LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Rund 33 Betriebe und 90 Arbeitssuchende testeten ein neues Format

In der Handwerkskammer fand am Freitagnachmittag ein Speed-Dating der besonderen Art statt. Erstmals trafen rund 90 Arbeitssuchende auf 33 Betriebe, die Fachkräfte einstellen wollen. Das Format ist ein Test. Ideengeber war eine ähnliche Veranstaltung, die 2018 für Flüchtlinge stattfand, die Arbeit suchten.

„Wir wollen Elektriker, Installateure, Heizungsmonteure und Fachkräfte für Klimaanlagen“, erklärt Manpower-Berater Leanik Tomaz Caçador. „Wir haben zu wenig Bewerbungen. Und die guten Leute sind schnell weg. Da muss man innerhalb von 30 Minuten antworten“, hat er gelernt.

Auch das Bauunternehmen Stugalux war vor Ort. „Wir suchen in allen Bereichen außer der Schlosserei“, sagt ein Stugalux-Mitarbeiter. „Wenn wir fünf gute Kandidaten finden, nehmen wir die. Wenn wir zehn gute finden, dann nehmen wir zehn.“ Er blättert durch die Bewerbungen vor sich auf dem Tisch. „Dieser Kandidat arbeitet seit 2014 in befristeten Verhältnissen. Das ist kein gutes Zeichen. Dieser hier ist dagegen interessant.“ Dann ruft er den ersten auf.

Tatsächlich hatten sich zehn Kandidaten für sieben Malerunternehmen, 13 Kandidaten für acht Bauunternehmen, zehn Kandidaten für vier Fliesenlegerunternehmen, 15 Kandidaten für 15 Elektrounternehmen, genau so viele Kandidaten für zehn Metallbauunternehmen, sechs Kandidaten für den Bereich Heizung, Sanitär und Klimaanlagen, aus dem elf Unternehmen kamen, sowie 20 Kandidaten für sechs Gartenunternehmen gemeldet. Die Adem hatte eine Vorauswahl unter den Bewerbern getroffen. Sie oragnisierte den Termin unter dem Schlagwort MeetADEM Artisanat „Mesures & Aides“ gemeinsam mit der Handwerkskammer und der „Fédération des Artisans“.

Guy Pütz, Chef des Service für die Arbeitgeber bei der Adem, stellte den Anwesenden in kompakter Form die Angebote des Dienstes vor, für den heute 70 Mitarbeiter tätig sind. Pütz verwies auf das seit zwei Jahren existierende elektronische „Jobboard“, bei dem mehr als 19.000 Kandidaten aufgelistet sind. Monatlich gehen dort 2.200 Anfragen von Arbeitssuchenden ein. 2.179 Arbeitgeber stellen rund 1.700 Anfragen pro Monat. Pütz nannte auch den „Jobday“, der derzeit in monatlichem Rhythmus und für wechselnde Branchen veranstaltet wird. Darüber hinaus listete er Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung für verschiedene Profile sowie der Weiterbildung von Kandidaten auf, die beispielsweise nach 19 Wochen Schulung als Hilfe auf dem Bau einsetzbar sind und wissen, wie Leitungen verputzt werden müssen.

Der Anteil der Unternehmen in Luxemburg, denen qualifizierte Mitarbeiter fehlen, steigt ständig. Im Schnitt liegt er für dieses Jahr bei 42 Kandidaten. Aber in der Industrie ist die Quote mit 70 Prozent weitaus höher und im Handwerk mit 62 Prozent ebenfalls. Derzeit erstellt die Adem eine Liste jener Berufe, die besonders gefragt sind. Sie soll bis April fertig sein und als Grundlage für weitere Maßnahmen dienen. Pütz, der vor seinem Amtsantritt bei der Adem 2014 selbst Unternehmens-Chef war, liegt der praxisorientierte Service am Herzen.

Fachkräfte dringend gesucht

Tom Wirion, Generaldirektor der Handwerkskammer, betonte, dass das Handwerk der erste Arbeitgeber und Ausbilder des Landes sei. „Rund 20 Prozent der Unternehmen sagen, dass ihre Tätigkeit durch den Fachkräftemangel beeinflusst wird“, hielt er fest. Wenn das Format des Speed-Datings gut funktioniert, könnte man das je nach Bedarf zwei oder drei Mal pro Jahr durchführen. Darüber denken wir nach.“

Für Arbeitsminister Dan Kersch geht die Initiative in die richtige Richtung. Er erwartet aufgrund der europäischen Regeln, dass in Zukunft möglicherweise mehr Arbeitslose in Luxemburg eingeschrieben sind. „Sie sind ein Reservoir“, hielt er fest. „In Zukunft wollen wir verstärkt auf Initiativen wie diese hier setzen.“

Michel Reckinger, der als Unternehmens-Chef ebenfalls teilnahm, aber auch als Präsident der „Fédération des Artisans“ sprach, war nicht ganz so optimistisch: „Wir müssen mit den Mädchen tanzen, die da sind.“.