Auflagen betreffend die Stickstoff- und Phosphatentfernung für Kläranlagen mit mehr als 10.000 EWG (Einwohnergleichwerte; ein Einwohnergleichwert entspricht der täglich von einem Einwohner in das Abwasser abgegebenen Menge an organischen Verbindungen). Zusammen mit den staatlichen Instanzen hatten die Verantwortlichen des Gemeindesyndikats SIVEC (Syndicat Intercommunal à Vocation Écologique) die Entscheidung getroffen, die Kapazität der Anlage auf 90.000 EWG auszubauen.

1999 begannen die Arbeiten und am 30. August 2003 fand die definitive Abnahme der Installation statt. Im Laufe der Zeit wurde schnell erkennbar, dass der durch das Gesetz vom 20. Dezember 1999 gestimmte Kredit ungenügend sei, um insbesondere den modernen Anforderungen gerecht zu werden. Die Kreditüberschreitungen stammen vornehmlich aus folgenden Ursachen: Fehlerhafter Kostenvoranschlag betreffend die Erneuerung von bestehenden Gebäuden aus Eisenbeton, Kauf eines zusätzlichen Grundstücks für einen eventuellen späteren Ausbau der Anlage, Kontrolle der Baustelle, größeres Gebäude für die Aufbewahrung von Ersatzteilen, längere Dauer der Arbeiten sowie Änderung verschiedener Klärungsparameter. Heute werden diese Arbeiten nicht mehr vom Staat mitfinanziert.

Vergrößerung auf 130.000 EWG

Am vergangenen 5. Dezember hat nun Innenminister Jean-Marie Halsdorf den betreffenden Gesetzentwurf Nr. 6511 in der Abgeordnetenkammer hinterlegt. Dieser dürfte in den nächsten Wochen - bisher wurde noch kein Berichterstatter bestimmt - auf die Tagesordnung gesetzt werden, damit 10 Jahre nach dem offiziellen Ende des Ausbaus der Kläranlage (!) das nötige Geld überwiesen werden kann. Die Abschlussrechnungen der getätigten Arbeiten belaufen sich auf 25.785.045,13 Euro.

Der staatliche Anteil (90%) beträgt also 23.206.540,02 Euro. Bisher sind 20.732.825,67 Euro überwiesen worden; dementsprechend stehen dem Gemeindesyndikat SIVEC noch 2.473.714,35 Euro zu.

Wie uns Paul Weidig, Büromitglied des SIVEC, mitteilte, muss übrigens die Anlage bedingt durch das stetige Wachstum der angeschlossenen Ortschaften, allen voran Esch/Belval, auf 130.000 EWG ausgebaut werden.