BARCELONA/LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Wieder einmal 24 Stunden in der katalanischen Metropole

Besonders angesagt ist zurzeit die katalanische Metropole Barcelona als Schauplatz internationaler Pressekonferenzen. Beileibe kein Grund sich als Pressevertreter über Einladungen dorthin zu beschweren. Eine tolle Stadt. Allerdings hat die Sache einen kleinen Haken - es ist jedes Mal ein Speeddating mit dieser faszinierenden Stadt. An einem Tag um die Mittagszeit einfliegen, einige Autos testen, Gespräche mit Ingenieuren, später die Pressekonferenz und ein Abendessen mit Konzernmitarbeitern, am nächsten Morgen noch eine Testfahrt, und schon geht es wieder hinaus nach El Prat, dem Flughafen von Barcelona, um zurück nach Luxemburg zu fliegen.

Bei diesem dicht gedrängten Programm bleibt nur eins: Mit offenen Augen und Ohren durch die Stadt fahren oder gehen und so viele Eindrücke wie möglich sammeln. Außerdem sollte man sich bei jeder Tour nach Barcelona etwas Zeit abzweigen, um jedesmal ein neues Kulturhäppchen genießen zu können.

Dass die Olympiastadt von 1992 sich über eine gewaltige Fläche ausdehnt, begreift man schon beim Anflug. In der Ebene zwischen Montserrat-Gebirge und Meer reihen sich die Häuser bis zum Horizont aneinander. Unter dem Flugzeug gleiten die Strände der Stadt, dann das charakteristische Hotel „W“ mit seiner Segelform, der alte und der neu Hafen, vorbei, bevor der Flieger eine Wende fliegt, um zu landen.

Katalanisch statt Kastilisch

Katalanen sind keine Spanier. Ihre Versuche Unabhängigkeit zu erlangen, waren zwar nicht erfolgreich, aber immerhin sind alle Hinweisschilder zweisprachig: Spanisch (Kastilisch) und Katalanisch. Von angeblichem südeuropäischem Schlendrian keine Spur, alles strahlt Geschäftigkeit aus. Hochhäuser und moderne Bürogebäude machen deutlich, dass nationale Konzerne ihre Zentralen und internationale Unternehmen ihre spanischen Niederlassungen hier angesiedelt haben. Wenn die Autobahn in eine der städtischen Hauptachsen übergeht, taucht auf dem Mittelstreifen die Trasse einer neuen Trambahn auf, die die Büroviertel mit der Innenstadt verbindet. Die andere beeindruckende Einfallstraße ist die Avenguda Diagonal, an der die Universität liegt und die später das strenge Schachbrettmuster der Innenstadt wie ein Messer das berühmte Stück Butter durchschneidet.

Die Stadt ist der Star

Die Abfolge der Häuserblöcke, kombiniert mit einem strengen Einbahnstraßensystem macht es möglich, sich recht unproblematisch in der inneren Stadt zu bewegen. Die Architektur erinnert spontan an Paris: Ladengeschäfte, Belle Etage und noch drei oder vier Geschosse darüber. Allerdings ist die Stadtreinigung Barcelona deutlich erfolgreicher als ihr Pariser Pendant, sowieso wirkt zumindest in den Bürovierteln und der Kernstadt alles super sauber und aufgeräumt.

Abgesehen von den üblichen touristischen Verdächtigen ist es die Architektur der Jahre 1880 bis etwa 1936, die den Besucher fasziniert. Jedes Haus sieht anders aus, Historismus, spanischer Jugendstil - nicht nur Gaudi - und Art Deco stehen nebeneinander und stören sich nicht, sondern ergänzen sich. Man kann ewig herumlaufen, ohne sich zu langweilen.

Wer mehrere Tage in der Stadt ist, kann die klassischen Ziele abarbeiten. Vom - schaurig imperialistischen - Kolumbusdenkmal am alten Hafen, zur uralten Seilbahn über das Hafenbecken, zurück auf die Ramblas mit ihren Touristenfallen und dann hinein in die winzigen Gassen des gotischen Viertels. Möglichkeiten Kultur zu tanken, gibt es in Barcelona hundertfach. Ebenso wie „Tapas“ und „Crema catalana“ - nur bitte nicht auf den Ramblas.

Eher spektakulär als schön

Das Touristenziel Nummer eins, mit angeblich zwei Millionen Besuchern, ist die ewige Baustelle der Kirche „Sagrada Familia“. Die Baustelle liegt nordwestlich der historischen Altstadt, und ich stehe zum ersten Mal davor. Es handelt sich dem Grundriss nach um eine fünfschiffige Basilika mit dreischiffigem Querhaus und einem Umgang. Von außen ist diese eigentlich nicht ungewöhnliche Konzeption für eine Kathedrale nicht wahrnehmbar.

Mich gruselt der Stilmix. Jetzt weiß ich, wo sich die Filmarchitekten von „Game of Thrones“ ihre Anregungen geholt haben. Die von Antonio Gaudi in großen Teilen konzipierte Kirche soll nach gut 140 Jahren Bauzeit 2026 fertig gestellt werden. Die viel gelobte Spiritualität des Architekten wirkt auf mich eher wie eine religiöse Geisterbahn, über dem die immer noch privat finanzierten Baukräne unbeirrt drehen. Die Wirkung des Innenraums soll „grandios“ sein, aber dafür reicht - wie immer - die Zeit nicht.

Das Flugzeug geht um 13.00.