LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Villa Vauban präsentiert sich mit Ausstellung „Confrontations“ erneut als „Museum für alle“

Nach dem großen Erfolg der ersten Ausstellung dieser Art im vergangenen Jahr präsentiert sich die Villa Vauban ab heute erneut als „Museum für alle“ und lädt mittels einer Vielzahl an Vermittlungsangeboten zu einer ebenso spielerischen wie lehrreichen Entdeckungsreise ein. Die Ausstellung „Confrontations“ erlaubt es den Besuchern aller Altersstufen und Bildungsniveaus, mit und ohne Behinderung, über 70 Gemälde, Aquarelle, Stiche und Skulpturen aus dem 17. bis 21. Jahrhundert auf eine etwas andere Art zu entdecken. „Es ist eine konsequent inklusive Ausstellung, die einzige dieser Art in Luxemburg“, bemerkt die Direktorin der beiden Stadtmuseen Danièle Wagener während des Presserundgangs - übrigens ihr letzter, da sie am 1. September in Rente geht.

Inhaltlich inspirierte habe man sich an einer vorangegangen Expo, in deren Rahmen ein Saal unter dem Thema „ungleiche Paare“ stand. „Das eröffnet eine ganze Welt von Assoziierungen, Ideen und Vergleichen, wodurch Kunst dem Publikum letztlich auch zugänglicher gemacht wird, deshalb haben wir die neue Ausstellung ganz um dieses Prinzip aufgebaut“, erklärt Wagener. In der Tat lassen sich viele interessante Dialoge zwischen den einzelnen Werken entdecken. „Diese Konfrontationen sind nicht im negativen Sinn zu verstehen, vielmehr sind es Gegenüberstellungen von Werken, die sich gut ergänzen“, fügt Gabriele Grawe, Kuratorin der Villa Vauban, hinzu

Jeder kann die Exponate auf seine eigene Art entdecken

Das Besondere an der Schau ist zweifelsohne ihr konsequentes Konzept von Barrierefreiheit und Inklusion, das es jedem Besucher erlaubt, die Exponate entsprechend seinen motorischen oder auch kognitiven Fähigkeiten zu entdecken. Skulpturen zum Anfassen und Tastmodelle verschiedener Gemälde (liegen auf höhenverstellbaren Tischen bereit) gehören ebenso dazu wie beispielsweise Informationsmaterial in leichter Sprache. Außerdem kann eine neue App heruntergeladen werden, die Zusatzinformationen zu den Werken bietet und als Lesehilfe für Sehbehinderte dient.

Gleich der erste Saal steht unter dem Motto „Bitte anfassen“. Nachdem Einweghandschuhe übergestreift wurden, können zwei Skulpturen mit den Händen entdeckt werden: aus Bronze „Mutter und Kind“ (1946) von Baltasar Lobo und eine Reproduktion aus Kunstharz von Auguste Rodins „Der Denker“. „Dadurch wird Sehbehinderten die Möglichkeit geboten, ein Werk durch Ertasten sozusagen doch zu sehen, aber auch allen anderen Besuchern möchten wir ermöglichen, eine Skulptur anzufassen und die Struktur zu erfühlen“, sagt Kyra Thielen, Verantwortliche der pädagogischen Abteilung.

Spiel mit den Sehgewohnheiten

Im einem nächsten Raum geht es um ein Spiel mit unseren Sehgewohnheiten, so sind zum Beispiel zwei Kopien von unbekannten Künstlern eines Gemäldes von Antoine Coypel („Susanna und die Alten“) zu sehen. Detailgetreu haben auch zwei Künstler unterschiedlicher Epochen das Werk „Die Festnahme des Samson“ von Anthonis van Dyck nachempfunden, einmal als Kupferstich und einmal in Öl auf Holz. Bei längerem Betrachten erkennt man durchaus Unterschiede. Alte Kunst wird in „Confrontations“ noch dazu zeitgenössischer Kunst gegenübergestellt, so etwa auf der einen Seite ein Jagdstillleben (1836/37) von Gregorius Jacobus van Os und auf der anderen Seite das leicht surreal wirkende „Huhn 4“ (2011) von Dany Prum.

Tastmodelle, angefertigt in Zusammenarbeit mit Sehbehinderten

„Die Tastmodelle fasst natürlich jeder an. Das wirklich Erstaunliche ist, dass man manchmal tatsächlich mit den Händen mehr sieht, also entdeckt, als mit den Augen“, weiß Gabriele Grawe. Besonders deutlich wird dies im Ausstellungssaal, der Italien gewidmet ist. Vom Gemälde „Der Canal Grande vom Campo San Vio aus gesehen“ (um 1723) von Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto, wurde ebenfalls ein solches Modell angefertigt, wobei unterschiedliche Holzarten verwendet wurden, um etwa die Glätte des Wassers nachzuahmen oder die architektonischen Besonderheiten hervorzuheben. „Diese Tastmodelle werden von einer Firma hergestellt, die ihren Sitz in Aix-en-Provence hat. Die Besonderheit ist, dass bei jedem Schritt mit blinden Menschen zusammenarbeitet wird, dass demnach ständig Rückmeldung gegeben wird, falls eine Information durch das Ertasten nicht verstanden wird“, erklärt die Kuratorin. Canalettos Gemälde wird übrigens auch in einem extra zu diesem Zweck produzierten Film erklärt, und zwar in leicht verständlicher Sprache (deutsch, englisch, französisch und luxemburgisch).

Der Spaßfaktor wird indes auch im Fotoraum garantiert, wo Verkleidungen bereitgestellt werden und man sich in die Protagonisten eines Kunstwerks - in diesem Fall „Enfant vendu par les pirates“ von Henri Baron - verwandeln kann. Ein anderer Raum der Ausstellung ist als „Kindermuseum“ eingerichtet und steht unter dem Thema „die Schule des Lebens“. Kindern wird es ganz bestimmt nicht langweilig in dieser Ausstellung. Dafür wird auch mit einem breit gefächerten Rahmenprogramm gesorgt. „Wir versuchen in unserem pädagogischen Programm möglichst viele Zielgruppen anzusprechen, so etwa Eltern mit Babys oder auch noch die Drei- bis Sechsjährigen, die in solchen Programmen oft vergessen werden, weil sie eben noch nicht die motorischen Fähigkeiten besitzen, an bestimmten Workshops teilzunehmen“, erklärt Kyra Thielen. Neben geführten Besichtigungen für Menschen mit einer Sehbehinderung und solchen in Gebärdensprache, kommt diesmal übrigens auch eine „Visite guidée“ in leichter Sprache hinzu. Die Besichtigungen können den individuellen Bedürfnissen der Besucher noch dazu angepasst werden.

„Confrontations - Ein Museum für alle“ läuft bis zum 3. Februar 2019. Während der Dauer dieser Ausstellung ist der Museumseintritt kostenlos. Alle Infos unter www.villavauban.lu