DÜDELINGEN
CLAUDE MÜLLER

Für jeden Geschmack etwas dabei: 3. Auflage von „Like A Jazz Machine“ in Düdelingen

Mit 17 Bands und 78 Musikern zählt das Düdelinger Festival „Like A Jazz Machine“ wohl zu den umfangreichsten der Großregion und bietet ohne Zweifel für jeden Geschmack zahlreiche Leckerbissen aus der aktuellen einheimischen und internationalen Jazzszene. Nachdem die ersten beiden Tage von Erfolg gekrönt waren, bot auch das Programm der 3. Soiree eine Fülle an Diversität verschiedenster Klangkombinationen und Stile.

Unverwechselbare Trümpfe Kühns

Nach den Luxemburger Pianisten Marc Mangen und Michel Reis war am Donnerstag der englische Keyboarder John Taylor angesagt, der als Gast des Stephane Kerecki Quartets mit wunderbaren, immer spärlich dosierten Soli in seiner besonderen von Romantik und Impressionismus geprägten Stilistik vollends überzeugte. „Taylor ist einer der führenden Pianisten Europas, wenn nicht sogar mehr“, sagte Joachim Kühn über den 71jährigen englischen Pionier des europäischen Modern Jazz und Kühn selbst, der inzwischen seinen 70. Geburtstag feiern konnte, wurde von Jazzpapst Joachim-Ernst Berendt als „der europäische Pianist, der McCoy Tyner am Nächsten steht“ charakterisiert. Und eben dieser Joachim Kühn war am dritten Abend des Marathonfestivals in Triobesetzung mit Daniel Humair am Schlagzeug und Bruno Chevillon am Kontrabass angesagt.

Gleich zu Beginn wartete Kühn mit seinen unverwechselbaren Trümpfen, den wuchtigen Cluster, den intensiven frei gespielten lyrischen Momenten und den rasanten, vitalen Kadenzen, die sein Markenzeichen sind, auf. Das Programm, das dem Andenken des Kontrabassisten J-F Jenny Clarke gewidmet war, bestach hauptsächlich durch eine rare Homogenität, die im Repertoire der klassischen Pianotrios ihresgleichen sucht. Schon 1987 erklärte der Kritiker Ulrich Olshausen Kühns Combo „zu dem besten Klaviertrio, diesseits von Oscar Peterson“.

Einen Schlagzeuger in Höchstform erlebten wir in der Person des 76jährigen Schweizer Daniel Humair. Seine melodiös und klanglich immer effektvoll konstruierten Strukturen ließen alle Möglichkeiten der Vielfalt eines dreiköpfigen Ensembles in seiner originellen Manier auf- und erleben. Bassist Bruno Cheviller, der sicher ein schweres Erbe durch den Tod seines Vorgängers J.F. Jenny-Clark antrat, überzeugte mit seinen flexiblen und logisch konzipierten Soloeinlagen, die seinen musikalischen und technischen Hintergrund bestens beleuchteten.

Wie gewohnt setzte Joachim Kühn seine Liebe zur klassischen Musik und seine Erfahrungen mit den folkloristischen Elementen der orientalischen Welt gekonnt in Szene und ließ uns den kurzen aber intensiven Set des Trios als faszinante Erlebnisreise in die Welt der Geschichte des Jazzpianos von der Tradition des Stridestils bis zur zeitgenössischen Avant Garde genießen.

Elektronische Sound-Erweiterung

Einen für einen Großteil des jazzverwöhnten Publikums unüblichen Musikstil und Sound präsentierte anschließend das „Sylvain Rifflet Alphabet“. Aber wer King Crimson, Kraftwerk oder die minimalistischen Konstruktionen eines Philip Glass oder Steve Reich liebt, kam hier voll auf seine Kosten. Jeder der vier Musiker steuerte nämlich neben seinem Hauptinstrument elektronisches Zubehör, das die Sounds des originellen Quartetts spektakulär erweiterte.

Nach dieser extravaganten Eskapade in die Welt der psychedelischen Klänge sorgte das „Rubrica Art Ensemble“ unter der Leitung von Maxime Bender für willkommene Abwechslung. Hier waren wieder die altvertrauten Klangvorstellungen am Platz und die bewährten Klischees in Arrangements und Improvisationen im besten Sinne berücksichtigt. Die 13köpfige Band, die letztes Jahr von Bender und den Keyboardern Marc Mangen und Pol Belardi gegründet wurde und die als Hauptziel die Interpretation von Kompositionen einheimischer Musikern angibt, überzeugte mit einer sauberen, gut durchdachten Orchestrierung und bot beste Qualität durch den ausgewogenen Wechsel von bestens trainiertem Ensemble und kurzweiligen solistischen Einlagen. Dezente Klangmalereien und das delikate Einsetzen harmonischer Klangschichten, die anspruchsvollen kompositorischen Arbeiten sowie der dominierende Einfluss des zeitgenössischen Mainstreams fanden eine uneingeschränkt positive Anerkennung beim Publikum verschiedenster Altersklassen.

Zum Abschluss BillyCobham

Zum Club der erwähnten 70jährigen gesellt sich ebenfalls der Fusion-Schlagzeuger Billy Cobham, der gestern als krönender Abschluss des erfolgreichen viertägigen Festivals, das bestens die verschiedensten Tendenzen und Facetten des aktuellen Jazzgeschehens beinhaltete, angesagt war.