Wynton und Branford Marsalis begannen ihre Karriere bei den legendären „Jazzmessengers“ des Schlagzeugers Art Blakey, ehe sie mit eigenem Quintett und dann, jeder für sich, durch spektakuläre Produktionen weltweit zu den Topfavoriten ihres Instruments wurden. Saxofonist Branford Marsalis erlangte durch seine langjährige Zusammenarbeit mit der Jazz-Rockformation von Sting einen enormen Bekanntheitsgrad. Beide Musiker sind auch auf Grund ihrer Einspielungen klassischer Werke geschätzt. Mit ihrem Vater Elis Marsalis nahmen die berühmten Brüder aus New Orleans 1981 die Platte „Fathers & Sons“ auf, wo auch die beiden Saxofonisten Von und Chico Freeman mitwirken. Ihre jüngerer Bruder Delfeayo Marsalis wurde als Posaunist der „Elvin Jones Jazz Machine“ ein Begriff, ist aber hauptsächlich als Produzent und Aufnahmeleiter tätig. Ein jüngerer Bruder, der Schlagzeuger und Vibraphonist Jason Marsalis, war in diesem Jahr auf zahlreichen europäischen Festivals zu Gast.
Auch die „Heath Brothers“ schrieben als Ensemble Jazzgeschichte, aber einen besonderen Stellenwert genießt jeder der drei Brüder durch eine beachtliche Solokarriere. Saxofonist Jimmy Heath leitete bereits in den 1940er Jahren eine eigene Band mit John Coltrane als Solist. Percy Heath gründete 1954 mit Pianist John Lewis die langlebigste Combo der Jazzgeschichte, das „Modern Jazz Quartet“, der er während über 20 Jahren ohne Unterbrechung als Bassist angehörte und Al „Tootie“ Heath war als Freelancer ein begehrter Schlagzeuger vieler prominenter Solisten. Von 1955 bis zu seinem Tod im Jahr 1968 leitete der Gitarrist Wes Montgomery ein Trio, dem seine beiden Brüder Buddy (Piano und Vibrafon) und Monk (Bass) angehörten.
Ein umstrittenes Gespann in der Free-Jazzszene, mit dem eine tragische Geschichte verbunden ist, bildeten Saxofonist Albert Ayler und sein Bruder, der Trompeter Don, der während seiner Laufbahn mehrmals in Heilanstalten eingewiesen wurde. Albert Ayler wurde 1970 in New York tot aus dem East River geborgen. Die Umstände wurden nie geklärt.
Für kurze Zeit war er mit der avantgardistischen Sängerin Annette Peacock befreundet, die 1960 den Bassisten Gary Peacock geheiratet hatte, diesen aber zu Gunsten von Pianist Paul Bley verließ, mit dem sie 1966, als Nachfolgerin von Carla Bley, in den Stand der Ehe trat. Die Pianistin, Komponistin und Arrangeurin Carla Bley hatte den Pianisten, den sie im „Birdland“ als Zigarettenverkäuferin kennen lernte, 1957 geehelicht. 1967 heiratete sie den Trompeter Mike Mantler. Aus dieser Ehe ging Karen Mantler hervor, die als Organistin und Sängerin aktiv ist. Carla Bley ist heute die Lebensgefährtin ihres langjährigen Partners, des Bassisten Steve Swallow.
Im Schatten seines Bruders
Ebenfalls aus dem Bereich des revolutionären Jazz hervor gingen der Trompeter und Gründer des „Art Ensemble Of Chicago“ Lester Bowie und sein Bruder, der Posaunist Joseph, der mit seiner Free Funkgruppe „Defunkt“, zu der auch noch ein weiterer Bruder, Saxofonist Byron Bowie, gehörte, weltweite Erfolge feiern konnte.
Notgedrungen im Schatten seines Bruders, des Ausnahmepianisten Keith Jarrett, agiert der 1956 geborene Chris Jarrett hauptsächlich als Komponist und Solopianist in Deutschland, wo er seit den 1980er Jahren lebt. Posaunist Robin Eubanks, nach seinen Anfangsjahren bei Dave Holland, musikalischer Leiter von Art Blakeys „Jazz Messengers“, ist der Bruder des sowohl in der Pop- wie in der Jazzszene durch sein virtuoses und originelles Gitarrenspiel bestens bekannten Kevin Eubanks. Beide hatten ersten Kontakt mit Jazz durch ihren Onkel, den Pianisten Ray Bryant.
Bei den beiden Pianisten und Namensvettern Kenny Drew handelt es sich um Vater und Sohn. Kenny Drew junior setzte konsequent die stilistischen Errungenschaften seines Vaters, der aus dem Charlie Parker-Quintett von 1950/51 hervorgegangen war, fort. Lange galten sie als die meist beschäftigten Studiomusiker der Pop- und Fusionszene, das Bläsertandem Michael und Randy Brecker. Saxofonist „Mike“, der mit eigenen Projekten mehrfach ausgezeichnet wurde, verstarb bereits 2007 im Alter von 57 Jahren. Sein Bruder Randy war unter anderem Trompeter bei „Blood, Sweet & Tears“, ehe er sich voll auf seine Karriere als Jazzmusiker konzentrierte. Auch die brasilianische Sängerin Flora Purim bildet mit ihrem Landsmann, dem Perkussionisten Airto Moreira, einem Mitbegründer der Fusionband „Weather Report“, ein musikalisches Ehepaar. Zusammen sind die beiden auf unzähligen Produktionen zu finden.
Unkonventionelle Arrangiertechnik
Eine Jazzsängerin ist sie gewiss nicht, aber durch ihre Aufnahmen mit Saxofonist Stan Getz wurde sie weltberühmt und gilt seither als die coolste Sängerin in der U-Musikbranche: Die deutschstämmige Bossa Novakönigin Astrud Gilberto war von 1959-1964 mit dem brasilianischen Gitarristen und Komponisten João Gilberto verheiratet. Sie hat zwei Söhne, die ebenfalls als Musiker und Produzenten in der Branche tätig sind. Ihr Hit „The Girl From Ipanema“ verkaufte sich 1964 über eine Million mal. Eine Sonderstellung in Sachen Verwandtschaften im Jazz belegt die Dynastie der Gebrüder Jones. Alle drei erlangten Weltruhm mit ihrem jeweiligen Spezialgebiet. Hank Jones -seine Diskografie liest sich wie ein Wunschmärchenbuch- war als Pianist bevorzugter Begleiter unzähliger Jazzstars, obschon er es vorzog, im intimen Trioambiente zu arbeiten.
Im Gegensatz zu seinem Bruder widmete Thad seine Karriere den großen orchestralen Formationen und gründete nach seiner zehnjährigen Tätigkeit in der Count-Basie-Band das legendäre Thad Jones/Mel Lewis Orchestra, mit dem er durch seine unkonventionelle Arrangiertechnik einen völlig neuen Sound kreierte. Der Jüngste des Trios, der Schlagzeuger Elvin Jones, revolutionierte die Perspektive des modernen Schlagzeugspiels während seiner Zeit bei dem sagenhaften John Coltrane Quartett und diente danach mit seiner Band „Elvin Jones Jazz Machine“ vielen Newcomern als Sprungbrett in die Oberschicht bedeutender Interpreten.
Lesen Sie den vierten Teil am 14. September



