BARCELONA/GIRONA
PATRICK WELTER

Katalonien, Spaniens prosperierender Nordosten, pflegt seine kulturelle Eigenständigkeit

Urlaub in Spanien: Mit dem Bus an die billige Costa Brava, schlafen in einer Bettenburg mitten in Lloret de Mar, und voll abfeiern… Der Albtraum aller, die einen Landstrich kennen lernen und ein schönen Urlaub erleben wollen.

Die Stadt des Augenblicks

Wer Katalonien mit seinen 7,5 Millionen Einwohnern auf die Costa Brava reduziert, tut der nordöstlichsten Provinz Spaniens bitter unrecht. Die katalanische Hauptstadt Barcelona gehört schon länger zu den angesagten Städten Europas und steht, obwohl eigentlich brummende Wirtschaftsmetropole, im internationalen Bewusstsein für Kultur, Kreativität und Lebensart. Zahlreiche Spitzen- und Designhotels bieten perfekte Unterkünfte. Am alten Hafen unweit des Columbus-Denkmals hat sich das hippe Barcelona etabliert. Auch die richtig Reichen entdecken den Charme dieser Stadt. Von der Terrasse des exklusiven „One Ocean Club“ fällt der Blick auf einen Wald aus Masten de vor Anker liegenden Yachten. Nichts Besonderes, wäre da nicht gigantische Bordwand über der mehrere Decks zu erkennen sind. Obwohl mit den Ausmaßen einer Fregatte gesegnet, dient dieses Schiff mit einer Länge von 157 Metern ausschließlich dem Privatvergnügen. Die „Dilbar“, Eigentum eines russischen Milliardärs, ist mit rund 15.000 Tonnen die größte Privatyacht der Welt. Sie liegt weder in Marbella noch in Monaco, sondern in Barcelona. Noch Fragen?

Wer die Stadt in Richtung Südwesten verlässt, fährt stundenlang durch Vororte und Industriegebiete, anderseits gibt es grüne Parks und Hügel mitten in der 1,5 Millionenstadt.

Der Reiz des Hinterlands

Nach Nordosten kommt der Wechsel von der Metropole zu Land viel schneller. Ähnlich wie in anderen Urlaubsgebieten ist es auch in Katalonien: Ein paar Kilometer hinter der Phalanx der Bettenburgen an der Küste wird es idyllisch, ländlich und landestypisch. Dort gibt es auch einen ganz anderen Tourismus.

Hier geht es nicht um „Sex on the beach“, sondern um Genuss, Gesundheit und eine gediegene Art der Ruhe. Um das Erkunden alter Städte mit gut erhaltenem historischem Kern wie Girona oder wie das kleinere Calonge, das mit seiner „Plaça Major“ bezaubert. Aber gerade Calonge zeigt auch, dass Katalonien immer noch ein wunderbarer Nährboden für zeitgenössische avantgardistische Architektur ist. Auf einem kleinen Felsplateau über dem Meer zeigt die „Villa Calonge“ wie sinnlich nackter Beton mit harten Kanten und immer wieder wechselnden Blickachsen sein kann. Die katalanische Küste zeigt sich hier von ihrer ursprünglichen Seite: Schroffe Felsen, kleine Strände, Zypressen und das blaue Meer. Idylle pur. Nur in der Ferne kann man per Teleobjektiv schon wieder hässliche Hochhäuser entdecken - meist das wo der Strand flach und sterbenslangweilig ist.

Rot-gelb gestreift, statt rot-gelb-rot

Typisch für Katalonien ist das Fehlen von spanischen Flaggen. Rot-gelb-rot mit dem bourbonischen Wappen wird dort nicht gerne gesehen. Stattdessen weht überall das fünffach gelbe und vierfach rot gestreifte Banner, die „Senyera“, oder die „Estelada“ mit weißem Stern auf einem blauen Dreieck am linken Rand. Die Katalanen sind alles andere als glücklich darüber zu Spanien zu gehören, immerhin haben sie die Zweisprachigkeit durchgesetzt. Katalanisch und Kastilisch - vulgo Spanisch - stehen hier gleichberechtigt nebeneinander. Auch wenn es mit der Unabhängigkeit nichts werden dürfte: Sagen Sie niemals zu einem Katalanen er sei Spanier - die Entrüstung ist unausweichlich. Katalanen gelten auch als besonders geschäftstüchtig und diszipliniert - als Schweizer der iberischen Halbinsel. In Sachen katalanischer Küche kann man nur einen tiefen, ehrlichen Rat geben: Hinfahren und probieren!

Kleine weiße Bälle

Nicht weit weg von Girona kann man Golfen wie die Profis - wie die aller besten Profis. Das PGA Catalunya Resort mit dem Hotel Camiral - außen etwas langweilig, innen wiederum ein Beweis für die architektonische Kreativität der Katalanen - bietet gleich zwei 18-Loch-Golfplätze, die bei internationalen „Touren“ gespielt werden.

Nicht nur Barcelona, das ganze Umland ist eine Reise wert.

 

www.oneoceanclub.es

de.pgacatalunya.com