CLAUDE KARGER

Nun soll also der amerikanische Kongress vielleicht kommende Woche über einen Militärschlag in Syrien entscheiden. Das kündigte Barack Obama am Samstag an. Sicher hat der US-Präsident aus der Niederlage von David Cameron vergangene Woche gelernt. Der britische Premier hatte sich vor dem Parlament eine heftige Niederlage eingefangen: Eine Majorität hatte gegen die Teilnahme Großbritanniens an einer Syrien-Intervention gestimmt. Flugs wurden übrigens die Franzosen, dessen Präsident Hollande außenpolitisch gestärkt ist durch den Einsatz im Mali, zum „ältesten Waffenbruder“ der USA, wie der amerikanische Außenminister Kerry am Freitag unterstrich.

Das gleiche Schicksal wie Cameron könnte allerdings auch Obama blühen, denn die öffentliche Meinung in den USA ist längst nicht für den Eingriff und eher gegen die Verwicklung des Landes in einen weiteren Konflikt. Einen Konflikt, der sich zu einem zweiten Irak-Desaster entwickeln könnte. Viele werden sich noch daran erinnern, wie sie vor zehn Jahren getäuscht wurden, als die US-Regierungsspitze die Attacke auf Saddam mit falschen Informationen über mobile Massenvernichtungswaffen rechtfertigte. Seither starben 4.500 US-Soldaten im Irak. 2.300 ließen bereits ihr Leben in Afghanistan. Die meisten dürften die Mär vom schnellen, chirurgischen Eingriff aus der Luft zur Ausschaltung des Assad-Regimes nicht glauben.

Obama, der eigentlich keine Genehmigung für einen Angriff braucht - im Fall Libyen 2011 umging er den Kongress durch eine juristische Finte - spielt jetzt vor allem auf Zeit. Der US-Präsident, der seit Wochen mit gezückter Waffe dasteht, hat erkannt, dass er zum jetzigen Zeitpunkt daheim und international ungenügenden Rückhalt für eine Intervention hat. Senkt er sie jetzt, wird das den USA als Entscheidungsschwäche ausgelegt. Setzt er sie sofort ein, wird das als unverantwortliche Kriegstreiberei eines arroganten Supermacht-Präsidenten interpretiert.

Zwingt ihn der Kongress, die Waffe zu senken - deren Gebrauch er bereits beschlossen hat, wie er am Samstag bekräftigte - sieht die Lage schon ganz anders aus: Der US-Präsident kann im Falle des Falles mit den Schultern zucken und sagen, er füge sich eben einer demokratischen Entscheidung. Keine elegante Lösung, aber eben die weniger schädliche für das Image Obamas und der USA. Die sich wieder ein Dilemma erspart hätten, wenn sie statt mit dem Säbel zu rasseln und Cowboy-Methoden anzukündigen den Ball bei den Vereinten Nationen gelassen hätten.

Sollte sich vollauf bestätigen, dass im grausamen syrischen Bürgerkrieg die dreckigste aller Waffen eingesetzt wurde, kommen auch die „Veto“-Länder Russland und China im Weltsicherheitsrat, in dem übrigens auch Luxemburg sitzt, nicht umhin, ein starkes Signal gegen die Diktatur von Damaskus zu setzen. Auch Russland, das sich in den letzten beiden Jahren kaum um Vermittlung zwischen den Bürgerkriegsparteien bemüht hat - wird definitiv von seinem Verbündeten abrücken, wenn der Druck der Weltöffentlichkeit groß genug wird. Wohl wissend dass mit einer großangelegten Strafexpedition gegen Assad der Syrien-Konflikt längst nicht gelöst ist. Das können nur die Syrer selbst. Mit Unterstützung der Weltgemeinschaft.