LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Rhythmus ohne Instrument: WAB zeigt, wie die menschliche Beatbox funktioniert

Wenn der Mund zum Rhythmusinstrument wird, wenn Drumcomputerbeats, Scratches oder Schlagzeug imitiert werden, dann sind menschliche Beatboxen im Einsatz. Einer, der das beherrscht und sein Wissen weitergibt, ist Habib Julien. Im Rahmen des „A CAPE’lla - Festival autour de la voix“ bietet der französische Sänger und Beatboxer, besser bekannt als WAB, einen Workshop an. Das Festival für Chorsänger, Gesangslehrer, Sänger aus Rockhal und Rocklab, andere Profis, aber auch Amateure findet am Wochenende im „CAPE-Centre des Arts Pluriels Ettelbruck“ statt.

Das Festival bietet viele verschiedene Musikstile in mehreren Konzerten und einer ganzen Reihe von Workshops, die in einer zweitägigen „Singing Roadshow“ angeboten werden: Außer für „Human Beatboxing“ gibt es auch in klassischem Chorgesang oder im a cappella Pop- & Jazz-Konzert Workshops. Ziel des Festivals ist es, die Unterschiede zwischen den Niveaus der verschiedenen Sänger auszugleichen und für einen Austausch der verschiedenen Sparten zu sorgen. Bisher gibt es schon mehr als 50 Teilnehmer.

Pfeiler des Hip-Hop

Das „Human Beatboxing“ wird oft mit dem Hip-Hop verbunden. Allerdings bleibt das Beatboxing selbst nicht nur der Hip-Hop-Kultur vorbehalten, denn die Mundmusiker sind auch in Jazz oder Weltmusik unterwegs, wo sie Drummer oder Bassisten ersetzen oder Geschichten mit Geräuschuntermalung erzählen. Egal ob Hip-Hop oder Pop, wie das geht, Musikmachen ohne Instrument, zu Singen ohne die Stimme zu benutzen, das erklärt WAB am lebenden Beispiel. Der Sänger und Beatboxer zeigt, wie man Instrumente und andere Klänge mit Mund, Nase und Rachen nachahmen kann.

„Es gibt auch viele interessierte Erwachsene, aber unter den jungen Leute kennt das jeder“, erklärt er. „Egal, ob sie es in den Schulpausen praktizieren oder ob sie es nur in Songs hören, es gehört zu ihrer Kultur.“ Dabei hat „Human Beatboxing“ für ihn viele Vorteile: Das Instrument hat man immer dabei, es ist spielerisch , faszinierend und unmittelbar. WAB selbst wurde schon als Kind von Lauten im Allgemeinen und von musikalischer Sprache angezogen. Schließlich kam in den 80ern die „Human Beatbox“ auf und wurde dann mit dem Hip-Hop wiederum einem größeren Publikum bekannt - bevor die Technik wieder etwas in Vergessenheit geriet und um die Jahrtausendwende erneut Fans fand. WAB ist seit 20 Jahren professionell dran geblieben. Unterdessen hat er aber auch beobachtet, dass „Human Beatboxing“ sich mehr und mehr öffnet, hin zu einem Austausch zwischen Instrumentenspielern und Beatboxern. Und WAB selbst sieht sich auch nicht als einen reinen Beatboxer, sondern singt bei seinen Auftritten zudem und tritt auch mit der Gruppe „Humanophones“ auf. 2010 brachte er das Album „TransFunk Express“ heraus, „Micro Groove“ folgte 2015 mit der Begleitung von anderen Musikern.

Persönlicher Egotrip

In dem Workshop wird WAB auch seine „Loop-Maschine“ vorstellen. Bei einer „Loop-Station“ wird eine Tonspur aufgenommen und wiederholt. Damit und mit seiner eigenen menschlichen Beatbox schafft WAB eine Musik, in der sich Soul, Reggae, Jazz, Hip-Hop und Funk begegnen.

Nach seiner Aussage ist er der erste Musiker, der in Frankreich mit dieser Technik angefangen hat. „Ich werde die Vorteile und die Möglichkeiten der ,Loop-Maschine‘ vorstellen, aber auch die Fallen und Hindernisse. Wir werden lernen, wie man einfache Loops und Schleifen macht.“ Ziel ist aber, die Oberhand zu behalten, nicht, dass die Maschine zum Meister der Musik wird. „Das ist sehr persönlich, es ist ein Egotrip“, sagt er über die „Loop-Maschine“. Gedacht ist das Ganze als Arbeit im Kollektiv und Austausch.

Dass menschliches Beatboxing in der Musikszene hoch angesehen wäre, kann WAB aber nicht sagen. „Man ist ein bisschen isoliert und wird eher für die Performance geschätzt, aber viele junge Leute machen Cover“. Wenn er als Sänger und Beatboxer auftritt, versucht er ein Konzert zu bieten, was aber noch selten sei.


Weitere Informationen unter www.wab-funkymachine.com; Kontakt zum Festival unter und www.cape.lu/de/76


Am Freitag treten „Humanophones“ mit WAB als Sänger
und menschliche Beatbox auf. Sie bieten ein Programm,
das Body-Percussion und Stimmenakrobatik mischt und Jazz, Pop, Soul und Funk zusammenführt. Beginn um 20.00