LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Erstmals widmet sich eine Einzelausstellung dem Werk des Barockmalers Theodoor van Loon

Sein Werk ist bislang wenig bekannt, genau wie sein Name, dabei war er zu Lebzeiten ein anerkannter, gefragter - sogar einer der wichtigsten - Künstler: Theodoor van Loon, der um 1582 in Erkelenz, das damals zu den Spanischen Niederlanden gehörte, geboren wurde und später vor allem in Brüssel tätig war, aber auch mehrere Jahre in Rom verbrachte. 1649 starb er in Maastricht. Im „Musée national d’histoire et d’art“ (MNHA) bietet sich nun die Gelegenheit, diesen in Vergessenheit geratenen Barockkünstler wiederzuentdecken.

Erste Retrospektive überhaupt

Die Ausstellung wurde vom „Palais des Beaux-Arts à Bruxelles“ gemeinsam mit den „Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique“ in Partnerschaft mit dem MNHA organisiert. Es ist die erste große Einzelausstellung, die jemals über den Künstler gemacht wurde. Bis Mitte Januar war sie in Brüssel zu sehen, um jetzt bis zum 26. Mai Station im Nationalmuseum in Luxemburg zu machen, wenngleich nicht im gleichen Umfang. „Hier sind nicht ganz so viele Bilder zu sehen wie in Brüssel, dafür aber die wichtigsten und schönsten Werke“, versicherte Sabine van Sprang, wissenschaftliche Kuratorin der Ausstellung („Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique“) bei der Pressebesichtigung.

Weniger bekannt als Zeitgenosse Rubens

„Van Loon ist genauso wichtig wie sein Zeitgenosse Peter Paul Rubens, obwohl dieser oft als erste Figur genannt wird“, bemerkte van Sprang. Tatsächlich war er zu Beginn des 17. Jahrhunderts in den südlichen Niederlanden ein wichtiger Vertreter der richtungsweisenden neuen Bildsprache der italienischen Künstler, darunter auch Caravaggio. „Rubens und Van Loon bewegten sich in Rom in denselben flämischen Maler- und Intellektuellenkreisen. Die italienischen Einflüsse sind bei letzterem aber deutlicher. Der Stil, den Van Loon seinerzeit entwickelt hatte, wurde im 19. Jahrhundert als nicht flämisch genug aufgefasst. Das ist einer der Gründe, weshalb er nach und nach in Vergessenheit geriet. Dass er im 17. Jahrhundert aber ein geschätzter Maler war, beweist die Tatsache, dass er mehrere Großaufträge vom königlichen Hof erhielt“, erklärte die Kuratorin. Einen weiteren Beleg für seine Bekanntheit findet man in einem Kupferstich - ein Porträt von Van Loon - von Anthonis van Dyck. Außerdem wurden manche seiner Werke von anderen Meistern kopiert.

Monumentale religiöse Gemälde

Sein Werk umfasst in der Hauptsache religiöse Gemälde mit monumentalen Figuren, darunter viele große Altarbilder mit sehr reicher Komposition. Charakteristisch ist die kontrastreiche Hell-Dunkel-Malerei, ausgehend von einem relativ dunklen Hintergrund (unverkennbar der Einfluss Caravaggios). Er versteht es, seine Figuren mittels dieser Technik kraftvoll zu formen und geradezu skulptural wirken zu lassen. Ein weiteres Merkmal: Van Loon hat ausschließlich auf Leinwand gemalt, was zu jener Zeit recht ungewöhnlich war.

Nach den religiösen Unruhen im 16. Jahrhundert hat Van Loon zur Entstehung eines neuen Typus religiöser Gemälde beigetragen, die letzten Endes wegen der leicht verständlichen Bildsprache für jeden - auch das einfache Volk - zugänglich waren.

Lückenhaftes Wissen

„Obwohl relativ wenig über seine Ausbildung oder überhaupt sein Leben bekannt ist, darf man davon ausgehen, dass er am Anfang seiner Karriere rund zehn Jahre in Italien verbracht hat, eben zu jenem Zeitpunkt, als der bedeutende italienische Maler des Frühbarocks Caravaggio seine Gemälde in den dortigen Kirchen anbringt“, so die Expertin weiter. In dem Werk „Pietà“ erkennt man deutlich den Einfluss Caravaggio. „Der Hintergrund ist extrem dunkel, die Figuren - der sterbende Jesus, die liebende Jungfrau Maria und ein tröstender Engel - stechen im Licht hervor, was dem Ganzen eine dramatische Note verleiht. Van Loon war ein großer Kolorist, der es verstand, seinen Gemälden eine unglaubliche Tiefe zu verleihen. Die Figuren scheinen geradezu aus dem Bild hervorzutreten“, beschrieb die Kuratorin.

Van Loons Spiel mit dem Schatten und der Leuchtkraft der Farben ist in der Tat einzigartig, wovon man sich auch im übrigen Teil der überaus sehenswerten Ausstellung überzeugen kann.

„Theodoor van Loon - Ein Caravaggist zwischen Rom und Brüssel“ kann bis zum 26. Mai im MNHA besichtigt werden. Weitere Infos unter www.mnha.lu