CAPE CANAVERA1
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Erste Sonde zur Sonnenatmosphäre gestartet

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat ein Raumfahrzeug auf den Weg zur Sonne geschickt. Die „Parker Solar Probe“ startete gestern Morgen an Bord einer Rakete in Cape Canaveral in Florida. Das Raumfahrzeug soll durch die äußere Sonnenatmosphäre, die Korona, fliegen und an einer Stelle nur sechs Millionen Kilometer von der Sonnenoberfläche entfernt sein. Wissenschaftler wollen die Möglichkeit bekommen, die Sonne auf bislang nicht vorhandene Art zu erforschen.

Die Mission kostet 1,5 Milliarden Dollar

Das Raumfahrzeug ist mit einer innovativen Hitzeschutzausrüstung versehen. Es soll im Oktober an der Venus vorbeifliegen. Die erste Begegnung des Raumfahrzeugs mit der Sonne soll im November passieren. Insgesamt sind für die nächsten sieben Jahre 24 Flüge der „Parker Solar Probe“ in die Nähe der Sonne vorgesehen. Die Mission kostet 1,5 Milliarden Dollar.

Der Startversuch am Samstagmorgen wurde durch ein technisches Problem verhindert. Tausende Zuschauer versammelten sich am Sonntag den zweiten Tag in Folge mitten in der Nacht am Ort des Geschehens und umliegenden Städten. Darunter war der 91-jährige Astrophysiker Eugene Parker, nach dem das Raumfahrzeug benannt ist. Parker machte vor 60 Jahren auf die Existenz von Solarwind aufmerksam - einen stetigen Überschallstrom aus Partikeln von der Sonne. Es ist das erste Mal, dass die Nasa ein Raumfahrzeug nach einer noch lebenden Person benannt hat.

Die Nasa benutzte eine riesige 23 Stockwerke hohe Delta-IV-Heavy-Rakete, um das Raumfahrzeug, das so groß wie ein kleines Auto ist und weniger als eine Tonne wiegt, in Richtung Sonne zu befördern.

Von der Erde sind es 150 Millionen Kilometer bis zur Sonne. Das Raumfahrzeug soll 96 Prozent dieser Strecke zurücklegen. Damit käme es der Sonne sieben Mal näher als vorherige Raumfahrzeuge. Der Forschungsmissionschef von Nasa, Thomas Zurbuchen, betrachtet die Sonne als wichtigsten Stern in unserem Universum. Indem die lebensspendende und manchmal gewalttätige Art der Sonne besser verstanden werde, könnten die Erdbewohner besser Satelliten und Astronauten in der Umlaufbahn schützen, sagte er.

Auf die Sonnen-Expedition der Nasa soll 2020 eine europäische folgen

Die Sonne ist rund 4,5 Milliarden Jahre alt. Mit der neuen Mission hoffen Wissenschaftler, verschiedene Fragen zu beantworten. Gerätselt wird zum Beispiel, warum die Korona, die äußere Sonnenatmosphäre, Hunderte Male heißer ist als die Oberfläche der Sonne. Warum dehnt sich die Sonnenatmosphäre kontinuierlich aus und wird größer, wie der Astrophysiker Parker von der University of Chicago 1958 richtig vorhergesagt hat?

„Der einzige Weg, wie wir das tun können, ist endlich hoch zu gehen und die Sonne zu berühren“, sagte die Projektwissenschaftlerin Nicola Fox von der Johns Hopkins University. Mehr als eine Million Namen, die Raumfahrtfans im vergangenen Frühling eingereicht hatten, sind an Bord des Raumfahrzeugs. Auch Fotos von Eugene Parker und eine Kopie seines Texts über Solarwind aus dem Jahr 1958 werden transportiert. „Ich wette mit Ihnen um zehn Mäuse, dass es funktioniert“, sagte Parker über die Mission.

Die Nasa-Sonde ist nicht die erste, die die Sonne aus der Nähe untersuchen wird. Bereits in den 1970er Jahren starteten die deutsch-amerikanischen Sonden Helios 1 und Helios 2, die jedoch mit rund 45 Millionen Kilometern einen gebührenden Abstand zum Hitzeball hielten. Sie befanden sich damit innerhalb der Umlaufbahn des sonnennächsten Planeten Merkur. Zum Vergleich: Die Sonne ist im Schnitt 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.

Auf die Sonnen-Expedition der Nasa soll 2020 eine europäische folgen: Dann ist der Start des „Solar Orbiter“ der europäischen Raumfahrtagentur Esa geplant. Die Missionen wurden unabhängig voneinander entwickelt.