LUXEMBURGCHRISTIAN BLOCK

Zu Besuch im „Foyer St. Antoine“, der Asylbewerberunterkunft der Caritas

Im Flur begegnet Nicole Seuvic einem Mann, der seine Tochter auf dem Arm trägt. Auf ihre freundliche Art unterhält sich die gebürtige Französin kurz mit dem Mann und gibt anschließend einen Tipp, wie er die Schmerzen der Kleinen, die gerade ihre Zähne bekommt, lindern kann. Für einen Augenblick vergisst man fast, dass wir uns einem Asylbewerberheim befinden. Dort also, wo Menschen manchmal ein paar Jahre lang in der Ungewissheit leben, ob sie in Luxemburg bleiben dürfen oder nicht.

Gegenseitiger Respekt wird groß geschrieben

Dass die Stimmung im Foyer St. Antoine der Caritas so freundschaftlich und offen ist, hat seine Gründe. Denn Nicole Seuvic, die 20 Jahre Berufserfahrung mitbrachte, als sie 2004 die Leitung des Heims übernahm, legt großen Wert auf gegenseitigen Respekt und dass Probleme möglichst dann angesprochen werden, wenn sie klein sind. Wo bis zu 88 Menschen aus rund 20 Ländern und noch mehr Kulturen aufeinandertreffen, „gibt es immer Spannungen. Aber dafür sind wir da“, sagt die von zwei Sozialpädagogen unterstützte Leiterin. Dazu gehört auch, Kompromisse einzugehen. Inzwischenkönnen sich die Bewohner des Hauses auch selbst Mahlzeiten zubereiten. Ein anderes Beispiel: Während des Ramadans können Muslime ihre Mahlzeit, die angeliefert wird, später zu sich nehmen als die anderen Bewohner des Hauses. Dennoch lautet das oberste Prinzip von Nicole Seuvic, dass für alle die gleichen Regeln gelten.

Zum Management des Alltags gehört auch die Koordinierung mit dem technischen Dienst, der sich etwa um kleinere Reparaturen kümmert, einer Sicherheitsfirma sowie die Abstimmung mit Praktikanten und Freiwilligen, die etwa Luxemburgisch unterrichten

Ins „Foyer St. Antoine“ kommen hauptsächlich Asylbewerber, die eine Betreuung brauchen, auch aufgrund der Nähe zum Krankenhaus und zum Stadtzentrum. Sei es aufgrund von physischen Einschränkungen oder, weil viele Flüchtlinge traumatische Erfahrungen machen, mit psychischen Problemen. Derzeit leben allerdings auch etwa 15 Minderjährige im Foyer, die ohne Begleitung ins Land gekommen sind. „Sie brauchen eine besondere Begleitung. Sie sollen von ihrem Aufenthalt profitieren können, auch wenn sie am Ende vielleicht zurück in ihr Land müssen“, führt Seuvic aus. Für Asylbewerber, die nicht mehr unter die Schulpflicht fallen oder ihren schulische Laufbahn unterbrechen mussten, bietet die Caritas etwa so genannte „Passerelle“-Klassen an.

Zusammenleben im Alltag schaffen

Überhaupt legt Seuvic Wert darauf, dass alle Bewohner des Hauses im Rahmen ihrer Möglichkeiten aktiv sind und sich in die Gemeinschaft einbringen. Dazu gehört, die gemeinschaftlich genutzten Räume sauber zu halten oder die Tische nach den Mahlzeiten abzuräumen. Jede Woche werden die Aufgaben neu verteilt. „Ziel ist es, Verantwortung zu übernehmen. Das fördert den gegenseitigen Respekt“, erklärt sie. Auch ältere und kranke Bewohner bekommen ihre, wenngleich kleineren Aufgaben. „Ein Zusammenleben im Alltag zu schaffen ist äußerst wichtig“, sagt Seuvic. Gemeinsame Feiern oder gelegentliche Ausflüge, von denen Fotos an einer Tafel im Flur zeugen, gehören natürlich auch dazu. Im Haus gibt es zudem einen Fitnessraum, einen Computerraum sowie speziell auf Kinder ausgerichtete Aufenthaltsräume. Im Hinterhof steht ein Gartenhäuschen und in einem eingezäunten Bereich laufen ein paar Hühner, um die sich eine Bewohnerin kümmert.

Weitere im Foyer angebotene Aktivitäten richten sich vor allem an Frauen. In Schmink- oder Kreativateliers sollen sie lernen, sich selbst stärker wertzuschätzen und so auch unabhängiger werden.

„Wir sehen die Menschen in ihrer spezifischen Situation und versuchen, ihnen eine Perspektive zu geben“, erklärt Seuvic, während sie durch das Haus führt, dessen Zusammensetzung sich ständig ändert. Manchmal sind es mehr Alleinerziehende, ein anderes Mal mehr Afrikaner oder Menschen aus den Balkanstaaten. „Wir müssen uns immer anpassen. Das ist eine ständige Herausforderung“, sagt Seuvic.