LUXEMBURGSVEN WOHL

Literaturkritik: „Spademan“ von Adam Sternbergh

Die Postapokalypse hat man mittlerweile so oft gesehen, dass dem Thema nur schwerlich noch etwas Neues abzugewinnen ist. Dass sich Autoren trotzdem noch daran versuchen, liegt vielleicht an der Attraktivität eines solchen Settings. Denn eine Welt, in der sämtliche konventionellen sozialen Strukturen weggefallen sind und die Umstände an Anarchie grenzen können, bieten einen guten Nährboden für Erzählungen aller Art. Wie etwa über ehemalige Müllmänner, die jetzt eine Karriere als Auftragskiller einschlagen.

Sympathischer Psychopath

„Spademan“ würde sich selbst nicht als Psychopathen beschreiben. Seine Argument: Immerhin tötet er keine Kinder. Doch seine Vorgehensweise, seine Opfer mit dem Teppichmesser im Bett aufzuschlitzen, lässt einen vermuten, dass der Protagonist ein typischer Anti-Held ist. Das muss er auch sein, denn seine Heimatstadt, New York, erlaubt es nach zwei nuklearen Terroranschlägen nur noch den Hartgesottenen das Überleben. Sein neuester Auftrag soll gleichzeitig auch sein schwierigster sein, denn er soll die ausgerissene Tochter eines mächtigen Fernsehpredigers finden und eliminieren. Durch eine Enthüllung verändert sich die Situation jedoch auf einen Schlag und aus dem Jäger wird der Beschützer.

Dass ein Antagonist sich zu einer positiven Figur wandelt, ist keine Neuheit im Genre. Doch dank der Ich-Erzählung, die aus den Augen von „Spademan“ erfolgt, kann der Roman trotzdem Profit aus der Figur schlagen. Der Schreibstil birgt einen spitzen Zynismus, der trotz seiner Härte zum Lachen anregt. Der Psychopath wirkt nach einigen Seiten sogar liebenswert, was für das schriftstellerische Talent von Adam Sternbergh spricht. Auch die Art, wie das persönliche Traumata der Figur verarbeitet wird, verdient Lob, vor allem weil Sternberg es nicht mit dem Pathos übertreibt. In aller Kürze werden die Figuren durch ihre Handlungen und Dialoge angerissen, ohne dabei übermäßigen Ballast anzuhäufen.

Fastfood-Action

Das hat den Vorteil, dass die Handlung mit rasantem Tempo vorankommt und einen auch richtig packt. Das kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es der Handlung an Tiefgang fehlt, aber bei „Spademan“ wird einem schnell klar, dass es nicht auf eine komplexe Handlung ankommt. Stattdessen soll es möglichst unkompliziert zur Sache kommen und die Hand voll Action-Szenen fügen sich nahtlos in den Erzählfluss ein.

Die Limnosphäre, eine Alternative zum Internet, die außerkörperliche Erfahrungen bieten soll, ist zwar auch eine nette Idee, die der Geschichte etwas mehr Reiz verleiht, aber wirklich neu ist daran auch nichts. „Spademan“ stellt also typische Unterhaltungsliteratur ohne wesentlichen Tiefgang dar, die einem die Zeit ganz gut vertreibt, aber, ähnlich wie ein Besuch beim Fastfood-Restaurant, keine andauernde Befriedigung verspricht. Wer also mit keinen überzogenen Erwartungen in die Lektüre einsteigt, sollte hier eigentlich glücklich werden.


„Spademan“ von Adam Sternberg erschien beim Heyne Verlag.
304 Seiten, Preis: 14,99. ISBN: 978-3453268883