LUXEMBURG
DANIEL OLY

Die Benefiz-Streamer von „Zocken mat Häerz“ gamen zum vierten Mal für karitative Zwecke

Es stimmt: „Die wollen doch nur spielen!“ Aber hinter den „Gamern“ von „Zocken mat Häerz“ steckt doch noch eine Menge mehr. Sie zocken nämlich nicht nur zum Spaß - im Gegenteil, sie spielen für den guten Zweck. Schon zum vierten Mal wird es an diesem 6. April deshalb in einen Marathon-Livestream der etwas anderen Art gehen. Und der bisherig große Erfolg zeigt: Auch „Gamer“ haben große Herzen.

Große Events im Ausland stehen dabei Pate: „Wir haben uns etwa bei ,Friendly Fire‘ inspiriert“, erklärt Gründer Dan Wennmacher. Diese Spendenaktion aus Deutschland wird seit 2015 von großen deutschen YouTubern und Steamern wie „Gronkh“, dem knapp 4,8 Millionen Accounts folgen, brachte bei seiner Ausgabe 2018 knapp 808.000 Euro ein, die unter anderem in Krebsforschung, Tiernothilfe und Projekte gegen Diskriminierung fließen konnten. Der zwölfstündige Stream hatte damals bisweilen fast 100.000 Zuschauer zur gleichen Zeit.

Einstand mit Erfolg

So etwas - wenn auch im etwas kleineren Rahmen - sollte doch auch hierzulande machbar sein, dachte sich Wennmacher. „Deshalb haben wir vor vier Jahren mit ,Zocken mat Häerz‘ begonnen“, erklärt er. Das Konzept: 24 Stunden lang live auf Sendung, Unterhaltung bieten und Zuschauer animieren, etwas für den guten Zweck zu spenden. „Damals haben wir ganz klein angefangen und von zuhause aus übertragen.“ In den Folgejahren haben sich die Organisatoren dann an Ort und Stelle in der Maison Krieps in Differdingen versammelt und von dort aus gemeinsam gestreamt.

Mit Erfolg: „Im vergangenen Jahr haben wir schon mehr als tausend Euro an Spenden sammeln können - und das ohne finanzielle Hilfe“, betont Wennmacher. Die Organisatoren haben zwar Sponsoren, die Sachpreise im Gewinnspiel anbieten können. Alle gesammelten Gelder kommen aber integral durch die Zuschauer zusammen. Das bedeutet natürlich eine Menge Arbeit: „Wir haben acht Leute im Team, die sich um die gesamte Vorbereitung kümmern. Am Marathon-Abend selbst werden wir dann zu sechst sein“, erklärt er. Das sei auch deshalb wichtig, weil man sich so abwechseln könne. „Vier Leute spielen, zwei weitere kümmern sich derweil um das Streamen und den Chat.“ Schlaf? Fehlanzeige.

„Wir haben in diesem Jahr auch prominente Gäste bei uns“, wie Wennmacher unterstreicht. So wird etwa das ehemalige Vorstandsmitglied von ESports Luxembourg, Jerôme Becker mit von der Partie sein. Außerdem werden die Spieler in diesem Jahr in zwei Teams aufgeteilt, die gegeneinander antreten und Punkte sammeln können. „Das steigert den Unterhaltungswert, heizt die Zuschauer etwas an“, meint Wennmacher. Schließlich schauen zwischenzeitlich fast 60 Zuschauer zur selben Zeit rein - exzellente Zahlen für das kleinere Großherzogtum. „Das soll aber ganz klar noch besser werden“, erklärt der Gründer. Zu diesem Zweck soll aus der Organisation künftig ein eingetragener Verein werden, damit sich aktive Mitglieder besser um „Zocken mat Häerz“ kümmern können. Ein wichtiger Schritt wäre da unter anderem die Anschaffung der nötigen Technik. „Die leihen wir uns teilweise noch oder steuern sie selbst bei“, erklärt er.

Abwechslungsreiches Spieleprogramm

Was gezockt wird, steht übrigens schon fest: „Nachts gibt es haufenweise Horror-Games, unter anderem auch, damit wir wach bleiben“, meint Wennmacher mit Blick auf Titel wie den Zombie-Shooter „Left 4 Dead“ oder „Dead by Daylight“. Klassiker wie „Rocket League“ oder „Gangbeasts“ dürften aber ebensowenig fehlen wie das neue „Mario Kart 8“ für Nintendos „Switch“-Konsole. Geheimtipp: „Wir werden auch das Partyspiel ,1-2-Switch‘ zocken, da ist auch eine Menge Körpereinsatz gefordert“, erklärt Wennmacher. Es dürfte also auch richtig was zu Lachen geben.

Natürlich sei die Entscheidung zum sozialen Engagement auch zum Teil ein Kampf gegen Stereotype. „Das Vorurteil, dass schüchtern, verschlossen, verklemmt und versteckt gezockt wird, dass alle Spieler introvertiert sind und sich für die echte Welt nicht interessieren“, meint Wennmacher. „Das war auch einer der Gründe, warum wir ,Zocken mat Häerz‘ überhaupt gegründet haben.“ Die Gesellschaft sehe bei „Gamern“ nämlich eben genau das, was sie sehen will - den spielesüchtigen Nerd aus dem Keller, wie er im Bilderbuch steht. „Spielen ist als Hobby aber inzwischen ganz gewöhnlich und sollte deshalb längst von seinem Stigma erlöst sein.“ Da hoffen die Organisatoren von „Zocken mat Häerz“, auch gewissermaßen eine Lanze brechen zu können, denn gemeinsam mit den Spendenden zeige die Benefizveranstaltung, dass es den „Gamern“ eben nicht egal ist: „Wir selbst sind ebenfalls gefragt, um dieses Vorurteil zu lösen“, weiß er.

Der 24-Stunden-Stream findet vom 6. bis zum 7. April statt. Start ist um 18.00. Mehr Informationen unter , auf Facebook, Instagram und auf Youtube.