LUXEMBURG
CHRISTINE MANDY

Vor knapp einem Jahr wurde Vonesa Alijaj zur Miss Luxemburg 2015 gewählt. Was sie seitdem erlebt hat.

Vonesa Alijaj ist die stolze Miss Luxemburg 2015. Sie ist 18 Jahre alt und wohnt in Luxemburg-Stadt. Sie konnte sich am 15. November vergangenen Jahres gegen 16 Konkurrentinnen im großen Finale des nationalen Schönheitswettbewerbes „Miss Luxembourg 2015“ in Mondorf durchsetzen und die Jury von sich überzeugen.

Kein Schlankheitswahn

Anders als bei einem Modelwettbewerb werden bei einer Misswahl auch die Ausstrahlung und die Persönlichkeit bewertet. Es spielt - zumindest in der Theorie - keine wirkliche Rolle, wie groß die Kandidatinnen sind und es wird nicht von ihnen erwartet, dass sie besonders dünn sind, wie man das aus der Modelbranche kennt. „Unsere Figur war nie ein Thema“, klärt uns Vonesa auf. „Teilnehmerinnen dürfen gerne auch mal etwas mehr auf den Hüften haben.“ Weibliche Kurven und ausgeprägte Muskeln sind demnach kein Ausschlusskriterium, sondern können den Teilnehmerinnen sogar einen Vorteil verschaffen. Das heißt aber nicht, dass in dem Wettbewerb unbedingt mit Natürlichkeit gepunktet werden kann. Vonesa erzählt uns, dass ihr das im Ausland ganz besonders ins Auge gestochen ist. „Da geht es teilweise wirklich nur noch ums Aussehen“, meint sie. „Als ich in Malaysia war, hatten alle falsche Wimpern, sehr viel Make-up mit Glitzer und teure, pompöse Kleider mit Schmuck, Pailletten und allem Drum und Dran. Ich war das nicht gewohnt und habe mich sehr unwohl gefühlt. Und hässlich. Natürlichkeit zählt hier nicht.“ Trotzdem hat der 18- jährigen diese Erfahrung gefallen und es hat ihr Spaß gemacht, Miss Luxemburg zu sein. „Das Einzige, das ich nicht mag, sind Fernsehinterviews“, gesteht sie. „Ich bin immer viel zu aufgeregt.“

An Bedingungen gebunden

Als wir sie danach fragen, wie es für sie weitergehen wird, nachdem am 15. November die neue Miss Luxemburg 2016 gekürt worden ist, gibt sie uns zu verstehen, dass ihr Dasein als Miss damit beendet sein wird und dass die neue Gewinnerin ihren Platz einnehmen wird. Es stehen also danach keine weiteren Termine mehr an, es sei denn sie wird von anderen Kunden für Fotoshootings oder Modenschauen gebucht. Vonesa scheint aber beinahe ein wenig erleichtert über diese Tatsache zu sein. „Manchmal war es sehr anstrengend, das Ganze mit der Schule zu vereinbaren und das hat mich ziemlich genervt“, gesteht sie. Sie hatte sowieso nie vor, professionelles Model zu werden. Im Moment träumt sie davon, Erzieherin oder Lehrerin zu werden. Das Modeln will sie nur noch nebenbei machen.

Vonesa erklärt uns außerdem, dass ein Komitee gibt, zu dem unter anderem Präsidentin Muriel Gilbert gehört. Es entscheidet darüber, welche Aufträge sie annehmen darf, und welche nicht. „Letztens wurde ich für ein Bikini-Shooting gebucht, doch das Komitee war der Ansicht, dass ich mit Bikinifotos das Land Luxemburg als Miss nicht professionell vertreten könnte. Gleiches gilt für die Teilnahme an der Show ,Der Bachelor‘….“ Auch jedes Interview muss vorher mit dem Komitee abgesprochen werden. Vonesa darf nur mit für seriös befundenen Zeitungen, Radio- und Fernsehsendern sprechen. Das Komitee hat das letzte Wort. So besagt es der Vertrag, den jede Teilnehmerin unterschreiben muss. Was in diesem Vertrag sonst noch drin steht, konnte sie uns leider nicht verraten. Es ist aber davon auszugehen, dass alle Teilnehmerinnen einen Teil ihrer Gage für Fotoshootings und Modenschauen abgeben müssen. Ferner müssen alle Kandidatinnen 35 Euro zahlen, um überhaupt teilnehmen zu können. Ob Vonesa für die Reise nach Malaysia - hier wurde die Miss World 2015 gekürt - selber aufkommen musste, ist ungewiss.

Auf dem Boden geblieben

Unser Fazit: Miss oder Mister Luxembourg zu sein ist mit Sicherheit eine tolle Erfahrung. Man kann weitaus mehr davontragen, als die Krone, die Uhren, der Schmuck und die Gutscheine für das „Casino 2000“, die Vonesa für ihren Sieg erhalten hat. Die Siegerin sollte sich nur nicht erwarten, dass der Sieg zwangsweise Berühmtheit mit sich bringt und ihr die Türen für eine internationale Modelkarriere öffnet. Immerhin beweist Vonesa aber, dass man die Schule und das Dasein als Miss gut unter einen Hut bekommt. Die Hauptsache ist doch, dass diese nicht darunter leidet oder für die Teilnahme gar abgebrochen werden muss. Wir finden, dass Vonesas Einstellung goldrichtig ist: Sie genießt es, Miss Luxemburg 2015 zu sein und ist stolz auf den Titel, will aber trotzdem ihre Schulausbildung abschließen und ein Studium anstreben. Wir wünschen der sympathischen Schülerin ganz viel Glück dabei!


www.missluxembourg.lu