LUXEMBURG
NORA SCHLEICH

Ludovico Einaudi konnte in der Philharmonie überzeugen

Mit dem Rücken zum Publikum gewandt saß der Meister an seinem Flügel. So wurde auch symbolhaft klar, dass Einaudi der Anführer war, der seine Gäste bei ihrer Reise in seine sphärische Tonwelt begleitete. Das gesamte Bühnenwerk ermöglichte es wahrhaft, sich in den Bann des musikalischen Universums ziehen zu lassen. Neben dem zentral platzierten Pianisten befanden sich noch fünf weitere Musiker auf der Bühne, die das Ensemble des Abends komplettierten. Geige und Cello, Gitarre, Perkussion und ein Mischpult sorgten für die musikalische Begleitung des Flügels. Videoprojektionen von geometrischen Figuren, skizzenhaften Zeichnungen oder graphischen, organischen Formen wurden als visuelle Unterstützung für das Eintauchen in Einaudis tonales Reich verwendet.

Eine gewisse Erwartungshaltung schien sich am Donnerstagabend von Anfang an mit dem Publikum im großen Auditorium der Philharmonie niederzulassen. Dem bekannten Meister am Flügel lauschen zu kommen, das sollte doch einiges versprechen. Nicht nur die Standing Ovations am Ende konnten bestätigen, dass der Pianist mitsamt seinem Ensemble das Vertrauen des Publikums nicht verletzt hat. Vorwiegend wurden Stücke aus dem neuen Werk „Elements“ rezitiert, aber auch einige weltbekannte Stücke des erfolgreichen Albums „Divenire“ standen auf dem Programm.

Erhebendes Gefühl beim Zuhörer

Äußerst prägnant war die Stimmung im Saal während des Konzertes selbst. Als Zuhörer fühlte man sich wie in einen sphärischen Bann gezogen, man wägte sich in einer heimeligen Atmosphäre, in der man den Gedanken des Alltags zeitweilig entsagen konnte und sich in einer beruhigenden und losgelösten Kontemplation, nahezu wie in Trance, wiederfinden konnte. Wie schafft Einaudi es, sein Publikum in diesen eigenartigen Moment der seelischen Gesammeltheit zu versetzen? Vielleicht ist es die besondere Kombination von den einerseits sanften Flügeltönen und den dazu kontrastierenden Sequenzen der Schlaginstrumente und elektrischen Klängen? Einige Stücke wirkten durch die recht prägnanten Trommeleinsätze teilweise gar bedrohlich und dramatisch. Das aufgewühlte Gemüt wurde aber von Einaudis Flügelmelodien und den Stimmen der Streicher wieder schnell beruhigt. Die Stücke, in denen der Meister als Solist vortrug, waren unserer Meinung nach die, die dann für dieses erlösende und erhebende Gefühl beim Zuhörer sorgten. Die Anziehungskraft von Einaudis Kompositionen ist wohl dieser besonderen Mischung aus Erregung und Beschwichtigung geschuldet. Dazu kommen die nicht überstrukturierten, sondern mit einer reflektierten Einfachheit daherkommenden Melodien, welche das Eintauchen in die klangvollen Momente erleichterten. Ja, Einaudis Musik ist komplex und dennoch
„sober“, fordert heraus, ohne zu überfordern. Die Sprache des Künstlers drängt sich nicht auf, zeugt aber dennoch von einer unglaublichen Präsenz.

Auch wenn die unterschwellig melancholische Stimmung des Publikums nur schwer zu beschreiben ist, so kann der lang andauernde Applaus und die zu verspürende Begeisterung und die Ergriffenheit der Gäste nur untermauern. Einaudi und sein Ensemble konnten diesen Abend für sich gewinnen, diesem Eindruck dürften die begeisterten Anwesenden mit einem entspannten Lächeln durchaus zustimmen.