LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Aus Überraschungen das Beste machen: Oleksandr Pachkal entdeckt Luxemburg zu Fuß

Trotz der alltäglichen Sorgen die Schönheit der Natur genießen: Für Oleksandr Pachkal ist das mehr als nur ein Satz, den man vielleicht ins Reich der kitschigen Fernsehfilme oder ausgedienten Kalendersprüche verbannen würde. Oleksandr hat ein Hobby, das ihn kaum Geld kostet, das er sehr flexibel betreiben kann und das ihm jede Menge Überraschungen beschert. Voraussetzung ist nur, dass man jenes zarte Grün liebt, das die Sonnenstrahlen im Wald auf die Blätter zaubern und dass man keine Angst vor einer Steigung oder einer Blase am Fuß hat. Oleksandr arbeitet als Rechnungsprüfer und geht in seiner Freizeit regelmäßig wandern, sobald sich die Gelegenheit bietet, zögert er nicht und packt seinen Rucksack.

Am Wochenende heißt es zeitig aufstehen, obwohl er an den Wochentagen lange arbeitet und an den freien Tagen eigentlich nicht früh aus den Federn muss. Manchmal schwingt sich Oleksandr auch noch nach der Arbeit auf und schnürt die Wanderschuhe. Für den aus der Ukraine zugezogenen Buchhalter ist das ganz selbstverständlich. Denn das Erste, was er in einer neuern Stadt oder einem unbekannten Land macht, ist ohne Karte umherzulaufen und herauszufinden, wie es dort aussieht. „In meiner Vorstellung war Luxemburg-Stadt ein Geschäftszentrum mit zahlreichen Banken und Firmen aus Glas und Stahl. Auch wenn das zum Teil stimmt, war ich doch überrascht, wie grün die Stadt ist, als ich hergezogen bin.“ Der 25-Jährige wohnt erst seit Mai vergangenen Jahres in Luxemburg.

„Gute alte Gewohnheit“

Die ersten Schritte führten ihn in den Péitruss Park, durch Clausen und Pfaffenthal und zum Mudam hinauf. Schließlich schlugen Arbeitskollegen gemeinsame Treffen vor. „Eine tolle Idee für einen Neuling für mich, nicht nur um Luxemburg zu entdecken, sondern auch, um neue Leute zu treffen.“

Seitdem versucht er wenigstens einmal in der Woche auf einen Wandertrip zu gehen. „Um nach einer Woche im Büro frische Luft zu schnappen, neue Orte zu entdecken und gleichgesinnte Leute zu treffen.“ Außerdem stammt Oleksandr au seiner Gebirgsregion in der Ukraine, nur eine halbe Stunde entfernt von Gebirgsmassiven, zu denen er mit seiner Familie oder seinen Freunden tägliche Wanderungen unternommen hat. „Und so ist das Wandern für mich auch eine gute alte Gewohnheit, der ich nicht widerstehen kann.“

Für Oleksandr ist Luxemburg ein sehr kleines Land, aber dennoch gibt es zahlreiche Wanderwege. Da er noch neu im Lande ist, schließt er sich normalerweise Gruppen an, deren Leiter die Gegend kennen und die Gruppe durch Wälder und über Felder führen. „Das kommt mir sehr entgegen, denn mit meinem großen Arbeitspensum ist es nicht leicht, noch eine Wanderung zu planen.“

Über die Plattform www.meetup.com hat er in der Wandergruppe „Luxembourg Outdoors Adventure“ viele Mitwanderer ausfindig gemacht. Mit den Wandergruppen ging es schon auf den Mullerthal Trail von Berdorf nach Echternach, auch die Wälder um das Schloss Ramstein nahe Kordel und um die Gemeinden Bascharage, Remich und Rosport haben die Wanderer bereits gemeinsam erkundet. Unterwegs legt die Gruppe an einem schönen Plätzchen auch eine große Pause ein, in der sie sich zusammenfindet und jeder aus seinem Rucksack seine Wegzehrung hervorholt. Der Moment für Fotos, um den Ausflug festzuhalten, aber unterwegs machen die Wanderer auch Fotos von der schönen Natur. Denn darum geht es ihnen: Bewegung an der frischen Luft und sich die Natur um sie herum genau ansehen und genießen. Mit etwas Glück lassen sich auch Vögel und Eichhörnchen beobachten, manchmal kreuzen Hasen oder sogar Rehe ihren Weg.

Auf Menschen treffen

Wenn Oleksandr nicht mehrere Stunden am Stück für eine Wandertour Zeit hat oder mal Zeit für sich braucht, dann macht er einen Spaziergang in der Stadt. Da lässt er sich dann treiben und läuft ins Blaue hinein. „Man weiß nie, was man alles zu sehen bekommen wird, einmal habe ich mich in einem Musikgeschäft in Bonneweg umgeschaut und war schließlich für Stunden im Wald von der Polfermillen unterwegs.“ Diese individuellen Spaziergänge bieten dann auch die Gelegenheit, die Wege und Seitenstraßen zu wählen, die Oleksandr in diesem Moment besonders interessieren und sich genug Zeit zum Fotografieren zu nehmen.

Doch beides, die Touren in der Gruppe und individuelle Spaziergänge, können einem das bringen, wonach man sucht. „Die besten Wanderungen für mich sind nicht diejenigen, die einen an einen bestimmten Ort führen, sondern die einen unterwegs mit Menschen zusammentreffen lassen.“ Daher bleibt er auch gelassen, selbst wenn er mal nicht dort ankommt, wohin ihn der Wanderweg eigentlich hätte führen sollen. Für ihn vermittelt sein Hobby Grundsätze, die Krisen nicht nur standhalten, sondern aus ihnen heraus helfen können: „Man darf keine Angst vor einer falschen Abzweigung haben. Wenn man vorwärts geht, entdeckt man Unbekanntes. Es liegt an einem selbst, das Beste daraus zu machen.“


Wanderer, die Gleichgesinnte suchen, können sich mit der Gruppe „Luxembourg Outdoors Adventure“ über die Plattform www.meetup.com in Verbindung setzen.

Die Gruppe organisiert auch im Winter regelmäßige Ausflüge