LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Bei der „DigiRallye“ lernen Kinder, wie sie sich im Internet selbst schützen können

Die Mitarbeiter von Bee Secure sind sich schon lange bewusst, dass es unheimlich wichtig ist, Kinder genauer über das Internet und die digitale Welt zu informieren, daher haben sie gestern bereits zum neunten Mal die „DigiRallye“ organisiert. Eine Veranstaltung, für die sich ausschließlich „Maisons relais“ anmelden können. Rund 100 Acht- bis Zwölfjährige haben in diesem Jahr ihren Weg ins Forum Geesseknäppchen gefunden. Neben zahlreichen Informationen zur Berufswelt des digitalen Bereichs und zur Cybersicherheit, die altersgerecht vermittelt werden, können sie aktiv mitwirken und in spielerischen Diskussionsrunden ihr Wissen beweisen und erweitern. „Es geht in erster Linie um Prävention und Sensibilisierung. Das Internet vergisst nicht, je früher man das versteht, desto besser. Die Kinder gewährleisten eigentlich ihren eigenen Schutz im Internet“, erklärt Aurore Napolitano, die für die Kommunikation bei Bee Secure zuständig ist. Um das Ganze noch etwas spaßiger zu gestalten, wird den jungen Teilnehmern ein Heftchen ausgeteilt, in dem sie nach jeder bestandenen Mission Stempel sammeln.

Selbstschutz und Realitätsbewusstsein

Bei unterschiedlichsten Stationen können sich also Kinder aus den „Maisons relais“ informieren und austoben - dies auch künstlerisch. Bee Secure begeistert beispielsweise mit einem Atelier, bei dem Kinder Zeichnungen anfertigen, von denen sie denken, dass sie nicht ins Internet gehören. „Eines der Kinder hat eine Frau gezeichnet, die raucht, und gesagt, dass dies nicht im Internet landen sollte. Später wird darüber diskutiert, warum solche Bilder nicht online zu sehen sein sollten“, erzählt Aurore Napolitano. Denn auch das Hochladen von Bildern oder Videos sollte nicht leichtsinnig passieren, immerhin geht es in diesen Fällen auch um Selbstschutz. Schutz ist überhaupt eines der Hauptthemen der Rallye. Deshalb gibt es beispielsweise einen Workshop zum Thema Passwort-Sicherheit. Mit jeweils drei Buchstaben sollen alle möglichen Passwortkonstellationen herausgefunden werden. Um allerdings dieses doch eher abstrakte Konzept der Sicherheit zu verdeutlichen, wird den Internetnutzern von morgen beigebracht, dass man es sich wie das Schloss an einer Tür vorstellen muss: Wer sicher sein will, muss abschließen.

Die Entdeckungsreise durch das Forum führt die Kinder sogar vor den Green Screen. Das Casino Luxembourg hat diesen zur Verfügung gestellt, um vorzuführen, dass tatsächlich jeder denkbare Hintergrund geschaffen werden kann, was den Kindern zeigt, dass nicht alles, was sie sehen, der Realität entspricht. Gleiches gilt für Videos, die oft manipuliert oder gestellt sind. Hierzu werden während einer Frage-Antwort-Runde Clips angeschaut, von denen die jungen Teilnehmer erraten sollen, was fake ist und was nicht. Dass nicht Donald Trump „All I want for Christmas is you“ singt, war den kleinen Teilnehmern allerdings schnell klar - der Spaß bei der Sache fehlt jedenfalls nicht, denn besonders dieses Filmchen sorgt für großes Gelächter.

Wer es lieber actionreicher mag, kommt bei der Station der Polizei auf seine Kosten. Kleine Autobegeisterte können ihre Reaktionsfähigkeit beim Rennspiel testen - da kommt es dann glücklicherweise nur zu digitalen Aufprällen und Schrammen. Bei den kleinen steuerbaren Robotern in einem weiteren Workshop, können die Kids die Führung wieder richtig übernehmen. Zudem wird ihnen das Kodieren und Programmieren nähergebracht, um ihnen mögliche Berührungsängste zu nehmen. „Ihnen soll gezeigt werden, dass das Internet sowie der Rest der digitalen Welt, keine Hexerei ist, sondern einfach technische Infrastrukturen dahinterstecken“, heißt es seitens der Organisatoren.

Für eine offenere Gesellschaft

Die Station des „Ministère de l‘Égalité entre les femmes et les hommes“ (MEGA) beschäftigt sich mit stereotypen Auffassungen in der Berufswelt. Hier sehen sich die jungen Teilnehmer erst kurze Filmchen der neusten MEGA-Kampagne an, die schon ins Thema Vorurteile einleiten. Danach geht es konkreter darum, welche Berufe Frauen und Männer ausüben können. Das erschreckende Fazit: Stereotypen sind auch in dieser Generation noch stark verankert, verrät Sascha Dahm. „Bei diesem Atelier merkt man, wie wichtig es ist, weiterhin Sensibilisierungsarbeit zu leisten. Das Denken in Klischees ist leider immer noch sehr präsent“, erkennt der Mitarbeiter des MEGA. Sind Kinder der Meinung, dass ein Beruf Männersache ist, halten sie eine blaue Karte hoch, für „weibliche“ Berufe wird eine rosa Karte gezeigt. Tatsächlich bestätigt sich das Denken in Klischees in diesem kurzen Experiment. Dass Frauen genauso Führungspositionen oder einen Arztposten annehmen können wie Männer, ist für eine Vielzahl der Kinder nicht selbstverständlich. Ein Problem, das es möglichst schnell zu lösen gilt. „Das ist auch eine Aufgabe, die das Schulpersonal und die Betreuer auf sich nehmen müssen, da sie einen sehr großen Einfluss auf die Kinder haben“, heißt es weiter. Letztere sollen verstehen, dass sie jeden Beruf ausüben können, den sie möchten, und dass dieses Schubladendenken in einer modernen, offenen Gesellschaft eigentlich nichts mehr zu suchen hat. Kinder sollen ein Weltbild vermittelt bekommen, in dem Gleichberechtigung großgeschrieben wird.